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Löwen warten, bis es Sommer wird

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Miroslav Stevic (l.) stand auch am Mittwoch im Mittelpunkt des Interesses, Manfred Stoffers (r.) wurde von OB Ude als Glücksgriff gelobt.
Miroslav Stevic (l.) stand auch am Mittwoch im Mittelpunkt des Interesses, Manfred Stoffers (r.) wurde von OB Ude als Glücksgriff gelobt. © dpa

München – Nach einem harmonischen Treffen mit der DFL verschiebt 1860 seine Investorenpläne bis zur nächsten Transferperiode

In der kurzen Zeit, die sie zusammenarbeiten, ist Miroslav Stevic an Manfred Stoffers schon eine Menge Positives aufgefallen. Das „natürliche Charisma“ des Geschäftsführers zum Beispiel und „die rhetorische Kunst, die diesem Verein sehr gut tut“. Sportdirektor Stevic fühlt sich in seinem Wirken für den TSV 1860 deshalb besonders motiviert, „damit er nur noch schöne Bilder beschreiben muss“.

Am Mittwoch ist Stoffers Mitglied einer vierköpfigen Löwen-Delegation gewesen, die in Frankfurt mit der Deutschen Fußball-Liga das gescheiterte Investorenmodell aufarbeitete. Auch zu diesem eigentlich ernsten Termin hat der Westfale sehr nette Worte gefunden. Zwar nicht so blumig wie gewohnt, doch die Wortwahl, man habe sich „in überraschend entspannter und konstruktiver Atmosphäre“ ausgetauscht, erlaubte schon ein paar Rückschlüsse. Denn lange war ja zu befürchten, das Treffen in der DFL-Zentrale gerate zum ausgewachsenen Krisengipfel.

In den zehn Tagen, seit das Schwarzer-Investment storniert und Stoffers als Geschäftsführer installiert wurde, hat sich das Verhältnis zwischen Main und Isar spürbar entspannt. Schon im Vorfeld hatte sich abgezeichnet, dass die Einwände sich nicht gegen das Vertragswerk als solches richten, sondern gegen Details wie das Verhältnis zwischen Stevic und Schwarzer sowie die Frage, ob 1860 sich im Fall der Fälle überhaupt von seinem neuen Sportdirektor trennen könne oder ob der Investor ein Vetorecht habe. Diese Haltung ist schon länger bekannt, stößt bei den Löwen jedoch auf Verwunderung. Sie argumentieren, bereits im Sommer aus Unmut über den damaligen Geschäftsführer Stefan Reuter den Markt intensiv sondiert zu haben. Die Personalie Stevic sei einer jener Fälle, in denen zwei Parteien unabhängig voneinander an ein und demselben Kandidaten Gefallen finden.

Stoffers, sein Geschäftsführer-Kollege Markus Kern, Vizepräsident Michael Hasenstab und Aufsichtsratsboss Peter Lutz durften demnach die Heimreise mit der Gewissheit antreten, kein völlig inakzeptables Modell präsentiert zu haben. Für die kommenden Monate verschafft ihnen dieser Termin nun Spielraum. Dem Vernehmen nach will man sich mit der Ausarbeitung eines neuen Vertragswerkes Zeit lassen bis mindestens zur nächsten Transferperiode. Nicolai Schwarzer wird diese Nachricht entspannt aufgenommen haben. Er befindet sich zurzeit im Skiurlaub.

Vorerst herrscht bei den Löwen keine akute finanzielle Not. Die Lizenz ist durch den Winter-Transfer Timo Gebharts nach Stuttgart (Ablöse: 3,2 Millionen Euro) allem Anschein nach gesichert, an der Sponsorenfront hat sich die erste Unruhe gelegt. Dazu passt, dass beim Heimspiel gegen Rot-Weiss Ahlen am vergangenen Sonntag ein Joghurtfabrikant als neuester Werbepartner vorgestellt wurde.

Auch auf einer anderen Ebene haben sich die Wogen geglättet. Nach dem Treffen der Präsidiumsmitglieder Rainer Beeck und Franz Maget mit OB Christian Ude verbreitete die Löwen-Pressestelle ein Foto mit drei lachenden Diskutanten. In der dazu gehörenden Meldung bedauerte Ude, der noch vergangene Woche heftige Kritik am Präsidium geübt hatte, zwar die Trennung von Stefan Reuter, lobte gleichzeitig aber die Vereinsführung für die Personalien Stevic und Stoffers. Die Befürchtung, Ude könnte den Aufsichtsrat verlassen, dürfte sich nach diesem Gipfeltreffen erübrigen.

von Marc Beyer

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