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Lienen: Träume sind erlaubt

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München - Der Trainer des TSV 1860 München, Ewald Lienen,gibt sich zum Trainingsauftakt seiner Mannschaft volksnah - den Aufstieg hat er dabei fest im Visier.

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Die letzte Pointe des Tages ging auf Kosten des Trainers. Die sportlichen Themen waren bereits durch, es wurde wild über mögliche Hauptsponsoren fantasiert, als Miroslav Stevic dem asketischen Image von Ewald Lienen mit der Blutgrätsche begegnete. Dass Pazifist Lienen Rüstungsfirmen auf der Brust „schwer mit dem Gewissen vereinbaren“ könnte, hatte er bereits zugegeben, doch wie sähe es mit einem Gummibärchen-Hersteller aus? „Also, ich habe ihn bisher nicht als Süßigkeitengegner erlebt“, enthüllte der Sportchef breit grinsend. Lienen also eine heimliche Naschkatze? Bevor noch mehr heikle Wahrheiten ans Licht kamen, war nun die Zeit gekommen, die Pressekonferenz zu beenden.

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Launig war’s auch zuvor zugegangen beim ersten Trainingstag des TSV 1860 nach der Pause. Mehrere Hundertschaften Fans waren trotz des Nieselregens gekommen, der Bratwurststand am Stüberl hatte Hochkonjunktur, es gab schließlich einiges zu sehen: Die vier neuen Profis Kiraly, Ludwig, Pappas und Felhi, etliche U 23- und U 19-Spieler, die den Kader auffüllen, bis die Nationalspieler und Rekonvaleszenten zurück sind (Aigner lief schon, Bierofka fällt noch länger aus) – und natürlich den Trainer.

Der war in bester Plauderlaune. Mit einer ganzen Traube von Anhängern blickte er in einem lockeren Gespräch am Fangzaun in Vergangenheit und Zukunft. Dabei war die Relegation von 1977, die Lienen mit Bielefeld trotz eines 4:0-Vorsprungs gegen 1860 verlor, genauso ein Thema („Betrug und Schiebung“) wie sein aktueller Plan, „noch einen Topstürmer und zwei Mittelfeldspieler zu holen“. Ein volksnaher Trainer, der vermeintlich so ernste Ewald.

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Pluspunkte sammelte er auch, weil er enthüllte, schon in den 60er-Jahren mit 1860 sympathisiert zu haben. Begründung: „Sie haben den schönsten Fußball gespielt.“ Dahin will Lienen die Löwen wieder bringen: „Wir wollen attraktiv und erfolgreich spielen“, sagt er, „das Spielsystem ist dabei völlig unwichtig. Das richtet sich nach den Spielern, die noch dazukommen.“ Bei den Fans genießt Lienen schon jetzt vollstes Vertrauen. Tenor: Der Umbau der Mannschaft ist bitter nötig – und endlich ist mal wieder ein Trainer da, der Optimismus versprüht. Einer, der sind nicht scheut, den Aufstieg ins Visier zu nehmen. „Die Fans haben diesen Traum und wir auch“, sagt Lienen. Aber: „Es macht keinen Sinn, da permanent drüber zu reden. Eine Saison ist wie eine lange Leiter. Und die wollen wir peu à peu hochklettern.“ Bis 1860 an die Tür zur 1. Liga pocht.

Zunächst steht aber eine schweißtreibende Vorbereitung an. „Läufe und so ein Kram“, sagt der aus St. Pauli gekommene Alexander Ludwig verächtlich, „definitiv nicht mein Ding, aber es muss ja sein.“ Fünf Wochen sind es bis zum ersten Pflichtspiel (DFB-Pokal), dazwischen liegen das Trainingslager in St. Johann im Pongau (13. bis 22. Juli) und neun Testspiele, das erste nächsten Freitag beim TSV Allach (19 Uhr). Lienen: „Wir wollen eine leistungsfördernde Konkurrenzsituation schaffen. Jeder muss durch Aggressivität und Motivation um seinen Platz kämpfen.“ Dazu ist selbst ein Trainingsmuffel wie Ludwig bereit: „Wir wollen das Schiff 1860 wieder nach vorne bringen.“

Seit langer Zeit also mal wieder so etwas wie Aufbruchstimmung in Giesing. Dabei hatte der Tag gleich mal mit einem Missgeschick begonnen. Als Lienen nach seinen Spielern aus der Kabine schritt, den freundlichen Beifall abwehrend, fiel ihm sein berühmter Notizblock in eine Pfütze. Er nahm’s aber mit Humor. Die wichtigsten Pläne hat er sowieso im Kopf.

Von Uli Kellner

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