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Benny Lauth : „Lienen weiß, wie man erfolgreich ist“

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Benny Lauth
Gerüstet für die Herkulesaufgabe: Lauths Löwen stellen sich auf harte Arbeit ein. © sampics

München - Er hat den Schritt zurück nie bereut. Nicht mal im Frühjahr, als beim TSV 1860 alles einzustürzen drohte, sportlich und finanziell. Für Benny Lauth war die vergangene Saison ein Schritt nach vorne.

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Er schoss 15 Tore, trotzte Verletzungen und legte sein Phlegmatiker-Image ab. In die neue Saison, die den Aufstieg bringen soll, führt Benny Lauth (28) die Löwen nun auch als offizieller Kapitän.

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- Benny Lauth , nur drei Spieler, die beim Ligastart 2008 in der Anfangself standen, zählen auch jetzt zum Stammpersonal: Mate Ghvinianidze , Lars Bender und Sie. Haben Sie schon einmal so einen harten Schnitt erlebt?

Nein, ich glaube nicht. Aber ich denke, jeder kann das nachvollziehen. Es ist nach der letzten Saison nichts Überraschendes, und ich habe auch noch keinen gehört, der das nicht gut findet.

-Die Mannschaft hat demnach gespürt, dass irgendetwas nicht passt?

In der Mannschaft hat’s schon gepasst, wir haben uns gut verstanden. Aber auf dem Platz hat’s halt nicht gereicht. Zum Schluss haben wir sogar gegen den Abstieg gespielt. Deswegen war klar, dass etwas passieren muss.

-Woran lag’s aus Ihrer Sicht? An der Qualität? An der Hierarchie? An der Unerfahrenheit der Trainer?

Realistisch gesehen war der Kader nicht stark genug, um ganz oben mitzuspielen. Dazu hätte alles passen müssen, aber das war nicht der Fall. Daniel Bierofka war lange verletzt, die Benders haben immer mal wieder gefehlt. Und nach dem verhauenen Start war es eh schwierig, oben ranzukommen. Der 12. Platz, der am Ende rauskam, war dann auch verdient.

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-In der Zwischenzeit sind nicht nur weite Teile der Mannschaft ausgetauscht worden, sondern auch der Trainer, die Co-Trainer, der Sportchef, der Geschäftsführer. Haben Sie sich manchmal fremd im eigenen Verein gefühlt?

Das nicht, aber es ist immer schwierig, wenn die Ansprüche hoch sind, kein Geld da ist, um nachzurüsten und die Stimmung kippt. Es ist ja praktisch von der dritten Niederlage an die Entlassung des Trainers gefordert worden.

-Die von Marco Kurz, mit dem Sie befreundet sind. War das hart für Sie, dass er gehen musste? Er soll ja ein Grund gewesen sein, dass Sie zu 1860 zurückgekehrt sind.

Natürlich war das ein Grund, aber mir war klar, dass so eine Trennung immer passieren kann. Ich habe auch immer betont, dass ich zwischen dem Freund und dem Trainer Marco Kurz unterscheide.

-Was ist von der neuen Mannschaft zu erwarten? Die Ergebnisse und auch die Leistungen in den Tests haben bei den Fans große Hoffnungen geweckt.

Auch voriges Jahr hatten wir eine gute Vorbereitung und fast jedes Spiel 1:0 gewonnen. Das zählt alles nichts, deswegen war es wichtig, dass wir im Pokal gleich einen guten Start hingelegt haben. Wenn man auswärts bei einem guten Gegner weiterkommt, ist das schon ein Prüfstein, und mit einem erfolgreichen Heimspiel kann man die Sache immer weiter ins Rollen bringen.

-Welchen Anteil hat Trainer Ewald Lienen am Stimmungsaufschwung?

Die Fans sind von Anfang an hinter ihm gestanden, das war ganz wichtig. Aber auch wie er sich gegenüber der Mannschaft und der Öffentlichkeit gibt, ist ein positives Signal. Abgesehen davon macht er ein gutes Training. Jetzt hoffe ich, dass wir seine Ideen auch so umsetzen können, dass wir erfolgreich sind.

-Was zeichnet Lienen genau aus?

Er weiß, wie man erfolgreich sein kann. Er erzählt nichts, was er irgendwo gelesen hat, sondern was er selber erlebt hat, mit Köln ist er ja schon mal aufgestiegen. Generell nimmt er sich viel Zeit, unterbricht oft das Training und erklärt detailliert jede Situation, bis jedem auf dem Platz einleuchtet, wo der Fehler lag.

