Robert Schäfer TSV 1860 München
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"Wir haben einen Plan“: Schäfer glaubt zu wissen, wie 1860 zu retten ist.

Löwen-Geschäftsführer: „Dann bin ich der Buhmann“

München - Er ist der neue starke Mann bei den Münchner Löwen: Robert Schäfer. Im Interview spricht der neue Löwen-Geschäftsführer  über Sparmaßnahmen, Risiken und den Meistertitel in seiner Vita.

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Für die frühe Uhrzeit klingt Robert Schäfer (34) erstaunlich frisch, und auch sonst wirkt er genauso enthusiastisch wie Mitte November, als er vom Projektleiter des Vermarkters IMG zum Geschäftsführer des klammen TSV 1860 aufstieg. Sein neuer Job bringt es mit sich, dass sich die freie Zeit auf ein Minimum reduziert, aber Schäfer hat kein Problem damit, auch an einem ungewöhnlichen Ort Stellung zur Lage zu beziehen – in diesem Fall in einem „rappelvollen“ ICE, in den er sich um sechs Uhr in der Früh gesetzt hat, um einen Termin bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt wahrzunehmen.

Herr Schäfer, wie haben Sie sich eingelebt in Ihrem „Höllenjob“, wie Vizepräsident Dieter Schneider Ihre Aufgabe als Löwen-Geschäftsführer nennt?

Ich finde nicht, dass es ein Höllenjob ist, sondern eine sehr herausfordernde Aufgabe. Es ist natürlich erstmal viel Neues, eine ganz neue Geschwindigkeit, aber ich hab mich daran gewöhnt, und jetzt macht’s auch richtig Spaß – den Umständen entsprechend natürlich.

Ein DFL-Termin klingt eher nach wenig Spaß. Der Verdacht liegt nahe, dass die Löwen mal wieder zum Rapport müssen . . .

(lacht) Könnte man denken, ist aber nicht so. Das ist eine ganz normale Mitgliederversammlung, bei der wir über das Financial Fairplay der UEFA abstimmen. Natürlich werde ich mich auch vorstellen und die werden fragen, wie’s uns geht. Wir haben zwar eine ernste Situation, aber wir haben ja einen Weg und einen Plan, wie wir da rauskommen wollen. Es wird immer so dargestellt, dass wir der einzige Sorgenfall in der Liga sind, aber das ist nicht so. Da gibt es auch noch ein paar andere Kandidaten..

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Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Die besten Witze der Löwen

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Bei dem Sanierungsplan, den Sie ansprechen, spielt offenbar auch Nicolai Schwarzer eine Rolle, der im Frühjahr 2009 ausgebremste Investor. Fürchten Sie nicht, dass die DFL gleich wieder misstrauisch wird?

Warum das damals nicht geklappt hat, kann ich nicht sagen, weil ich nicht dabei war. Nicolai Schwarzer ist ein sehr exakter Investor. 1860 München hatte sich nicht glücklich verhalten. Wir haben den Sachverhalt damals bei der DFL nicht richtig kommuniziert, das war nicht die Schuld des Herrn Schwarzer.

Momentan stellt es sich so dar: Herr Schwarzer hat dem Verein mit einem Darlehen geholfen und er hält Anteile an der LSV, der Löwen Sportrechte Vermarktungs GmbH.

Ich werde nicht sagen, welcher Investor bei uns mit welcher Summe engagiert ist. Ich weiß, dass das für die Öffentlichkeit interessant ist, aber das verbietet sich. Ich kann nur sagen: Wir haben mehrere Investoren, Herr Schwarzer ist nicht der einzige.

Herr Schwarzer hat allerdings selber bestätigt, dass er erhebliche Summen in 1860 investiert hat und daran interessiert ist, das Geld mit Rendite zurückzuerhalten. Klingt, als würde er neues Kapital geben, um sein altes zu retten.

Jeder seriöse Investor möchte Rendite haben, das ist bei jeder Bank so und das wäre bei mir nicht anders, wenn ich Geld anlegen würde. Wir haben mit Herrn Schwarzer eine Vereinbarung gefunden, die für ihn attraktiv ist, und die wollen wir fortführen. Das ist ein ganz normales Investment, das mit einer Rendite bezahlt wird. Da muss man nichts retten, nichts nachschießen – mehr gibt’s dazu eigentlich nicht zu sagen..

„Nicolai Schwarzer hat ein Rendite-, kein Machtinteresse.“

Damals hatte die DFL Bedenken, dass durch Schwarzers Engagement Abhängigkeiten entstehen könnten. Wenn ein Investor irgendwo investiert, ist er immer bestrebt, das Risiko gering zu halten.

Herr Schwarz hat nur ein Renditeinteresse, kein Machtinteresse. Dass Gerüchte in Umlauf geraten, ist leider nicht zu verhindern.

Nach dem Ausflug zur DFL steht Tag X in Sachen Gehaltsverzicht an. Wie ist da der Stand?

Es gibt keinen Tag X. Am Montag haben wir uns noch mal mit den Mitarbeitern getroffen. Ich glaube, wir haben nach harten Verhandlungen mit dem Betriebsrat eine gute Regelung gefunden, die einen klaren Verzicht darstellt und alle betrifft. Bei einem Gehalt von 1500 Euro haben wir eine Schutzklausel eingezogen. Sobald mir die Schreiben übergeben werden, haben wir eine Einigung, dann wird’s keine Auseinandersetzung geben. Die Mitarbeiter folgen der Vereinbarung sehr geschlossen, das ist für mich das Schönste daran, sofern man daran überhaupt etwas schön finden kann.

Die besten Witze der Löwen

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Umfasst der Begriff „geschlossen“ auch die Profifußballer?

