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Der Hoffnungsträger kommt in Fahrt

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Das süße Gefühl des Sieges: Linus Gerdemann.
Das süße Gefühl des Sieges: Linus Gerdemann. © dpa

München – Linus Gerdemann gewinnt die Bayern-Rundfahrt und fühlt sich für die Tour de France gerüstet

Irgendwie hatte Linus Gerdemann ja schon geahnt, dass der Schlussanstieg des Zeitfahrens am Ende die Bayern-Rundfahrt entscheiden würde. Vorsorglich sparte sich der Milram-Profi deshalb „noch eine kleine Kraftreserve“ für die letzten 300 Meter in Friedberg auf. Es sollte sich auszahlen: Mit schwungvollem Antritt fuhr der 26-Jährige nicht nur plangemäß ins gelbe Trikot der nun wichtigsten deutschen Rundfahrt – er schüttelte auch den belgischen Columbia-Profi Maxime Monfort ab, der ihm so lange so dicht auf den Fersen geblieben war und musste sich nur den Zeitfahrspezialisten Tony Martin und Bert Grabsch (beide Columbia) knapp geschlagen geben.

Zehn Sekunden hatte Gerdemann am Ende zwischen sich und seinen schärfsten Rivalen Monfort gelegt, der ihn im vergangenen Winter beim T-Mobile-Nachfolger beerbte. Das Polster brachte er am Sonntag schließlich auch in Gunzenhausen ins finale Ziel der Schleife durch Bayern, wo Columbia-Ausnahmesprinter André Greipel ganz nebenbei seinen dritten Etappensieg feierte. Und Gerdemann machte ihn perfekt, den zweiten großen Rundfahrtsieg seiner Karriere nach dem Gewinn der wenig später beerdigten Deutschland Tour. Was ihn auch für den Groll versöhnte, den er zwischenzeitlich gegen das Team seines früheren Arbeitgebers Columbia gehegt hatte. „Ich muss feststellen, dass Columbia wohl mehr das Ziel hat, unseren Sieg zu verhindern als selbst zu gewinnen“, hatte er zur Halbzeit der Bayern-Rundfahrt gewettert, „sie fahren mehr gegen uns als das Rennen selbst zu bestimmen.“

Nach getaner Arbeit gab sich Gerdemann jedenfalls aufgeräumt: „Ich bin überglücklich, eine so wichtige Rundfahrt gewonnen zu haben“, schwärmte der Mann, in dem viele den großen Hoffnungsträger für den kränkelnden deutschen Radsport sehen. Und Gerdemann, der die Grundlage für seinen Gesamtsieg mit einer couragierten Flucht auf der Königsetappe am Donnerstag nach Ruhpolding gelegt hatte, richtete den Blick schon wieder nach vorne. Auf das ganz große Ziel, das sich der Münsteraner für diesen Sommer auf den Plan gesetzt hat.

Die Tour de France nämlich, wo er nachholen will, was ihm im vergangenen Jahr wegen eines Beinbruchs verwehrt geblieben ist. „Die Vorbereitung auf die Tour läuft absolut planmäßig“, freute sich Gerdemann. Auch der, nach einem mäßigen Frühjahr des Milram-Teams in die Kritik geratene Teamchef Gerry van Gerwen schnaufte hörbar durch. „Der Sieg war wichtig für uns“, betonte er, „wir sind auf einem guten Weg“.

Patrick Reichelt

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