-Abseits des Platzes wirkt Lienen locker, fast launig. Hätten Sie ihn so umgänglich erwartet?

Ich kannte nur seine Pressekonferenzen und Kurzinterviews aus dem Fernsehen, da hat man seine Art nicht so wahrgenommen. Dass er so positiv rüberkommt, hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.

-Reden wir über die Neuzugänge. Hand aufs Herz: Welche Spieler mit Ausnahme von Ex-Hertha-Torwart Gabor Kiraly und dem früheren St. Paulianer Alexander Ludwig waren Ihnen vorher ein Begriff?

(lacht) Die tunesische Liga wird ja hier nicht so stark verfolgt, deswegen kannte ich den Radhouène Felhi vorher nicht. Den Florin Lovin hatte ich schon mal gehört, als wir mit dem HSV gegen Rapid Bukarest gespielt hatten, weil der Sieger dann auf Steaua getroffen wäre. Aber sonst . . . Ludwig und Kiraly halt.

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-Wie ist Ihr Eindruck von US-Neuzugang Kenny Cooper, der künftig neben Ihnen stürmen soll?

Was ich bisher gesehen habe, war sehr gut. Er ist ein Stürmertyp, wie wir ihn haben wollten. Nach den Videos, die ich im Internet von ihm gesehen habe, können wir uns auf ihn freuen. Für mich ist es generell angenehm, einen größeren Stürmer neben mir zu haben, den man auch mal hoch anspielen kann.

-Sportdirektor Miroslav Stevic scheint gut vernetzt zu sein. Was hat sich aus Sicht der Spieler unter der neuen Führung geändert?

Es sind natürlich etwas mehr ausländische Spieler da. Die müssen erstmal integriert werden, aber bei uns klappt das bisher sehr gut. Erfolg ist das A und O. Dann kommt jeder viel zufriedener zum Training. Für die Neuen ist es in einem positiven Umfeld leichter, sich einzugewöhnen.

-Müssen Sie denn jetzt mehr Englisch als Bairisch sprechen?

Im Moment wird natürlich etwas mehr Englisch gesprochen, aber ich denke schon, dass die Neuen versuchen sollten, schnell Deutsch zu lernen. Das ist nicht nur auf dem Platz hilfreich, sondern auch im Alltagsleben.

-Genießen Sie es, dass inzwischen offensiver mit dem Thema Aufstieg umgegangen wird?

Ich mag es schon, wenn man Ziele formuliert. Aufstieg ist schon mutig, dazu braucht man auch Glück, weil fünf, sechs, sieben Mannschaften das Gleiche wollen. Aber dass man sagt, okay, wir wollen bis zum Schluss oben dabei sein. Das ist schon besser als zu jammern: Wir haben keine großen finanziellen Mittel und mit dem Stadion sind wir auch nicht so zufrieden. Das hilft uns nicht viel weiter.

-Wo Sie die Stadionfrage erwähnen . . . Haben die Spieler auch eine dezidierte Meinung dazu?

Ich verstehe, dass Giesing die Heimat ist. Das war auch wieder ein sehr schönes Erlebnis gegen Mallorca. Aber es ist leider nicht mehr zeitgemäß, dort zu spielen.

-Zu Ihnen selber: Tut es gut, die ganzen Skeptiker widerlegt zu haben, die Ihnen den kampfbetonten Zweitligafußball nicht zugetraut haben?

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht schön war. Es tut gut, dass ich wieder anders dargestellt werde als zuletzt in Hannover . Es war für mich auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, zurückzukommen.

-Mit 15 Treffern haben Sie Ihren persönlichen 13-Tore-Rekord aus der Bundesligasaison 2002/03 übertroffen. Zufrieden?

Man schaut automatisch auf die Tore. Was letztes Jahr gut war: Ich habe in 14 Spielen getroffen. Ein Gomez macht auch mal zwei, drei oder vier Tore. Wenn ich öfter doppelt treffe, könnten schon noch ein paar Tore dazukommen.

-Ihr Vertrag läuft noch zwei Jahre. Wann ist der Zeitpunkt, über eine Verlängerung nachzudenken?

Wenn die Saison gut läuft und ich an meine Leistungen anknüpfe, hätte ich nichts dagegen, ihn auszubauen. Natürlich will ich wieder in die erste Liga, aber wenn immer was vorwärts geht, dann gehe ich auch gerne hier in Rente.

Das Interview führte Uli Kellner

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