Christian Gytkjaer
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Da ist er: Gytkjaer bei seinem ersten Training als Löwe. Fotografen waren 10 Minuten zugelassen.

Gytkjaer legt los – und keiner sieht’s

Die Löwen schotten sich ab - bloß warum?

  • Uli Kellner
    VonUli Kellner
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München  - Hinter blickdichten Planen bestreitet der Däne sein erstes Training als Löwe – Fjörtoft schwärmt.

An einem grauen Montagmittag sorgte einer beim TSV 1860 für kleine Farbtupfer: Grellgelbes Leiberl, pinkblaue Kickschuhe – so marschierte Christian Gytkjaer vom Trainingsplatz, wo er seine erste Einheit als Löwen-Profi bestritten hatte. Der Däne hat einen kerzengeraden Gang, der seinem selbstbewussten Naturell entspricht (s. Instagram-Fotos), sein Blick ist freundlich. Mehr lässt sich bisher nicht sagen. Er stapfte nach dem Training zweimal auf, schaute nach rechts, nach links – dann hatte er die Kabine erreicht. Kommentarlos, weil die einen (Reporter) nicht mit ihm sprechen durften und von den anderen (Fans) fast keiner da war. Auch das eine Folge der Neuausrichtung an der Grünwalder Straße.

Der stets originelle Investorenklub hat aus unerfindlichen Gründen beschlossen, auf eine öffentliche Präsentation seiner Neuzugänge zu verzichten. Geheimtraining ist diesmal die ganze Woche, daher dringt wenig über den Einstand des Dänen nach außen. Für die Medien gab’s schon am Freitag eine knappe Pressemitteilung (um 18.35 Uhr, als gerade das Heimspiel gegen Fürth begonnen hatte) – für den einzigen Kiebitz gestern gab es: einen Anpfiff. Als der Herr mittleren Alters auf eine Bierbank stieg, um über die blickdichten Planen zu linsen, wurde er mit knapper, aber eindeutiger Geste eines Ordners zurechtgewiesen.

Dabei ist speziell der aus Trondheim importierte Gytkjaer kein Spieler, für den sich der Verein schämen müsste. Jan-Aage Fjörtoft, 50, bekanntester Bundesliga-Norweger aller Zeiten (1998 bis 2001 in Frankfurt), gratuliert den Löwen ausdrücklich zur Verpflichtung des exzentrischen Angreifers. „Christian hatte eine super Trefferquote, mit Rosenborg ist er Torschützenkönig geworden. Also diese Zahlen sagen schon was aus“, findet Fjörtoft, einst selber Stürmer. 19 Treffer in 28 Spielen lassen einen kaltschnäuzigen Torjäger erwarten. Aber, sagt Fjörtoft: Gemach! Er verweist auf Trondheims Scheitern in der Quali zur Europa League – mit zwei Niederlagen gegen Austria Wien: „Von daher bin ich lieber vorsichtig.“

Bilder: Erstes Training für Gytkjaer, Gustavo am Gelände

Was Fjörtoft aber guten Gewissens sagen kann: „Dass Christian ein Allrounder ist, ein Kämpfer, der viel unterwegs ist und nicht auf die Bälle wartet. Und er hat diesen Riecher, den du nicht lernen kannst. Er weiß, wo der Ball hinkommt und wann es gefährlich wird. Ich bin sehr gespannt, wie er sich machen wird bei 1860. Jedes Tor beschleunigt die Integration, da spreche ich aus Erfahrung.“

Gytkjaer selber hat wie eingangs beschrieben nichts zu seinem neuen Arbeitsumfeld sagen dürfen. In der am Freitag verschickten Pressemitteilung kommen lediglich Trainer Vitor Pereira und Geschäftsführer Anthony Power zu Wort. „Christian weiß, wo das Tor steht“, wird Pereira zitiert: „Er hat super Qualitäten in der Box, ist beidfüßig im Abschluss und kopfballstark. Aufgrund seiner sehr guten Physis, die er im Spiel richtig einzusetzen weiß, ist er für jede Abwehr ein unangenehmer Gegner.“

Ob das auch für die Abwehrreihen in der zweiten deutschen Liga gilt, wird sich erstmals am Freitag zeigen. Es ist davon auszugehen, dass Pereira den Vollblutstürmer mit nach Bielefeld nimmt und dort auch einsetzt (Anpfiff: 18.30 Uhr/Sky). Pflichtspiele des TSV 1860 sind nach wie vor öffentlich. Auch wenn sich der Spaßfaktor manchmal in Grenzen hält.

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