Ohne Kucukovic starten die Löwen in die Vorbereitung.
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Ohne Kucukovic starten die Löwen in die Vorbereitung.

Ein Loch ist gestopft, das nächste gerissen

München - Ohne Kucukovic startet der TSV 1860 die Vorbereitung – eine Verstärkung für die Offensive ist noch nicht in Sicht

Die Vorbereitung auf die Rückrunde war erst zwei Stunden alt, da schien sich Großes anzukündigen. Zumindest hätte man das aus der Ankündigung Stefan Reuters schließen können, in jüngster Zeit habe sich „einiges getan“. Der Anhang des TSV 1860 wartet sehnsüchtig darauf, dass sich etwas tut, doch die Worte des Geschäftsführers bezogen sich dann nur auf Altbekanntes. Gebhart und Eberlein sind weg, Stefan Aigner neu dabei.

Normalerweise wären das genug Veränderungen für eine Winterpause, wenn es sich hier nicht um die Löwen handeln würde, den Klub mit den vielen Baustellen. Dass der dauerverletzte Markus Schroth die Reise ins Trainingslager nach Teneriffa voraussichtlich nicht mitmachen wird, ist keine echte Nachricht. Überraschender kam schon die Ankündigung, der zuletzt in die Reserve strafversetzte Mustafa Kucukovic absolviere ab Montag ein zehntägiges Probetraining beim französischen Erstligisten Grenoble Foot.

Bislang galt immer die Sprachregelung, nach Verbüßung seiner Strafe fange Kucukovic bei Marco Kurz wieder „bei Null“ an. Doch der Graben zwischen dem Trainer und seinem Angreifer, der im Herbst einen Einsatz in der zweiten Mannschaft verweigerte und zur Strafe ebendort landete, ist offensichtlich tiefer. „Der Spieler und auch ich haben sich mehr erwartet“, sagt Kurz. Nun sucht Kucukovic beim Elften der französischen Liga sein Glück. „Die haben Bedarf“, berichtet Reuter, weil in 17 Spielen erst 13 Tore gelangen.

Bedarf haben aber auch die Löwen. Nicht nur im Angriff, sondern unmittelbar dahinter, wo nach dem Verkauf Timo Gebharts nach Stuttgart eine enorme Lücke klafft. Offiziell kann sich Marco Kurz schlecht gegen die Haltung der Geschäftsführung stellen, die den plötzlichen Transfer mit „wirtschaftlichen Zwängen“ (Reuter) begründet und das Geld dazu nutzte, der DFL noch vor Jahresende die dringend angemahnte ausgeglichene Bilanz vorzulegen. Inoffiziell ist aber sehr wohl herauszuhören, wie unbehaglich sich der Trainer fühlt. „Es muss unser Ziel sein, möglichst noch im Winter etwas zu realisieren.“

Die Zeit drängt. „Wenn ein Spieler nicht mit ins Trainingslager fährt, ist es schon problematisch“, sagt Reuter. Für den Geschäftsführer ist der Freitag „keine absolute Deadline“, aber den Zeitdruck bestreitet er nicht. Es ist, wie es immer ist bei den Löwen. Sie lavieren sich durch die finanzielle Misere, stopfen Löcher (im Etat), reißen neue (im Kader), führen Gespräche und hoffen, dass eines davon zu einem guten Ergebnis führt.

Wenigstens eine gute, konkrete Nachricht gibt es: Der lange verletzte Lars Bender ist wieder im Training. Für die kommende Saison sagt Reuter, er gehe davon aus, dass die Zwillinge dann noch bei den Löwen spielen. Bis es so weit ist, kann sich aber natürlich noch einiges tun.

Marc Beyer

Jahresrückblick: Auf und Ab bei den Münchner Löwen

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