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"Mein Gott, du hast uns gerettet"

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- München - Das gab es schon mal, dass sich Köln und 1860 zu einem Abstiegskrimi treffen, bloß dass die Ausgangslage vor sechs Jahren noch eine Spur dramatischer war für die Münchner. Vor dem richtungweisenden Duell drei Spieltage vor Schluss hatten beide Teams 35 Punkte und minus zwölf Tore, aufgrund fünf weniger erzielter Treffer lag der TSV (14.) jedoch hinter dem FC (13.). 1860-Torhüter Michael Hofmann, der in seinem zweiten Bundesligaspiel den 3:2-Sieg festgehalten hat, erinnert sich an diesen denkwürdigen 25. April 1998.

Die Vorgeschichte

"Ostersamstag, es war der 11. April, war das Münchner Derby, als sich Carsten Jancker kurz vor der Halbzeit hinter dem Bernd Meier versteckt hat und den Ball praktisch ins leere Tor schieben konnte (Endstand 1:3). In der Woche vor dem Hertha-Spiel hat sich der Lorant dann entschieden, dass er mich ins Tor stellt, weil ich damals ja im Regionalligateam von Peter Pacult hervorragende Leistungen gebracht habe. Ich war heiß drauf, in der Bundesliga zu spielen, und Lorant hatte den Mut, mich ins kalte Wasser zu werfen."

Lorant live

"Die Woche nach dem Derby war brutal. Der Harry (Cerny), der Paul (Agostino) und ich, wir erzählen noch immer von der Einheit am Dienstag nach Ostern. Da hatte es noch mal geschneit im April, und der Lorant hat uns 90 Minuten durch den Tiefschnee laufen lassen. Mir hat damals der Peter Pacult unheimlich geholfen, der hat viel mit mir geredet, und der Jens Jeremies und der Horst Heldt, die haben mich im Training ständig gelobt, von daher wusste ich, dass mir die Mannschaft vertraut."

Der Blitzstart

"Durch den Sieg gegen Hertha (3:1) hatten wir die Abstiegsplätze verlassen, deswegen waren die meisten von uns normal eingestellt, nicht übermäßig nervös, und das hat man in Köln ja auch gemerkt. Wir haben zwar am Anfang Glück gehabt, da hab ich gleich zwei, drei schwere Bälle halten müssen, aber dann ging's ruckzuck. Nach einer Viertelstunde 1:0, zehn Minuten später das 2:0 und kurz vor der Halbzeit noch das 3:0 - da war wirklich jeder Schuss ein Treffer."

Jerrys Ansprache

"Wir sind wie gesagt mit 'nem 3:0 in die Halbzeit rein, und alle haben sich schon total sicher gefühlt, auch der Lorant war natürlich total happy. Wenn du 3:0 führst, dann denkst du halt: Uns kann nichts mehr passieren! Aber dann kam der Jens Jeremies und hat voll durch die Kabine gebrüllt: Wir sollen unser Maul halten und konzentriert bleiben, weil das Spiel ist noch nicht vorbei und im Fußball kann es ganz schnell gehen . . ."

Schwimmende Löwen

" . . . das hat man dann ja auch gesehen. Sechs Minuten nach der Pause stand's 1:3, auf einmal nur noch 2:3, und dann sind wir geschwommen ohne Ende. Die letzte halbe Stunde hatten wir Konterchancen en masse, aber keiner ging rein, und Köln immer wieder mit Toni Polster oder Dorinel Munteanu, der war der Freistoßspezialist bei denen. Die hatten wirklich vier, fünf brenzlige Situationen, und fünf Minuten vor Schluss die Szene, die ist auch vielen noch im Kopf: Als ich einen Kopfball vom Polster aus fünf Metern aus dem Winkel hole, ich den Ball aber so nach vorne abprallen lasse, und der Gaißmayer rutscht rein und haut den Ball aus drei oder vier Metern über das leere Tor. Das war damals für Köln so 'ne Signalwirkung nach unten, das war damals der Abstieg für die."

Erlösender Pfiff

"Wir waren so was von heilfroh! Ich weiß noch, dass der Wildmoser mit so 'nem weiß-blauen Schal in der Kurve stand. Ich bin sofort über die Bande gehüpft und in die Kabine gesprintet, weil ich das erstmal sacken lassen musste. Das war so ein Spiel, was man sich früher immer erträumt hat, wenn man die Bundesliga verfolgt hatte. Wir haben aber auch die Kölner Fans erlebt an diesem Tor da, an dem berühmten, die haben sich voll aufgeführt und den Bus mit Gegenständen beschmissen. Das war schon krass für die."

Kultstatus

"Wenn ich heute einen Fanklub besuche oder wenn mich montags der Stammtisch im Löwen-Stüberl sieht, die sagen immer: Mein Gott, du hast uns damals in Köln gerettet! Das macht mich schon stolz. Ich glaub, damals hab ich mich irgendwie in die Herzen der Fans gespielt, die haben halt gemerkt: Mensch, eigentlich ist der Michel Hofmann schon ein guter Torwart - und der richtige für die Löwen."

 

 

 


 

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