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Prädikat: „Darf wiederkommen“

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Marcos Antonio
Marcos Antonio © Getty

München – Am Montag stand für die Löwen eine Einheit „Life Kinetik“ auf dem Programm. Gehirntraining sagen die einen dazu – Bernhard Winkler, der zum Coach umgeschulte Ex-Torjäger, sagt: „Ist aber auch was für den Teamspirit.“

Weil beim Jonglieren mit bunten Kugeln häufig was misslingt, gerade bei Anfängern, werde unter Fußballern „viel gelacht“.

Einer wie Marcos Antonio fühlt sich da bestimmt wohl. Der Brasilianer lacht gerne und viel, das ist bislang seine einzige Möglichkeit, mit den Teamgefährten zu kommunizieren. Seine Deutsch-Kenntnisse sind „noch nicht so weit fortgeschritten“ (Ewald Lienen), der talentierte Linksfuß ist den Löwen schließlich erst im August zugelaufen. Die nonverbale Kommunikation funktioniere aber bislang „ganz ordentlich“, findet Lienen. „Man verständigt sich mit Händen und Füßen, und weil der Junge Intelligenz mitbringt, kriegt er schon mit, was angesagt ist.“

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Am Freitag zum Beispiel genügte ein Blick auf die Tafel in der Kabine. Dort war die Nr. 3 etwas überraschend in die Startelf gepinselt, links im Mittelfeld – erst einmal zuvor war der 21-Jährige im Profikader gestanden. Natürlich war sein Einsatz auch den vielen Verletzten geschuldet, aber es ging in Bielefeld nebenbei um Lienens Zukunft, also schien der Trainer den Debütanten schon mal nicht als Sicherheitsrisiko einzustufen. Zurecht. Antonio spielte solide, er flankte viel, er schlug ansprechende Ecken – zur Belohnung durfte er 90 Minuten auf dem Platz bleiben.

„Man hat gesehen, dass der Ball sein Freund ist. Fürs erste Spiel hat er seine Sache sehr ordentlich gemacht“, lobte Sportchef Miroslav Stevic. Lienen schloss sich diesem Urteil inhaltlich an („Hat mir gut gefallen“) und fügte das Zitat eines Altbundestrainers hinzu: „Helmut Schön würde sagen: Darf wiederkommen!“

Womöglich schon am Sonntag im Heimspiel gegen Düsseldorf. Der Brasilianer muss kein Deutsch verstehen, um zu wissen: Die Sieger von Bielefeld nehmen einen Bonus mit in die Trainingswoche (hat Lienen gesagt). Obwohl keiner im Kader so viel Geduld aufbringen musste wie Antonio (24 Profis wurden vor ihm eingesetzt), kann er es nun selber steuern, ob er zum Stammspieler aufsteigt. Wäre auch für die Löwen was Besonderes. Profis aus aller Herren Länder haben schon für 1860 gespielt, doch Brasilianer waren seltsamerweise kaum dabei. Erst vier, um genau zu sein. Die beiden Flops da Silva und Fernando Santos – und Rodrigo Costa, der vier Jahre lang eine solide Rolle spielte. Alles übrigens Abwehrexperten. Brasilianische Stürmer, die auf dem Spielermarkt als Luxusgut gehandelt werden, können sich die Löwen nicht leisten.

Aber wer weiß? Vielleicht ist Marcos Antonio ja einer, der mal die Klubkassen füllt. Stevic bezeichnet die Leihgabe von Corinthians Alagoana als „Experiment“. Schlägt Antonio ein, kann er per Kaufoption langfristig gebunden werden. Fällt er durch wie einige seiner südamerikanischen Vorgänger, hat 1860 nicht viel kaputt gemacht. Dass der dunkelhäutige Linksfuß große Ambitionen hat, wird in einem der wenigen Sätzen deutlich, die von ihm überliefert sind: „Mein Vorbild ist Zé Roberto“, soll er bei seiner Ankunft gesagt haben. Die Löwen hätten nichts dagegen, wenn er sich in diese Richtung entwickelt.

Uli Kellner

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