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Lienen verleiht den Löwen neue Flügel

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Fliegender Flügelflitzer: Alexander Ludwig, zuletzt links im Löwen-Mittelfeld, erhält wohl eine Pause. © Sampics

München - Der 1860-Coach Ewald Lienen und sein taktischer Hühnerhaufen: Nette Worte für Lovin, frische Kräfte für Ludwig und Kaiser.

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Vielleicht hat Ewald Lienen gemerkt, dass seine deutlichen Worte im medialen Echo einen falschen Klang erhalten haben. Dass nun ausgerechnet jener Spieler als Sündenbock dasteht, der es doch nur gut gemeint hatte. Jedenfalls sah sich der Löwen-Coach veranlasst, den Tenor der Schlagzeilen („Liebesentzug für Florin Lovin“) abzumildern und seinem am Montag orientierungslosen Mittelfeldchef einen Strauß netter Worte zu flechten.

„Der Flo ist ein ganz wichtiger Spieler für uns“, hob Lienen zu einer längeren Wertschätzungsrede an. „Er kann es einfach nicht ertragen, wenn der Gegner den Ball hat. Aber manchmal will er zu viel und öffnet dem Gegner dadurch Räume, dann muss man ihm bremsen.“ Und weil er gerade so schön am Formulieren war, hatte Lienen auch gleich eine kreative Lösung parat, wie man den Mann, der Defensivabräumer, Antreiber und Spielmacher zugleich sein will, bändigen könnte: „Im Grunde braucht er eine Leine im Rücken, die jemand in der Hand hält.“

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Natürlich weiß auch Ewald Lienen, dass der Champions-League-erprobte Lovin (27) alt und erfahren genug ist, um an der Hand genommen zu werden. Anstatt den Aktionsradius seines Kilometerfressers per Dienstanweisung einzugrenzen, appelliert der Coach daher an dessen gesunden Fußballverstand. „Er muss einfach lernfähig sein“, flehte Lienen, „wir brauchen ihn. Er ist einer unser besten und wichtigsten Spieler.“

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Lovin kann sich seines Stammplatzes also weiterhin sicher sein (zumindest bis zum morgigen Spiel bei RW Ahlen), bangen müssen eher die Kollegen zur Rechten und Linken. Neben dem rumänischen Mittelfeld-Rumtreiber waren es Alexander Ludwig und Sandro Kaiser, die Lienen beim verunglückten KSC-Heimspiel (1:3) am wenigsten gefallen haben. Nicht wegen ihrer Haltung an sich („Einstellungsmäßig war das top“), sondern wegen eines taktischen Verhaltens, das der Coach als „suboptimal bis schlecht“ bezeichnet. Werden die Flügel so kopflos beackert wie zuletzt, doziert Lienen, „können die Außenverteidiger nicht nachschieben“, und das sei schließlich „das Salz in der Suppe“. Anders ausgedrückt: „Man kann nicht den Ball nehmen, unter sich begraben und irgendwo hinrennen.“ Auch dieser Satz nährt den Eindruck, dass Lienens Löwen auf dem Stand dessen sind, was man landläufig einen „Hühnerhaufen“ nennt.

Doch wie will der Coach das Problem so schnell in den Griff kriegen? Noch dazu in einer englischen Woche, in der Regeneration größer als Training geschrieben wird? Neben dem Fehler-erkannt-Fehler-gebannt-Prinzip („Die Niederlage ist eine Chance“) setzt Lienen auf ein paar gezielte Änderungen der Startformation. „Wir werden nicht die ganze Mannschaft revolutionieren“, kündigt er an. Es könne aber „sinnvoll sein, Frische reinzubringen“. Zum Beispiel durch Stefan Aigner, der wieder voll einsatzfähig ist. Durch Charilaos Pappas, der auf seinen ersten Einsatz von Beginn an brennt. Oder durch die jungen Tarik Camdal und Marcos Antonio, die der Coach als Außenbahn-Optionen ins Spiel bringt.

Dass das Kernproblem im Fehlen einer gemeinsamen Sprache liegen könnte, wie ein Reporter einwendete, glaubt Lienen übrigens nicht. Das gängige Fußballvokabular („Raus, Hintermann, vor, zurück“) sei allen bekannt, mehr brauche es im Moment nicht: „Mag sein, dass sich ein Florin Lovin und ein Benny Lauth auf dem Platz schwer tun würden, kulturell hochwertige und sprachlich einwandfreie Gespräche zu führen, aber für so was ist eh keine Zeit.“ Und was den Rumänen Lovin betrifft: Manchmal kann es auch ein Vorteil sein, wenn man nicht jede Schlagzeile versteht.

von Uli Kellner

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