Ja. Von den Spielern hatte ich schneller eine Rückmeldung als von den Angestellten. Ich hab zwar nicht mit jedem einzelnen gesprochen, aber ich bin guten Mutes, dass alle mitmachen.

Auch die sportliche Reaktion der Mannschaft war positiv, wenn man an den leidenschaftlich erkämpften Sieg über Hertha denkt.

Absolut. Für mich war es ein tolles Zeichen, dass die Mannschaft so super gekämpft hat. Keiner hat sich auf dem Alibi ausgeruht: Ich hatte die zehn Prozent im Kopf. Natürlich kann man den Gedanken nur schwer ausschalten, aber die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle müssen ja auch ihren Computer anmachen und normal ihrer Arbeit nachgehen.

Wäre es jetzt nicht schade, diese Mannschaft auseinander zu reißen? Schließlich betonen Sie stets, dass Spielerverkäufe im Winter unausweichlich seien und es auch Stammspieler treffen kann.

Es ist noch viel zu früh, um konkrete Aussagen zu treffen. Der Transfermarkt hat seine Eigenheiten, er kommt erfahrungsgemäß erst Ende Januar richtig in Schwung. Wir müssen den Kader ohne Qualitätsverlust verkleinern. Aber ich kann die Fans beruhigen: Wir selbst und alle Partner haben ein großes Interesse daran, dass es eine spielstarke Mannschaft bleibt.

Bleibt auch Aleksandar Ignjovski, für den sich angeblich Bundesligisten interessieren? Trainer Reiner Maurer spricht von ein paar unverzichtbaren Spielern, Ignjovski dürfte definitiv dazugehören.

Was sich ergeben wird, das bespreche ich mit Sportchef Miki Stevic und Trainer Reiner Maurer. Zum Verhandlungsstand, was Spieler angeht, geben wir grundsätzlich keine Kommentare ab, auch nicht zu Ignjovski.

Das logische Denken eines Fans ist: Lieber ein bisschen Risiko gehen, den Kader zusammenhalten und im Idealfall aufsteigen als jetzt den Kader entscheidend schwächen.

Dieses Denken, nicht auf die Zahlen zu schauen, hat uns genau dahin gebracht, wo wir jetzt sind. Es ist keine Strategie, auf den Aufstieg zu hoffen und fleißig weiter zu investieren. Das klingt zwar schön, aber das wäre zu einfach und zu bequem. Wir müssen uns über jeden einzelnen Spieler Gedanken machen, und die Mannschaft, die wir danach haben, muss auch in der Lage sein, erfolgreich zu sein und oben mitzuspielen.

Geht’s mit dem abgespeckten Team schief, sind Sie der Buhmann.

Dann bin ich eben der Buhmann, dann muss ich diese Verantwortung übernehmen. Wir haben die Verpflichtung, den Verein zu sanieren und auf gesunde wirtschaftliche Füße zu stellen. Wir müssen unser Budget so in den Griff kriegen, dass wir bestehen und erfolgreich spielen können, auch in der zweiten Liga.

Und auch in der Arena. Was tut sich in den Gesprächen mit den Bayern?

Wir sprechen mit den Bayern, auch über unsere Sanierung. Ich habe das Gefühl, es wird wohlwollend registriert, dass wir bei uns selber anfangen..

„Bayern wollen mit uns kommunizieren“

Bayerns Vorstand Karl-Heinz Rummenigge stellte aber erneut klar, dass kein weiteres finanzielles Entgegenkommen zu erwarten sei. Seit 2006 habe man den Löwen neun Millionen Euro an Miete erlassen, mehr sei nicht drin.

Ich möchte eigentlich nicht über die Bayern sprechen, sondern mit den Bayern. Das Ganze ist ein Prozess. Mein Vorgänger (Robert Niemann/Red.) hat die Kommunikation wieder hergestellt, darauf können wir jetzt aufbauen. Bis jetzt waren das sehr gute, konstruktive Gespräche. Die Bayern waren immer sehr schnell für Termine erreichbar, die Führungsspitze hat uns gezeigt, dass sie wirklich mit uns kommunizieren will.

Ihre Geschäftspartner kennen Sie inzwischen, der 1860-Fan weiß nicht viel mehr als: 34 Jahre, ledig, kommt aus Braunschweig, zuletzt beim Vermarkter IMG. Haben Sie auch einen Fußball-Hintergrund?

Nur Jugendfußball. Beim VfR Weddel, das ist das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Ich hab viele Sportarten ausprobiert, neben Fußball auch Hockey, Leichtathletik und Tennis, aber eigentlich war mein Sport Handball.

Wie hat es Sie dann nach München, zu 1860-Partner IMG, verschlagen?

Nach dem ersten Jura-Examen habe ich ein Praktikum bei Borussia Dortmund gemacht. Der damalige Projektleiter von BVB-Vermarkter Sport Five, Michael Otremba, hat gefragt, ob ich mit nach München komme.

Oha. Statt bei den Überfliegern vom BVB sind Sie nun bei den klammen Löwen. Klassischer Fall von: aufs falsche Pferd gesetzt . . .

(lacht) Ich bin damals sogar Meister geworden, und als 2002 mein Praktikum vorbei war, ging es mit Dortmund wieder abwärts. Damit ziehe ich die immer auf.

Wann gibt’s bei 1860 mal wieder was zu feiern?

Eigentlich haben wir schon was zu feiern: Dass wir die Fehler der Vergangenheit erkannt haben. Mehr zu feiern gibt’s, wenn die Mannschaft weiterhin so auftritt wie gegen Hertha. Und ich persönlich feiere, wenn wir einen ausgeglichenen Haushalt haben. Dann mache ich ’ne große Flasche auf.

Das Interview führte Uli Kellner

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