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Schöne, süffisante Grüße nach Osnabrück

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Die Aktion "Treu und blau" war ein voller Erfolg. Der TSV 1860 darf mit 35 000 Fans in der Allianz Arena rechnen.
Die Aktion "Treu und blau" war ein voller Erfolg. Der TSV 1860 darf mit 35 000 Fans in der Allianz Arena rechnen. © Marcus Schlaf

München – Dank einer Freikarten-Aktion rechnet der TSV 1860 am Sonntag mit 35 000 Besuchern

Vorworte in Stadionzeitungen sind selten ein ergiebiger Lesestoff. Meist beschränkt sich der Verfasser darauf, die Gäste auf das Allerherzlichste zu begrüßen und in vagen Worten die sportliche Lage zu kommentieren. Wer beim TSV 1860 je ein Editorial von Stefan Reuter oder Alfred Lehner gelesen hat, der weiß, dass nach den ersten Seiten publizistisch noch viel Luft nach oben ist.

Für das Spiel am Sonntag gegen den VfL Osnabrück hat Manfred Stoffers das Vorwort geschrieben, ein versierter Rhetoriker. Anders als mancher Vorgänger hat er offensichtlich nicht die Hilfe eines Ghostwriters in Anspruch genommen. Der Geschäftsführer berichtet von seiner Zeit als Lehrbeauftragter an einer Osnabrücker Hochschule, als er die Stadt schätzen gelernt habe. Er wisse, wo man gut essen und trinken könne. „Aber ob man in Osnabrück ebenso gut Fußball spielen kann wie in München, wage ich hoffend zu bezweifeln.“ In diesem Ton geht es weiter. Stoffers wünscht dem VfL einen schönen Nachmittag und eine gute Heimreise – „als ehrenvolle Verlierer“.

So trist kann die Lage bei 1860 gar nicht sein, dass man einen Gast nicht mit Süffisanz überzieht. Das eigentliche Anliegen des Geschäftsführers aber ist eine Aktion, die dem Mittelmaß-Gipfel 1860 – Osnabrück eine imposante Kulisse beschert. „Treu & Blau“ lautet das Motto, demzufolge jeder Dauerkartenbesitzer für Sonntag zwei Freitickets erhält. Auf diese Weise werden 35 000 Besucher erwartet, allein 12 000 von ihnen nutzen den freien Eintritt, mit dem sich die Löwen für die Treue „trotz vieler Enttäuschungen in vielen Bereichen“ (Stoffers) bedanken.

Langweilig wird es aber auch im Niemandsland der Tabelle nicht. Allein schon, weil die Gäste nichts dagegen hätten, die Löwen aus dem Niemandsland zu sich nach unten zu holen. Im „Kicker“ kündigte VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz an, man wolle „1860 mit in den Abstiegskampf ziehen“. Bei einem Punktestand von 33 ist das Risiko zwar überschaubar, aber wer mag beim TSV schon eine Garantie abgeben, dass nichts mehr schief geht?

Uwe Wolf klang für seine Verhältnisse zurückhaltend, als er am Freitag auf Wollitz’ Worte angesprochen. Der Löwen-Trainer hofft lediglich, „dass meine Spieler gute Profis sind, das Fachblatt lesen und eine Reaktion zeigen“. Weitere Reize zu setzen, verkniff er sich. Schließlich hat er gerade erst gelobt, sein Temperament zu zügeln. Noch immer hofft er ja, die Vorgesetzten von seiner Eignung zum Chef überzeugen zu können. Auch Wollitz kam deshalb ungeschoren davon. „Ich schätze ihn. Ob er mich schätzt, weiß ich nicht.“ Sicherheitshalber übermittelte Wolf sogar dem Schiedsrichter schöne Grüße, mit dessen Kollegen er in den letzten Wochen nicht so gute Erfahrungen gemacht hat. Über Marco Fritz aus Korb hat Uwe Wolf eine dezidierte Meinung, die er auf keinen Fall verheimlichen will: „Guter Mann. Guter Mann.“

Personell muss Wolf gegenüber dem Fürth-Spiel umbauen. Der genesene Sven Bender ersetzt den verletzten Lars Bender, Nicolas Ledgerwood den gelb-gesperrten Rechtsverteidiger Antonio Rukavina. Fabian Johnson soll dagegen wieder dabei sein, obwohl die erste Diagnose nach seiner Blessur vergangene Woche „Muskelfaserriss“ lautet. Zum Vergleich: Osnabrücks René Trehkopf laboriert an seinem Muskelfaserriss schon fast drei Monate.

von Marc Beyer

TSV 1860 München – VfL Osnabrück

Anstoß: Sonntag, 14 Uhr.

TSV 1860: Hofmann – Ledgerwood, Thorandt, Hoffmann, Schick – Sven Bender – Aigner, Johnson – Rösler – Lauth, Schäffler.

Osnabrück: Berbig – Thomik, Cichon, Engel, Schäfer – Surmann, Peitz, Frommer, de Wit – Braun, Reichenberger.

Schiedsrichter: Fritz (Korb).

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