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Wolf drückt aufs Tempo

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Der 1860-Coach fordert am Sonntag einen Sieg.
Der 1860-Coach fordert am Sonntag einen Sieg. © dpa.

1860-Coach fordert Sieg am Sonntag – und danach sofortige Vertragsgespräche

München – Natürlich hat auch Uwe Wolf am Mittwochabend ferngesehen. Der 1860-Coach hatte große Freude an der Champions-League-Partie des FC Bayern in Barcelona – aber nicht etwa, weil der Lokalrivale sang- und klanglos untergegangen ist, sondern weil Messi und Co. exakt das „zelebrierten“ (Wolf), was die etwas weniger begabten Löwen-Profis nachmittags geübt hatten: „Ballbesitz und Flachpässe.“ Wolf sprach von einem „Lehrfilm“ für den modernen Entwurf eines Fußballspiels.

In den hämischen Chor vieler Löwen-Fans wollte der Coach nicht einstimmen. Ganz im Gegenteil. Er empfindet sogar Mitleid für seinen massiv in die Kritik geratenen Trainerkollegen. Dass Jürgen Klinsmann nun „überall durch den Kakao gezogen“ werde, verstößt gegen Wolfs Solidaritätsgefühl: „Wir Trainer werden immer angehalten, respektvoll mit allen umzugehen. Dann kann man auch einen respektvollen Umgang mit uns erwarten.“

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Das war sein Thema am Karfreitag, zwei Tage vor dem Spiel in Koblenz: Respekt und Fairness. Irgendwann ging es dann auch nicht mehr um Klinsmanns Zukunft bei Bayern, sondern um seine eigene Zukunft bei 1860. Angesprochen auf die Ungewissheit, die Verlängerung seines Cheftrainer-Engagements betreffend, rief Wolf in den Medienraum hinein: „Man sollte fair mit uns umgehen.“ Uns? Damit meinte Wolf „meine Person und die Spieler, deren Verträge auslaufen“. Die Person, die er mit man umschrieb, war unschwer zu erraten: Miroslav Stevic. Sein Vorgesetzter, der ihn seit Wochen im Ungewissen lässt – obwohl sich die Informationen verdichten, dass bereits eine Entscheidung gegen den Übergangscoach gefallen ist.

Während der Sportchef auf Zeit spielt, drückt Wolf nun aufs Tempo.

Koblenz - TSV 1860

Anstoß: Ostersonntag, 14 Uhr.

Koblenz: Yelldell – D.-R. Cha, Mavric, Bajic, Lomic – Krontiris, Hartmann, Sukalo, Stieber – Taylor, Kuqi.

TSV 1860: Hofmann – Rukavina, Hoffmann, Thorandt, Schick – D. Schwarz, S. Bender – Aigner, Johnson, Holebas – Lauth.

Schiedsr.: Thielert (Buchholz).

Unter der Woche hatte Stevic erneut erklärt, dass er die Trainerfrage erst dann klären wolle, wenn die 40-Punkte-Marke erreicht ist – also jener Erfahrungswert, mit dem ein Team gemeinhin als nicht mehr abstiegsgefährdet gilt. Wolf jedoch bewertet die tabellarische Lage anders: „Mit drei Punkten am Sonntag ist der Sack zu“, sagt er mit Blick auf den Sicherheitsabstand zum Relegationsplatz und nur noch zwei direkte Absteiger. „Wir haben jetzt 34 Punkte. Und wenn du 37 hast, bist du gesichert.“ Dann, so Wolfs Rechnung, könnten am Ostermontag die Vertragsgespräche beginnen. Stevic indes denkt als frühesten Termin an den 20. April, den Tag des Lautern-Heimspiels.

Unglücklicherweise sind vor dem für Wolf so wichtigen Spiel etliche Leistungsträger angeschlagen. Acht Spieler zählt der Coach auf, darunter Daniel Bierofka, Lars Bender (fallen aus) und Stefan Aigner (fraglich wegen einer Grippe). Dass in Koblenz ausgerechnet ein Mann auf der Trainerbank sitzt, der Wolf beerben könnte, gibt dem Spiel eine pikante Note. Zu Uwe Rapolder fällt Wolf nicht sonderlich viel ein: „Ich weiß nur, dass er gerne mal ein Gläschen Wein trinkt.“ Ein Urteil, dass nicht von allzu großer Wertschätzung zeugt, aber wenn’s um den eigenen Job geht, hat die Trainersolidarität ein Ende.

Uli Kellner

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