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"Großes Geld, kurz zu Besuch" - Drehbuch zu einer Löwen-Tragödie

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Zweiter Akt, Szene 2: Stefan Reuter verlässt das Trainingsgelände der Löwen. Er hat ein neues Job-Angebot abgelehnt. © sampics

München - Es waren die Tage des Chaos. Im Februar 2009 sorgte der TSV 1860 mit seinem Investoren-Desaster überregional für negative Schlagzeilen. Wir erzählen den Monat nochmal. Als Tragödie in drei Akten.

In ganz München gab es im Februar 2009 nur ein Gesprächsthema: Die Uraufführung der Tragödie „TSV 1860 München: Großes Geld, kurz zu Besuch“. Die Zeitungen rissen sich um die Hauptdarsteller, in der Stadt war das Stück in aller Munde und selbst von höchster Instanz kam ein Schreiben, dass man Interesse an dem Werk hätte. Es war eine Weltpremiere. Und was für eine.

Für jeden Theaterliebhaber, der die Uraufführung auf dem Trainingsgelände des TSV 1860 München im Februar 2009 verpasst hat, hier nochmal das Drehbuch des Dreiakters zum Nachlesen.

Das Drehbuch: "Großes Geld, kurz zu Besuch"

Die Besetzung:

Der alte Sportdirektor: Stefan Reuter

Der neue Sportdirektor: Miki Stevic

Der Mann mit dem großen Geldsack aus Berlin:
Nikolai Schwarzer

Der alte Trainer:
Marco Kurz

Der neue Trainer:
Uwe Wolf, der vom Vertrag her Co-Trainer bleibt, weiter seine Co-Trainer-Jacke anzieht, aber den Posten des Chef-Trainers bekommt

Einführung: Die Löwen haben auch ihr zweites Spiel im Jahr 2009 verloren. Nach der Pleite im Pokal gegen den Hamburger SV ging die Mannschaft auch beim Rückrunden-Auftakt gegen den SC Freiburg mit 0:2 als Verlierer vom Platz. Die lokalen Tageszeitungen fordern den Rauswurf des Trainers (gespielt von Marco Kurz). Nach der Niederlage tritt der Sportdirektor der Löwen (gespielt von Stefan Reuter) vor die Presse, sagt: „Wir besprechen uns nun die nächsten zwei Tage. Gehen Sie davon aus, dass wir bis Mittwoch eine Stellungnahme herausgeben werden.“

Erster Akt:

Die Nebenrollen:

Der Rhetoriker:
Manfred Stoffers

Der Trainer-Kandidat:
Lothar Matthäus, der bei jedem Club Trainer werden soll, wo ein Trainer gesucht wird, aber nie einen Job bekommt

Der Querulant:
Uli Hoeneß

Der Präsident:
Rainer Beeck

Szene 1: Montag, 2. Februar: Der Sportdirektor der Münchner Löwen betritt das Trainingsgelände. Reporter laufen auf ihn zu. Reuter macht eine abweisende Bewegung. Der (alte) Sportdirektor: „Heute Nachmittag wird es Stellungnahmen geben.“ Reuter ab, Reporter verharren in Lauerstellung.
Szene 2: Auf dem Trainingsplatz des TSV 1860 München scheucht der Löwen-Trainer (gespielt von Marco Kurz) seine Spieler über den Platz. Sie laufen und schwitzen.
Szene 3: Der Präsident des TSV 1860 München (gespielt von Rainer Beeck) erscheint an der Grünwalder Straße 114a. Reporter laufen auf ihn zu. Block und Stift in der Hand. Er weist die Reporter zurück.

Präsident Beeck: „Es wird heute was passieren. Wir kommen am Nachmittag auf Sie zu.“

Reporter ziehen enttäuscht ab.

Szene 4: Früher Abend, 17.40 Uhr. Im Pressehaus des Münchner Merkur. Eine Mitteilung läuft ein. Darin steht: Miki Stevic ist neuer Sportdirektor des TSV 1860 München. Mit ihm sollen zwei neue Spieler nach München kommen. „Mit der Berufung von Miroslav Stevic als Verantwortlicher für den sportlichen Bereich möchte der Verein den Grundstein für zukünftige Erfolge legen, die in einer Rückkehr in die Bundesliga gipfeln soll“, ließt ein Reporter.

Der Reporter setzt sich an seinen Tisch, schreibt einen Artikel.

Ende erster Akt.

Zweiter Akt:

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Zweiter Akt, Szene 1: Die Verantwortlichen  des TSV 1860 München stellen Miroslav Stevic als neuen Sportdirektor vor. © dpa

Szene 1: Die Verantwortlichen des TSV 1860 München sitzen in einem blauen Pressecontainer. Reporter warten auf Antworten. Miroslav Stevic wird als neuer Sportdirektor vorgestellt. Blitzlichtgewitter. Mit Stevic soll auch ein Investor aus Berlin den Löwen finanziell unter die Arme greifen.
Der neue Sportdirektor - Dunkler Anzug mit Weste, Krawatte, weißes Hemd, den obersten Knopf geöffnet - tritt vor die Medienvertreter: "Wir werden schon in den nächsten Spielen eine andere Mannschaft auf dem Platz sehen", verspricht er.

