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Mehr als eine Momentaufnahme

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Prädikat Weltklasse: Gabor Kiraly © sampics

München – In den vergangenen Tagen hat auch der Manager sicherheitshalber noch einmal in die psychologische Trickkiste gegriffen.

Miki Stevic ließ die Kabinenwände des Trainingsgeländes an der Grünwalder Straße mit allerlei Zeitungsartikeln von den wenig erbaulichen letzten Treffen seines TSV 1860 mit dem FC Augsburg pflastern. Eine dezente Botschaft, die angekommen ist. Zum Beispiel bei Stefan Aigner. „Da hat man nur von 0:3, 0:3 oder 0:1 gelesen“, sagte der quirlige Mittelfeldspieler, „da haben wir uns gesagt: ’Es wird Zeit, dass man etwas dagegen tut’.“

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Gesagt, getan – in einem manchmal hitzigen, aber immer hochklassigen Nachbarschaftsderby nahmen die Löwen nicht nur erfolgreich am Nachbarn Revanche.

Mit dem dritten 1:0 (1:0)-Erfolg aus den letzten vier Partien setzte sich das Team von Trainer Ewald Lienen nun endgültig aus dem Tabellenkeller ab. Was Mittelfeldspieler Alexander Ludwig, der mit einem abgefälschten Distanzschuss schon in Minute fünf das Tor des Tages erzielte, mit ziemlich genüsslichem Grinsen feststellte: „Jetzt nähern wir uns endlich den Regionen, die wir uns vorgestellt haben.“

Und langsam aber sicher mehren sich die Anzeichen, dass der Aufschwung der Löwen zum Ende dieser Vorrunde tatsächlich mehr sein könnte als nur eine Momentaufnahme. So scheint Lienen nach der Dauerrotation des ersten Saisondrittels endlich seine Wunschformation gefunden zu haben. Vier Spiele lang schickte der Trainer nun – von aus der Not geborenen Änderungen wie nach Stefan Aigners Gelb-Roter Karte in Bielefeld einmal abgesehen – weitgehend die gleiche Besetzung ins Rennen. Vertrauen, dass die Auserwählten mit Engagement zurückzahlten. Sascha Rösler etwa wurde vor wenigen Wochen noch zu den heißesten Kandidaten für einen Platz auf der winterlichen Verkaufslisten gezählt. Gegen Augsburg überzeugte der viel gescholtene 32-Jährige nicht nur als Vorbereiter – er schlug den entscheidenden Pass zu Ludwigs Treffer – Rösler gab gegen die stürmisch anrennenden Schwaben auch den hemdsärmeligen Defensivarbeiter im Mittelfeld.

Ganz nach dem Geschmack seines Trainers, für den die Gesamtorganisation der Schlüssel für den aktuellen Aufschwung ist. „Wir arbeiten jetzt sehr gut nach hinten“, stellte Lienen fest, „das ist die Grundlage gegen Teams mit so viel Offensivqualität.“ Und wenn die spielstarken Gäste aus Augsburg doch eine Lücke fanden, dann hatten die konterstarken Löwen in Gabor Kiraly auch am Samstag wieder einen Mann mit besonderen Qualitäten im Rücken. Dem Blitzreflex des Ungarn gegen den freistehenden Top-Torjäger Michael Thurk (56.) verlieh nicht nur Augsburgs Coach Jos Luhukay das Prädikat „Weltklasse“.

Und dann ist da natürlich das merklich gewachsene Selbstbewusstsein. Seit dem befreienden Überraschungscoup vor drei Wochen in Bielefeld gehen die Löwen mit merklich breiterer Brust ans Werk. Und lassen sich auch von Rückschlägen innerhalb einer Partie nicht verunsichern. So steckte man am Samstag nicht nur den vom umstrittenen Schiedsrichter Michael Weiner verweigerten Elfmeter nach einem Foul von Jonas de Roeck an Benny Lauth weg. Auch die fast 20-minütige Unterzahl nach der Gelb-Roten Karte gegen Jose Holebas (74.) kompensierten die Löwen mit großem Kampfgeist.

Dass die Sache am Ende gut ausging und der TSV 1860 den glücklichen aber nicht unverdienten Sieg über die Zeit brachte – für den Trainer ist das auch so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit: „Wir haben schon mehr als genug Pech gehabt in dieser Saison.“ Notfalls kann man dem Glück ja auch mit der psychologischen Trickkiste auf die Sprünge helfen.

Patrick Reichelt

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