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Ein Lehmann für alle Fälle

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- München - Als Matthias Sammer dieser Tage seinem formschwachen und zuletzt gesperrten Regisseur Tomas Rosicky einen Freibrief ausstellte ("Er gehört immer in die Mannschaft"), dürfte dies auch ein junger Spieler des TSV 1860 mit Interesse vernommen haben. Durch die Einsatzgarantie für Rosicky hat Dortmunds Trainer praktisch einen Spieler des Sonntagsgegners mit aufgestellt: Matthias Lehmann.

Lehmann (20), muss man wissen, ist bei Löwen-Coach Falko Götz der Mann für alle Fälle. Spezialgebiet: Gegnerische Schaltzentralen lahm legen. Bei seiner Bundesligapremiere zermürbte der schwäbische Wadlbeißer den ehemaligen Nationalspieler Dariusz Wosz (Bochums Spielmacher wurde nach 70 Minuten frustriert ausgewechselt). Bei seinem zweiten Einsatz blockierte er Herthas Herzstück Marcelinho.

In Schalke schließlich rückte Lehmann kurz vor dem Anpfiff für den verletzten Martin Stranzl ins Team - und meisterte auch diesen Kaltstart mit Bravour. Nebenbei bemerkt: Keine dieser drei Partien hat 1860 verloren. "Er ist ein sehr zuverlässiger Spieler", lobt Götz.

Spezialaufträge bestimmten auch in den ersten sechs Monaten von Lehmanns Wirken in München seinen Tagesablauf, allerdings lauteten sie: "Schränke aufbauen, Betten verschieben, in der Küche helfen." Nicht etwa beim TSV 1860, sondern im Altenheim St. Willibold in Schwabing. Als Lehmann im Sommer von den Amateuren des VfB Stuttgart zu den Löwen kam, musste er erstmal seinen Zivildienst beenden, den er mit Andreas Hinkel in Waiblingen begonnen hatte. 7 Uhr aufstehen, ab ins Heim, kurz zum Training, dann wieder zurück in den Altenstift bis um halb sechs. "Das war manchmal ziemlich stressig", sagt er, "aber ich hab's auch gern gemacht." Vor allem, weil ihm Götz und seine Löwen trotzdem das Gefühl gaben, zur Mannschaft zu gehören. "Das war in Stuttgart ganz anders."

Beim VfB litt Lehmann darunter, einer von vielen zu sein. Rolf Rüssmann hatte den Jugendnationalspieler damals vom SSV Ulm geholt, doch als der Manager bald darauf gehen musste, war auch Lehmann praktisch weg vom Fenster. Er versauerte bei den Amateuren, durfte nur einmal als 19. Mann mit der A-Mannschaft mitreisen, den eigentlichen Ziehvater der "jungen Wilden", Felix Magath, hat Lehmann nie richtig kennen gelernt. Nur einen Kontakt habe es gegeben, damals als 1860 schon auf Lehmann aufmerksam geworden war. "Magath hat mich in sein Büro gerufen und gesagt, er hat so Sachen gehört, ich würd' mich hängen lassen." Hat aber nicht gestimmt, sagt Lehmann, er sei nämlich einer, "der immer 110 Prozent gibt, bis zuletzt".

Unter anderem deswegen schätzen sie Lehmann bei den Löwen. Zivildienst, Training bei den Profis, Einsätze im Amateurteam, U 20-WM - Lehmann hat nicht nur diese Vierfachbelastung ohne zu klagen bewältigt, sondern darüber hinaus auch als gelehriger Jungprofi auf sich aufmerksam gemacht. "Sicher hat er den einen oder anderen Hänger gehabt", räumt Götz ein, aber ansonsten habe er "eine unheimlich gute Entwicklung genommen." Und dass Danny Schwarz für den Rest der Rückrunde ausfällt, muss nicht zu seinem Nachteil sein. Der Job im zentralen Mittelfeld ist Lehmanns Lieblingsposition.

Lehmanns Lieblingsverein war in seiner Jugend übrigens Borussia Dortmund. Jetzt kann er immerhin behaupten: Sammer, Idol von einst, hat ihn aufgestellt.

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