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Löwen in Sorge: Sponsor zieht sich zurück

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Auseinander gelebt: Sponsor Filipiak verlässt 1860. © dpa

München – Noch gut zwei Wochen, dann muss der TSV 1860 seine Lizenzunterlagen an die Deutsche Fußball Liga (DFL) schicken. Vor dem Termin kündigen sich jetzt neue Probleme an: Der Hauptsponsor will austeigen.

Einsendeschluss ist, wie inzwischen alle Welt weiß, der 15. März. Genauso bekannt ist, dass der Zweitligist, der sich mitten in einem schwierigen Sanierungsprozess befindet, gehörigen Bammel hat vor diesem Termin.

Ausgerechnet jetzt, da die wirtschaftliche Lage unsicher ist und es auch sportlich nicht läuft, platzt eine neue Hiobsbotschaft in die ins Wanken geratene Löwen-Welt. Aus Polen ist zu hören, dass die Softwarefirma Comarch, Brust- und Hauptsponsor seit dieser Saison, ihren Ausstieg zum Sommer vorbereitet. „Leider stimmt das“, bestätigte Comarch-Chef Janusz Filipiak die Nachricht gegenüber unserer Zeitung. „Wir haben dem TSV 1860 einen Brief geschickt und unsere Absicht mitgeteilt.“ Zwar läuft der mit rund 1,8 Millionen Euro pro Jahr dotierte Vertrag noch bis Mitte 2013, doch Filipiak zufolge gibt es eine Ausstiegsklausel, von der er fristgerecht Gebrauch machen will.

Das Sparbuch des TSV 1860

Über die Beweggründe seiner Firma möchte er sich nicht näher äußern, nur soviel deutet er an: „Es ist eine Mischung aus der finanziellen Situation und der Situation des Klubs.“ Die eigene finanzielle Situation kann der reiche Pole nicht meinen, denn seiner Comarch AG geht es unverändert gut. „Es ist das Problem von 1860, nicht unseres“, so der 52-Jährige.

Was Filipiak meint, aber so nicht sagen will, sind wohl Bedenken, die mit der natürlichen Wechselwirkung eines Sponsorverhältnisses zu tun haben. Ein Insider klärt auf: „Für Professor Filipiak sind die Löwen vor allem ein Werbeträger, und unter diesem Gesichtspunkt sieht er offensichtlich eine Beeinträchtigung.“ Durchaus nachvollziehbar. Wenn eine Firma in der Öffentlichkeit immer wieder im negativen Kontext eines Problemklubs erscheint, könnte das irgendwann auch dem eigenen Image schaden.

Die Löwen wollen den Rückzug allerdings nicht so ohne weiteres akzeptieren. Geschäftsführer Robert Schäfer sieht „Rede- bzw. Diskussionsbedarf“. Darum hat er Filipiak um ein Treffen gebeten. „Ich bin ein Kämpfer“, sagt Schäfer. Er ist fest entschlossen, dem Partner den Ausstieg „so schwer wie möglich zu machen“. Sonderlich besorgt klingt er nicht. „Selbst wenn es so käme, dass uns Comarch verlässt, wäre das für uns kein existenzielles Problem“, sagt Schäfer. „Die Lizenz ist nicht in Gefahr.“

Das muss man ihm glauben, denn keiner kennt die Hintergründe besser als er. Die Vermarktungsrechte der Löwen liegen bei der IMG, für die war Schäfer fünf Jahre lang tätig. Die IMG garantiert 1860 pro Saison einen Sockelbetrag X. Das bedeutet: Selbst wenn der Verein ab Sommer mit blanker Brust dastünde, würde die IMG den Wegfall des Sponsorbeitrags abfedern. „In den Lizenzunterlagen“, betont Schäfer, seien auch nicht die 1,8 Millionen Euro der Comarch angeben, sondern „nur der Garantiebetrag“. Das Problem hätte dann eher die IMG.

Zu hören ist übrigens, dass die Comarch nach der Cebit im März neue Erfolgszahlen präsentieren wird. Da haben sich zwei Partner ganz offensichtlich auseinander gelebt.

Uli Kellner

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