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Berhalter: Zurück in die fremde Heimat

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Gregg sagt Good bye: Ein Porzellanlöwe wird Abwehrroutinier Berhalter an seine Zeit in München erinnern. Zum Abschied klatschte auch Trainer Uwe Wolf Beifall.
Gregg sagt Good bye: Ein Porzellanlöwe wird Abwehrroutinier Berhalter an seine Zeit in München erinnern. Zum Abschied klatschte auch Trainer Uwe Wolf Beifall. © sampics

München – Die Löwen und der US-Routinier gehen ab sofort getrennte Wege. Eine Vereinbarung, die beiden Seiten weiterhilft: Der Verein spart sich einen Gehaltsposten, Berhalter kann nahtlos in den Spielbetrieb der MHL einsteigen.

Anglizismen gelten gemeinhin als verpönt, doch in diesem speziellen Fall gibt es keine bessere Vokabel als: Win-win-Situation. Der Begriff beschreibt eine Vereinbarung, von der beide Seiten profitieren, und nichts anderes ist der Auflösungvertrag, den Gregg Berhalter und der TSV 1860 gestern unterschrieben haben. Der Amerikaner (deswegen ist „Win-win“ ausnahmsweise erlaubt) wechselt mit sofortiger Wirkung in die amerikanische Profiliga (MHL) – die Löwen, bei denen es auf jeden Cent ankommt, sparen sich die letzten drei Monate des ursprünglich bis Ende Juni datierten Vertrages.

Ein Porzellanlöwe von den Mitspielern, ein Blumenstrauß von Geschäftsführer Manfred Stoffers, freundlicher Beifall aus der versammelten Runde, dann war er weg: Berhalter (35) wählte nicht den Abschied durch die Hintertür, sondern den amerikanischen Weg. Eine Good-Bye-Party mit Pathos. Berhalter, der nie verstanden hat, wenn er aussortiert wurde (wie Anfang der Saison von Marco Kurz und zuletzt von Nachfolger Uwe Wolf), verkniff sich bei seinem letzten großen Auftritt als Löwe jedes kritische Wort. Stattdessen sagte er: „Ich hatte eine super Zeit hier in München, aber jetzt freue ich mich auf den neuen Lebensabschnitt in der Major League.“ Der Verein, für den Berhalter künftig die nicht mehr ganz jungen Knochen hinhält, steht offiziell noch nicht fest. Dem Vernehmen nach soll es Los Angeles Galaxy sein, der Arbeitgeber von Ex-Bayern-Praktikant Landon Donovan und dem derzeit zum AC Mailand ausgeliehenen David Beckham.

Künftig Kollege von Ex-Bayer Donovan

So komisch es klingt, aber für Berhalter ist der Wechsel in die Heimat der Aufbruch in eine neue Welt. „Als Erwachsener habe ich nie in Amerika gelebt“, sagt er. Seine Kinder Santana, Sebastian und Lily seien „überhaupt noch nie“ länger als ein paar Urlaubswochen in den Staaten gewesen. Bayerische Biergärten, deutsche Behörden und europäische Entfernungen sind den Berhalters vertrauter als als der amerikanische Alltag mit Burger-Buden, Einkaufs-Malls und Endlos-Highways. Deswegen glaubt er: „Es wird ein Abenteuer für uns.“

Seit seinem 22. Lebensjahr tingelt der irischstämmige US-Profi durch Europas B-Ligen, hatte Stationen in Holland, England und zuletzt Deutschland. Erst verteidigte er vier Jahre in Cottbus, seit 2006 absolvierte er 73-Zweitliga-Partien für 1860, in denen er wortreich die Abwehr dirigierte, hin und wieder als Elferschütze in Erscheinung trat, zuletzt aber doch deutlich an Dynamik verloren hatte. Mitte März, als er wieder mal seinen Stammplatz los war, suchte er das Gespräch mit Chefcoach Wolf, dieser beschied ihm, auf andere Innenverteidiger zu setzen. „Ich habe meine Chance gesucht“, sagt Berhalter, „leider habe ich sie nicht bekommen.“ Am Sonntag bat er deshalb um Freigabe und zeigt sich nun dankbar, „dass mir der Verein bei der Vertragsauflösung entgegen gekommen ist“.

Von all seinen Stationen sei die Zeit bei den Löwen die aufregendste gewesen, sagt der 35-Jährige. „Es war ein ständiges Auf und Ab.“ Für ihn genauso wie für den Verein. Berhalter fällt ein schöner Vergleich ein: „Es war wie eine Achterbahnfahrt. 1860 war der extremste Verein, bei dem ich in Europa war.“ Ein Disneyland in Bavaria.

von Uli Kellner

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