Trainer Marco Kurz darf weiter die Mannschaft trainieren: „Er wird am Sonntag beim Spiel in Mainz auf der Bank sitzen“, beendet Stevic alle Spekulationen.

Neben dem neuen Sportdirektor steht Präsident Rainer Beeck. Der Präsident beantwortet die Fragen der Reporter. Über die Berliner Unternehmensgruppe, die das Geld bringen soll, sagt er: "Nicolai Schwarzer ist ein seriöser Geschäftsmann. Mit dem Geld sind wir in der Lage, uns in den nächsten Transferperioden zu verstärken und den Aufstieg 2010 anzupeilen.“

Die Medienvertreter schreiben eifrig mit.

Szene 2:  Auf dem Platz vor dem Pressecontainer. Der alte Sportdirektor (gespielt von Stefan Reuter) verlässt das Trainingsgelände, steigt in sein Auto. Er hat soeben ein neues Job-Angebot, künftig sich nur noch ums Geschäftliche zu kümmern, abgelehnt. Stefan Reuter zu Journalisten: „Ich kann dieses Angebot aus mehreren Gründen nicht annehmen. Von daher bin ich beurlaubt." Reuter ab.

Szene 3:  Zwei Straßen weiter spricht Bayern-Manager Uli Hoeneß mit einem Reporter des Münchner Merkur über den neuen Investor bei den Löwen: "Mein Bauch sagt mir, dass das, was da zurzeit passiert, der Anfang vom Ende für 1860 München ist."

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Zweiter Akt, Szene 4: Lothar Matthäus telefoniert in Tel Aviv mit einem Reporter. © dpa

Szene 4:  Gleichzeitig in Tel Aviv, Israel. Lothar Matthäus hat ein Handy in der Hand, telefoniert mit einem Reporter des Münchner Merkur. Es wird als neuer Trainerkandidat bei den Löwen gehandelt.
Der Trainer, der bei jedem Club Trainer werden soll, wo ein Trainer gesucht wird, aber nie einen Job bekommt, spricht am Handy über ein mögliches Engagement bei den Löwen: „Wenn jemand meint, dass ich helfen kann, dann wird er sich bei mir melden und dann wird man sich alles anhören.“

Ende zweiter Akt.

Bilder der Aufführung:

Dritter Akt:

Szene 1:  Hektitk auf dem Trainingsgelände der Löwen. Fans diskutieren. Viele Reporter stehen mit ihrem Notizblock in der Hand auf dem Trainingsgelände, warten auf Erklärungen. Die DFL hat den TSV 1860 zu einem Gespräch eingeladen. In Sachen Investor gibt es noch Klärungsbedarf. Das Investorenmodell steht auf der Kippe. Der Mann mit dem großen Geldsack aus Berlin soll jetzt per Flugzeug nach München kommen. Zu allem Übel hat die Münchner Fußballmannschaft auch noch ihren Hauptsponsor verloren. Am Abend, um 20.20 Uhr verschickt der TSV 1860 München eine Pressemitteilung.

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Dritter Akt, Szene 2: Pressemitteilung mit brisantem Inhalt

Szene 2: Im Pressehaus des Münchner Merkur. Ein Reporter freut sich. Er hat gerade eine Pressemitteilung mit brisantem Inhalt erhalten. In dem Schreiben steht: „Der Verein hat beschlossen, den Genehmigungsantrag zurückzuziehen und die Investition bis auf weiteres auf Eis zu legen.“
Der Reporter setzt sich an seinen Schreibtisch. Er schreibt einen brisanten Artikel. Überschrift: Löwen-Chaos

Szene 3:  Der Tag darauf: Bei den Löwen wird ein neuer Mann vorgestellt. Der Rhetoriker (gespielt von Manfred Stoffers) soll die Kommunikation innerhalb des Vereins verbessern. Er scheint ein großer Fan scharfer Kochrezepte zu sein. In seinen Reden spricht er von Chili-Fußball, und warum Obama weniger Probleme hat als er.

Epilog:

Marco Kurz ist nach einem 1:4 gegen Duisburg gefeuert worden. Den Investor hat man bei den Löwen auf dem Trainingsgelände nie wieder gesehen. Ein neuer Mann soll jetzt die Löwen bändigen. Der neuen Trainer, der vom Vertrag her Co-Trainer bleibt, weiter seine Co-Trainer-Jacke anzieht, aber den Posten des Chef-Trainers bekommt, geht seinen neuen Job mit großen Zielen an. Er möchte Löwentrainer bis zur Rente bleiben. Der Feburar neigt sich dem Ende.

Eine Fortsetzung ist geplant. Am Drehbuch wird bereits gearbeitet.

von Christoph Seidl

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