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Schweigen bis zum 20. April

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Stevic, Wolf, TSV 1860
Wie sag ich’s meinem Trainer? Vieles deutet darauf hin, dass Stevic mittelfristig nicht mit Wolf plant. © sampics

München - Auch das Trommeln des Häuptlings ist zuletzt schwächer geworden. Passend zu den Leistungen seiner Mannschaft.

Hatte Uwe Wolf nach seinem persönlichen Aufstieg nahezu täglich auf seine Cheftrainer-Tauglichkeit hingewiesen und seine Dienste in Marktschreier-Manier angepriesen („Ich bin der Beste für 1860“), beließ es der Interimscoach zuletzt bei sporadischen und deutlich leiseren Hinweisen. Nach den ersten Misserfolgen hatte er sich vorgenommen, es Sportchef Miroslav Stevic gleichzutun und das Thema gar nicht mehr zu kommentieren. Doch dazu ist Wolf zu auskunftsfreudig. Seine letzte Äußerung, er passe „wie die Faust aufs Auge zu 1860“, war dann prompt etwas missverständlich. Faust aufs Auge? Der Boxer würde sagen: Da gehört sie hin. Alle anderen würden eher sagen: Aua!

Die Löwen-Trainer der letzten Jahre

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So nervig das Thema ist, wie es mit Wolf weitergeht, es wird die Löwen noch eine Weile begleiten. Mindestens bis zum 20. April, wie Stevic gestern bestätigte. Der 20. April, ein Montag, ist der Tag an dem Wolfs Mannschaft frühestens die vom Sportchef geforderten 40 Punkte erreichen kann – einen Sieg am Sonntag in Koblenz ebenso vorausgesetzt wie einen im Heimspiel gegen Lautern acht Tage später. Stevic sagt: „Ich werde vorher nicht öffentlich über Namen sprechen. Aber das bedeutet nicht, dass ich meinen Job vernachlässige.“ Sein Standpunkt: „Zu allererst geht es ums große Ganze, dann um Einzelschicksale. Wie in einer Familie.“ Stevic will die Gewissheit haben, dass seine weißblaue Familie zweitklassig bleibt, ehe er sich zur Trainerfrage und den elf auslaufenden Spielerverträgen äußert. Ganz nebenbei will er vielleicht auch ein bisschen Zeit gewinnen.

Es ist eine simple Logik, die der Rätselliebhaber Wolf vermutlich längst durchschaut hat. Würde Stevic mit ihm planen, spräche alles dafür, es jetzt publik zu machen und gemeinsam ein Zukunftsteam zu formen. Plant er jedoch nicht mit Wolf, wovon auszugehen ist, ist es vielleicht tatsächlich das kleinere Übel, den Trainer im Ungewissen zu lassen. Für die Motivation der Mannschaft wäre ein der Perspektive beraubter Coach womöglich wenig förderlich. Schließlich sind noch acht Partien zu spielen.

Ins Bild passt eine Szene vom Montag. Während Stevic oben die Stammspieler um sich scharte, scheuchte Wolf unten die Reservisten über den Rasen. Stevic gibt es offen zu: Er ist „angefressen“ wegen der miserablen ersten Halbzeit gegen Osnabrück – und vermutlich wollte er ganz einfach mal in die Mannschaft hineinhorchen. Ansonsten sind Sitzungen zu sportlichen Themen, bei denen der Cheftrainer ausgeschlossen ist, eher unüblich.

Die Frage ist auch: Hat Stevic bereits einen Mann im Hintergrund? Die „tz“ wärmte die Spekulation auf, dass Uwe Rapolder ein denkbarer Kandidat sei („Spielt Wolf am Sonntag gegen seinen Nachfolger?“), ansonsten sind es die üblichen Namen, die gehandelt werden: Toppmöller, Doll, Lienen und wie sie alle heißen. Intern ist zu hören, dass der serbische Sportchef eine deutsche Trainerlösung bevorzugen würde. Allerdings: Große Hausnummern (Slomka, Veh) scheiden genauso aus wie Bewerber mit Bayern-Vergangenheit (Fink, Schupp – Augenthaler und Matthäus sowieso). Das eine verbietet der Kontostand, das andere ein Stevic-Statut. Irgendwo ist zuletzt der Name Manni Bender gefallen. Der hat zwar auch mal für Bayern gespielt, war aber danach bei 1860. Für ihn spräche: Er ist vertragslos, bezahlbar, natürlich autoritär – und er kennt Stevic aus zwei gemeinsamen Löwen-Jahren (1996-98).

Vorläufig hat aber Uwe Wolf noch das Sagen. Für das Koblenz-Spiel plant der Noch-Trainer umfassende Umbauten: Johnson soll zentral offensiv spielen, vor zwei Sechsern (Sven Bender, Danny Schwarz) und hinter Benjamin Lauth als einziger Spitze. Ob es ihm hilft, wenn er gewinnt? Es wäre jedenfalls mal wieder ein Anlass, etwas lauter zu trommeln.

Uli Kellner

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