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Lienens Loblied auf Lauth

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Selbstloser Rackerer: So präsentiert sich Lauth seit seiner Herbstkrise. © sampics

München - 1860-Coach adelt den seit zwei Monaten torlosen Stürmer: „Er stellt sich ganz in den Dienst der Mannschaft“.

In jedem Stürmerleben kommt so eine Phase mal vor: Der Ball will nicht ins Tor, zwei, drei, vier Spiele lang – und plötzlich geht die Minutenzählerei los. Eine solche Phase, branchenintern Durststrecke genannt, durchleidet Benny Lauth gerade. Lauths letztes Tor war das 3:1 gegen Fürth am 17. Oktober, und die Vereins-Chronisten, die jedes statistische Detail protokollieren, haben genau mitgerechnet: Vor dem Spiel bei Aufsteiger Union Berlin ist der Löwen-Kapitän seit exakt 583 Spielminuten ohne eigenen Treffer.

1860-Coach Ewald Lienen, mit diesem Wert konfrontiert, macht ein erstauntes Gesicht. Erstens wohl, weil es diese hämische Erbsenzählerei zu seiner aktiven Zeit noch nicht gegeben hat. Zweitens, weil er es unangemessen findet, wenn sein erster Stürmer nur an Torerfolgen gemessen wird. „Ich glaube, dass sich der Benny zu einem echten Kapitän entwickelt hat“, bricht Lienen eine Lanze für seinen torlosen Torjäger, „er ist superwichtig für uns und stellt sich voll und ganz in den Dienst der Mannschaft.“

Vor gar nicht allzu langer Zeit, nach einer Serie blutleerer Auftritte von Lauth, gipfelnd im Auswechslungseklat von Frankfurt, herrschte Eiszeit zwischen dem aktiven und dem ehemaligen Vollblutstürmer. Jetzt lässt Lienen nichts mehr auf Lauth kommen. Er lobt dessen „läuferischen, kämpferischen und fußballerischen“ Einsatz und macht deutlich: Selbst wenn Lauth bis zum Saisonende nicht mehr träfe, hätte er seinen Stammplatz sicher – vorausgesetzt er ackert so selbstlos wie in den letzten Spielen, in denen er mehrfach als Vorbereiter in Erscheinung trat.

Stürmerschicksale, Selbstlosigkeit – das waren gute Stichworte für Lienen. Zur allgemeinen Erheiterung erzählte er eine Schmonzette aus der eigenen Stürmerzeit. „83/84“, so der einstige Gladbacher, „stand ich nach zehn Spielen bei acht Toren, aber dann hatte der Frank Mill die Faxen dicke und ich hab keinen Ball mehr von ihm bekommen.“ Aber: „Es gibt Gerechtigkeit im Sport.“ Lienen schilderte hämisch, wie Mill später als Dortmunder mal alle Bayern ausgespielt hatte, vor dem leeren Tor stand – und den Ball gegen den Pfosten schob. Das Ende vom Lied: „Heute werden bei Rückblicken nicht die vielen Tore vom Frank gezeigt, sondern immer nur diese Szene.“

In der Gegenwart appelliert Lienen an die Mannschaft: „Mehr Chancen kreieren“ – damit auch der Kapitän mal wieder zu einem Erfolgserlebnis kommt. „Viele Chancen“, glaubt Lienen, wird Lauth nicht brauchen, um die Minutenzählerei zu stoppen, denn „von allen“ im Löwen-Team sei er „der Effektivste“.

Schon um seine eigenen Nerven zu schonen, wäre es Lienen recht, wenn seine Mannschaft mal mehr als einen Treffer erzielen und höher als 1:0 gewinnen könnte. „Ich habe noch keinen Sieg von uns erlebt, bei dem ich mir nicht bis zur 93. Minute die Fingernägel abgekaut habe“, gesteht der Coach. Die Zitterei wühle ihn so sehr auf, dass er spätnachts noch leide – und nur leichte Kost im Fernsehen ertrage. Mehr als „Heinz Erhardt und andere Heile-Welt-Filme“ seien dann nicht mehr drin, bekennt Lienen und verrät seine heimliche Sehnsucht nach Actionkino: „Ich würde gerne auch mal einen Jean-Claude-Van-Damme-Film anschauen“ – aber das gehe erst, „wenn wir mal wir 4:0 gewinnen“.

Uli Kellner

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