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Und im Sommer ein gemeinsames Fest

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München - Der erste Eindruck war eindeutig. Als vor zehn Tagen die Fußballabteilung des TSV 1860 ihre Delegierten wählte, waren die Kandidaten der Faninitiative Pro 1860 klar favorisiert.

Alle Wahlen an diesem Tag hatten Pro 1860-Vertreter gewonnen, darunter die des Abteilungsleiters (Robert Reisinger). Das Nachsehen hatte die Arbeitsgemeinschaft der Löwen-Fanklubs (ARGE). Mittlerweile sind die Stimmen ausgezählt und die Verhältnisse tatsächlich klar – nur anders als erwartet. 144 der 174 Fußball-Plätze stellt künftig die ARGE.

Möglich macht dies der Modus der Blockabstimmung. Jeder Teilnehmer der Versammlung konnte auf seinem Wahlzettel 174 Kandidaten ankreuzen. Auf ARGE-Seite war die Schnittmenge der Stimmen offensichtlich größer als bei Pro 1860.

Hinzu kam, dass viele Besucher ihre Zettel schon vor der Versammlung ausfüllten und die Qualität der Redebeiträge nicht mehr in ihr Urteil einfließen ließen. Die besseren Redner stellte in Unterschleißheim nach einhelliger Einschätzung Pro 1860. Deren Sprecher Hans Vonavka ist „schon ein bisschen frustriert“ und sieht Parallelen zum Geschehen auf dem Platz: „Es ist wie beim Spiel in Fürth. Wie waren besser und haben trotzdem verloren.“ Wie das bei den Löwen üblich ist, weckt das Wahlergebnis unweigerlich Befürchtungen, die Gräben im Verein könnten weiter vertieft werden. Das Lagerdenken hat Tradition, seit Pro 1860 Anfang 2006 gegründet wurde. Die Gruppe verkörpert die Erneuerer, die jahrelang ausgebremst wurden, während die ARGE treu den Kurs Karl-Heinz Wildmosers begleitete und für das Establishment steht.

Doch die Indizien deuten auf eine Annäherung hin. „So können wir nicht weiter machen“, hat Vonavka aus den Jahren voller Konfrontationen gelernt, die den Verein lähmten und die Außendarstellung als Chaosklub prägten. Auf Initiative der ARGE veröffentlichten beide Parteien am Samstag eine gemeinsame Mitteilung. Sie geloben darin, „zum Wohle des Gesamtvereins die vorhandene Konkurrenzsituation nach und nach in ein partnerschaftliches Nebeneinander zu überführen“. Ähnliche Ankündigungen gab es schon früher, ohne dass sie je realisiert worden wären. Diesmal aber besteht Hoffnung.

Dafür spricht, dass die Mitteilung zu einem Zeitpunkt veröffentlicht wurde, als das Wahlergebnis den Betroffenen inoffiziell schon bekannt war. Dass der Sieger trotz seiner frisch gestärkten Position den Schulterschluss sucht, wird von der Gegenseite als Signal gewertet. Nach Ostern wollen sich beide Parteien zu einem Gespräch treffen. Andreas Kern, zweiter Vorstand der ARGE und in schwierigeren Zeiten der Verbindungsmann zu Pro 1860, ist optimistisch, „dass etwas Konstruktives dabei rauskommt“.

Themen gibt es genug. Im Herbst wird der neue Aufsichtsrat bestellt, seine Mitglieder stehen in Blockwahl zur Abstimmung. Beim letzten Mal war die Zusammensetzung des Gremiums ein Politikum erster Güte, das beinahe unbegrenztes Konfliktpotenzial bot. Noch brisanter ist die Stadionfrage, das Thema schlechthin bei den Löwen. Pro 1860 hat sich im Zusammenhang mit der „Projektgruppe Stadionzukunft“ klar zu Gunsten der Spielstätte an der Grünwalder Straße positioniert. Die ARGE erweckt hingegen den Eindruck, sie habe sich mit der Arena arrangiert. Es gibt viel zu bereden.

Es gibt auch schon Ideen, wie man sich annähern könnte. Im Gespräch ist ein Fest von Pro 1860 und ARGE, das irgendwann im Sommer steigen soll. Erst wenn auch ein gemeinsames Bier den Dialog nicht fördert, muss man sich ernsthaft Sorgen machen.

Marc Beyer

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