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Mister G auf Solotour

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Kreativ, nicht nur auf dem Platz: Timo Gebhart kommt auch privat auf ausgefallene Ideen.
Kreativ, nicht nur auf dem Platz: Timo Gebhart kommt auch privat auf ausgefallene Ideen. © dpa

München – Der TSV 1860 baut seine Talente mit äußerster Behutsamkeit auf – das freut nicht zuletzt die Konkurrenz

Tief unter den Textilschichten, die man bei dieser Kälte so trägt, ruht das Tattoo. Im Sommer hat Timo Gebhart das Motiv „Zwei Hände umfassen ein Kreuz“ selbst entworfen und sich in die Brust ritzen lassen. Man weiß das, seit er Mitte September nach seinem ersten Tor für den TSV 1860 das Trikot lupfte. Das Kreuz sei „mein erstes und letztes Tattoo“, klärte er anschließend auf. „Sonst bringt mich meine Mutter um.“

Die Frage, ob sich Gebhart jemals wieder ein Gemälde in die Haut stechen lässt, muss die Löwen nicht mehr kümmern. Rückblickend ist man als Beobachter schon dankbar, dass das Thema überhaupt an die Öffentlichkeit gedrungen ist. Die T-Frage war Gegenstand des einzigen Interviews, das Gebhart bei 1860 jemals gab. Und wenn man ehrlich ist, war es das einzig Interessante, was er darin erzählte.

Vor zwei Wochen hat Gebhart (19) die Löwen verlassen, ohne dass die Öffentlichkeit viel mehr über ihn wusste, als dass er ein ziemlich guter Fußballer ist. Die Offensivkraft wurde streng abgeschirmt. Selbst das eine Interview entpuppte sich im Nachhinein als Ausrutscher, den Trainer Marco Kurz später in knurrendem Ton mit einem Fehler der Pressestelle erklärte. Fans und Medien waren für den Fehler sehr dankbar.

Nun freuen sich andere. In Stuttgart hat der VfB mit Gebhart einen Profi in Empfang genommen, der mit äußerster Behutsamkeit zum Profi erzogen wurde. Zur Begrüßung hat er gleich ein Interview gegeben, ohne dass er dabei Schaden genommen hätte. Die Löwen haben ganze Arbeit geleistet. In München übrigens, verriet Kurz nach dem Wechsel, „wäre jetzt auch der Zeitpunkt gewesen, ihn zu präsentieren“.

Der TSV und seine Talente, das ist ein kompliziertes, manchmal skurriles Thema. Auf dem Platz dürfen sie die Initiative ergreifen, vor Mikrofonen und Notizblöcken nicht. Ex-Löwen wie Daniel Baier und Matthias Lehmann, denen das Popstar-Image zu Kopf stieg, sind abschreckende Beispiele dafür, wie es gehen kann, wenn man die Lobeshymnen nicht einzuordnen weiß. So weit soll es nicht mehr kommen.

Auch die Bender-Zwillinge wurden bis zum Sommer in strenge Manndeckung durch die Pressestelle genommen, erst dann durften sie reden. Im Trainingslager auf Teneriffa halten sie sich nun wieder zurück, doch das liegt nur an dern Berichten über Lars Benders Verbindung zu Bayer Leverkusen.

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Wenn die Rheinländer ihn 2010 tatsächlich verpflichten, bekommen sie einen früh gereiften Jungprofi, dem der Rummel wenig auszumachen scheint. An der Stabilität der Benders bestand nie ein Zweifel, anders als bei Gebhart, der für Verlockungen und Einflüsterer durchaus empfänglich war. „München ist ein heißes Pflaster“, erinnert Kurz. Mit Unbehagen hat er neulich einen Artikel gelesen, in dem der junge Stürmer Manuel Schäffler nach einer vergebenen Chance als „Trottel des Tages“ tituliert wurde.

Auch Memmingen ist ein heißes Pflaster. In seiner Heimatstadt hat Gebhart zu Löwen-Zeiten weite Teile seiner Freizeit verbracht. Nicht nur bei der Tattoo-Gestaltung war er kreativ, auch bei der Namensgebung. Für Piste und sonstiges Privatleben verpasste er sich den Namen „Mister G“. Das passt zum Rapper-Outfit, das er so gerne anlegt.

Nun dreht Mister G in Stuttgart seine Runden und muss sich eine Etage höher einordnen. Das betrifft auch die Benders ganz konkret. Um den jungen Treibauf zu bändigen, war er von 1860 in eine WG mit den beiden Zwillingen gesteckt worden. Die müssen jetzt einen neuen Mitbewohner suchen oder sich die Miete teilen. Bis der Nächste auszieht.

von Marc Beyer

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