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Stoffers: Die Krise als Chance

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Manfred Stoffers.
Manfred Stoffers. © dpa

München - Löwen-Boss Manfred Stoffers glaubt auch in der sportlichen Krise seines Vereins an den stabilen Wert der Marke „1860".

Die schwarze Hornbrille verdeckt natürlich einiges, aber der genaue Blick dahinter könnte sich in den nächsten Tagen lohnen: Wenn man Löwen-Boss Manfred Stoffers richtig verstanden hat, besteht eine direkte Verbindung zwischen seinem Mienenspiel und dem Nachrichtenfluss aus der DFL-Zentrale in Frankfurt. Stoffers setzt zu erklärenden Gesten mit Daumen und Zeigefinger an. Mundwinkel hoch bedeutet: Lizenz da. Der gewöhnliche Geschäftsführerblick: weiter warten. Gestern gab Stoffers den Journalisten noch mal Nachhilfe: „Wie Sie an meinem Gesicht sehen, ist die Lizenz noch nicht da ist.“

Beunruhigt ist Stoffers aber nicht. Zumindest tut er so. Er ist ja nicht nur ein passabler Mime, sondern vor allem ein exzellenter Rhetoriker, und diese Künste erlauben es ihm, jede bange Phase ein wenig zu entkrampfen – gerne auch durch ein paar eingestreute Witzchen oder geschicktes Ablenken vom Thema. Das lange Warten auf die Lizenz erklärt sich Stoffers damit, dass es bei der DFL „erhöhten Prüfungsaufwand“ gibt, „eine Folge der allgemeinen Wirtschaftskrise“. Und was die sportliche Krise speziell seiner Mannschaft betrifft – auch da macht sich Stoffers nur bedingt Sorgen. „Bei den Löwen verhält es sich wie bei den Christen-Menschen“, sagt er, „beide leben von der Hoffnung.“ Er zum Beispiel hofft, dass das 2:3 in Koblenz nur „ein kollektiver Blackout“ war – und nicht, wie geschrieben wurde, ein sportlicher Offenbarungseid.

Der Löwen-Boss hatte aber nicht nur blumige Parolen parat, sondern auch konkrete Positivnachrichten. Zumindest die Suche nach einem Nachfolger für Hauptgeldgeber Trenkwalder (1,5 Millionen Euro pro Jahr) verläuft seiner Darstellung nach viel versprechend. „Wir sind mit drei potenziellen Sponsoren im Gespräch“, sagt Stoffers. „Ich bin optimistisch, dass wir in nächster Zeit Vollzug melden können.“ Die Befürchtung, dass die Löwen-Brust künftig weniger Geld einbringen könnte, teilt der Marketingexperte nicht. „Es gibt keine Veranlassung für eine Verschlechterung“, sagt er. „Die Wirtschaftskrise ist da, aber der Wert der Löwen hat sich nicht vermindert.“ Erstaunlich, was Stoffers so alles mit der Wirtschaftskrise in Zusammenhang bringt. Fast klingt es, als seien die Löwen froh, dass es noch eine andere Krise gibt als die ihrige. Zu guter Letzt äußerte sich auch Miroslav Stevic zum Thema. „Wir werden von der Wirtschaftskrise profitieren“, prognostizierte der Sportchef. „Im Sommer werden viele arbeitslose Spieler auf dem Markt sein, darunter viele mit guter Qualität.“ Die Krise als Chance? Wie sagte Stoffers: Christen und Löwen leben von der Hoffnung.

Von Uli Kellner

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