1. Startseite
  2. Sport
  3. TSV 1860

Frühling in München, Tristesse in Giesing

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

TSV 1860 München
Sascha Rösler beim Spiel gegen Osnabrück. © sampics

Mjünchen - Niemand kann den Spielern des TSV 1860 vorwerfen, dass sie sich unerfreulichen Themen nicht stellen würden. Keiner von ihnen scheut die Konfrontation, nicht mal Sascha Rösler.

Der Offensivspieler wusste genau, worum es gehen würde, als er gestern nach dem Training von den Reportern angesprochen wurde. Schmeicheleien waren nicht zu erwarten. Aber zumindest diesmal zeigte Rösler eine überzeugende Vorstellung.

Lesen Sie auch:

Nur ein Punkt gegen Osnabrück

Am Vortag war das noch anders gewesen. Rösler, der in der Winterpause aus Mönchengladbach geholt worden war, um den Verlust von Timo Gebhart zu kompensieren, hatte beim 1:1 gegen den VfL Osnabrück eine äußerst dürftige Leistung geboten. In der Pause wurde er ausgewechselt, sehr zur Freude der Fans. Er habe „gut reagiert“, fand später Trainer Uwe Wolf, meinte damit aber nicht Rösler, sondern sich selbst. Schließlich hätte er Rösler auch „fünf Minuten früher“ auswechseln können, argumentierte er. Er sei aber so feinfühlig gewesen, diesen Schritt aufzuschieben, bis der Spieler in der Kabine war und den Jubel nicht mitbekam.

Die Löwen gegen Osnabrück in der Einzelkritik

Fotostrecke

Drei Monate ist Rösler jetzt ein Löwe, doch noch immer ist er auf dem Platz ein Fremdkörper. Weder wirkt er körperlich auf der Höhe noch hat er Bindung zu seinen Nebenleuten. Keiner weiß, was aus dem Mann geworden ist, der letzte Saison noch maßgeblich am Gladbacher Aufstieg beteiligt war. Auch Rösler selbst ist ratlos. Er kann verstehen, dass sich „alle mehr von mir erwartet haben“, und fügt hinzu: „Ich auch.“ Nur in einem Punkt hat er keine Zweifel: Die Fitness sei nicht das Problem. Dass das nach außen ganz anders wirkt, weiß er, begründet diesen Effekt aber mit der Anspannung: „Ich setze mich selber unter Druck.“

Wie er diesem Kreislauf aus schlechter Leistung und Verkrampfung entkommen kann, ist eines jener Rätsel, mit denen man bei 1860 immer rechnen muss. Wie so oft tappen die Löwen auch diesmal bei der Analyse ihrer Unzulänglichkeiten im Dunkeln. Die vollmundigen Ankündigungen, den Zuschauern, die aufgrund einer Freikartenaktion in der Arena waren, den regelmäßigen Besuch schmackhaft zu machen, klangen im Nachhinein wie ein schlechter Scherz. Auch das Versprechen der Mannschaft, auf dem Platz Argumente für den Trainer zu präsentieren, war nach der ersten Halbzeit pulverisiert. Doch warum das so war, konnte auch gestern niemand beantworten. „Nach fünf, zehn, fünfzehn Minuten“, wenn man merkt, dass nichts geht, „muss auch mal einer ein Zeichen setzen“, gab Benjamin Lauth zu bedenken. „Das kann auch ein Foul sein.“ Aber selbst dieses Signal blieb aus.

Während um sie herum der Frühling ausbricht, macht sich bei den Löwen gerade wieder Tristesse breit. Der Schwung, den der Trainertausch Kurz/Wolf kurzzeitig brachte, hat spätestens am Sonntag schwer gelitten. Am Anfang stimmten Leistung und Ergebnis (5:1 gegen St. Pauli), dann das Ergebnis (3:2 in Ingolstadt) und beim 0:1 in Fürth wenigstens noch die Leistung. Doch das Remis gegen Osnabrück war in seiner spielerischen und (eine Halbzeit lang) kämpferischen Armut ernüchternd. Der einzige im Stadion, der Uwe Wolf zugute hielt, unter ihm sei man nun schon in drei Heimspielen unbesiegt, war Uwe Wolf selbst. Der Rest kam zu dem Ergebnis, dass gegen den FSV Frankfurt und den VfL Osnabrück zwei Punkte eine doch sehr magere Ausbeute sind.

Mittlerweile hat sich der Trainer vorgenommen, zu seiner Zukunft nichts mehr zu sagen. Doch wenn man ihn dann fragt, ob er ein Gefühl habe, erliegt er gleich wieder der Versuchung und antwortet, wie er seit Wochen antwortet: „Natürlich bleibe ich Trainer.“ Nur: Seit er seine Ambitionen nicht mehr mit Siegen unterfüttern kann, haben sie an Überzeugungskraft deutlich eingebüßt. „Ich bin immer noch gut dabei“, beteuert er zwar, lobt die Chemie, die zwischen ihm und der Mannschaft stimme, und kommt unweigerlich zu dem Schluss, „dass ich zu Sechzig passe wie die Faust aufs Auge. Punkt, fertig, aus.“ Doch die Fakten sprechen nicht mehr für ihn. Die Frage, ob die sportliche Leitung der öffentlichen Eigenwerbung irgendwann erliegen wird, ist das einzig Spannende, was den Löwen bis zum Sommer noch bleibt. Die übrigen Ziele erschöpfen sich darin, „die Saison ordentlich zu Ende zu spielen und den einen oder anderen Platz nach oben zu klettern“, weiß Lauth. „Das ist eigentlich schon alles.“ Besonders viel ist das nicht.

Auch interessant

Kommentare