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Pereira: Kaltstart ohne Neuzugänge

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Von: Uli Kellner

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Willkommen im Münchner Winter: Die Neulöwen Abdoulaye Ba und Lumor Agbenyenu (v.l.).
Willkommen im Münchner Winter: Die Neulöwen Abdoulaye Ba und Lumor Agbenyenu (v.l.). © sampics

Bei seiner Pflichtspiel-Premiere für 1860 muss der portugiesische Trainer auf Amilton, Lumor und Co. verzichten

München – Am Ende der Pressekonferenz kommt noch die Frage nach den klimatischen Bedingungen, die Vitor Pereira heute erwarten, bei seiner Pflichtspielpremiere im deutschen Fußball. In der ohnehin zugigen Allianz Arena sind Minusgerade angesagt, wie sie der braungebrannte Trainer womöglich noch nie erlebt hat – nicht in seinem Heimatland Portugal, nicht in Griechenland, Saudi-Arabien und auch nicht bei seiner letzten Station in der Türkei. Pereira jedoch lächelt. „Das kälteste Spiel meines Lebens hatte ich in Moskau“, erinnert er sich: „Da ist die Temperatur so schnell runtergegangen, dass sich alles in mir zusammengekrampft hat.“ Das bisschen Münchner Winter ist nichts dagegen, soll das wohl bedeuten. Im Subtext schwingt mit: Ich hab doch schon alles erlebt, Leute!

Es wirkt, als lasse sich Pereira, 48, die Vorfreude auf sein Debüt als 1860-Trainer durch nichts verderben. Nicht von der Kälte. Nicht von Gegner Greuther Fürth, dem er maximal „20 Prozent“ Beachtung schenken will. Und schon gar nicht von seiner eigenen Spielern. „Die Mannschaft ist gut vorbereitet“, sagt er selbstbewusst.

17 000 Zuschauer werden heute Abend erwartet, doch zum Leidwesen der Fans werden sie zunächst nur die alte Mannschaft zu sehen bekommen. Pereiras Kaltstart findet ohne Neuzugänge statt – zu kurzfristig sind die Transfers in dieser Woche über die Bühne gegangen. „Da ist noch nicht alles geregelt“, sagt Pereira. Immerhin: Einen Tag vor dem Spiel bestätigte der Verein die Einigung mit Flügelstürmer Amilton (Vertrag bis 2020) und Linksverteidiger Lumor (ausgeliehen mit Kaufoption), einem Duo des portugiesischen Zweitliga-Spitzenreiters SC Portimonense. Zuvor wurde bereits der Senegalese Abdoulaye Ba ausgeliehen; auch der Däne Christian Gytkjaer soll in Kürze unterschrieben. Pereira sagt: „Das sind Spieler, die ich sehr gut kenne, die wir gut analysiert haben. Sie werden uns helfen, eine stärkere Mannschaft aufzubauen.“

Im ersten Spiel der Rückrunde müssen es noch die vorhandenen Spieler richten. Aber alles kein Problem für den von sich und seiner Arbeit überzeugten Coach. Er sagt: „In die Richtung, wie ich spielen will, sind wir eine bessere Mannschaft geworden. Die drei Wochen waren sehr wichtig, um das Team individuell und auch kollektiv auf die neue Spielweise vorzubereiten.“

Auf das 3-4-3-System, das einige wohl vergeblich einstudiert haben – weil sie schon bald nicht mehr gebraucht werden. „Das ist eine Frage der Balance“, sagt Pereira: „Wenn Spieler dazukommen, müssen auch entsprechend viele gehen. Das wird in den nächsten Tagen passieren.“ Den Anfang machte gestern Milos Degenek. Der Australier mit serbischen Wurzeln wird ab sofort für den japanischen Klub Yokohama Marinos seine Knochen hinhalten. Die übrigen Wechselkandidaten liegen auf der Hand: Goran Sukalo, Stefan Mugosa, Karim Matmour. Vielleicht sogar der ewige Kai Bülow.

Pereira schwebt für die Rückrunde ein Kader mit 24 Profis vor, in der jede Position doppelt besetzt ist. „Spieler, die keine Chance haben dranzukommen, sind demotiviert und unkonzentriert. Das brauche ich nicht in meinem Kader“, sagt er. Einen weiteren Zugang bis zum Ende der Transferperiode am kommenden Dienstag schließt er nicht aus. „Solange der Markt offen ist, arbeiten wir daran“, verspricht er. Ein zentraler Mittelfeldspieler steht noch auf seiner Wunschliste. Doch auch so, glaubt er, müsste die Basis für einen erfolgreichen Start vorhanden sein.

Degenek nach Japan

Ob er nervös ist vor seiner Premiere? Nicht doch, beteuert Pereira: „Das bin ich nie, weil ich an meine Arbeit glaube.“ Von „8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends“ sei er zuletzt für die Löwen im Einsatz gewesen. Immer getreu dem Motto: Von nichts kommt nicht. „Ich will eine Mannschaft sehen, die meine DNA rüberbringt“, sagt er: „Und sie soll die Persönlichkeit haben, das umzusetzen, was wir im Training erarbeitet haben.“

Es scheint, als habe dieser detailversessene Coach alles im Griff. Als er den Medienraum verlässt und eine Pfütze erblickt, die von den Winterschuhen der Reporter stammt, sagt er zur Pressesprecherin an seiner Seite: „Das müssen Sie wegputzen.“ Das Wegputzen der Gegner ist dann ab heute seine Aufgabe. Er sagt: „Ich denke, wir können eine deutlich bessere Rückrunde spielen als das, was in der Hinrunde war.“

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