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Zahnlose Löwen - nur ein Punkt gegen Osnabrück

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Doch noch der Ausgleich: Benny Lauth feiert seinen 11. Saison-Treffer, Fabian Johnson (l) und Jose Holebas (r) freuen sich mit ihm.
Doch noch der Ausgleich: Benny Lauth feiert seinen 11. Saison-Treffer, Fabian Johnson (l) und Jose Holebas (r) freuen sich mit ihm. © dpa

München – Vor mehr als 35 000 Zuschauern enttäuscht der TSV 1860 und muss sich mit einem 1:1 gegen Osnabrück begnügen

Es dauerte genau eine Stunde, bis der Anhang des TSV 1860 gestern Nachmittag etwas zu beklatschen hatte. Um kurz nach drei, die zweite Hälfte der Partie gegen den VfL Osnabrück hatte gerade begonnen, gab der Stadionsprecher die Auswechslung Sascha Röslers bekannt. Prasselnder Applaus brandete auf. Eine Halbzeit lang war Röslers Einfluss auf das Offensivspiel, das er als zentraler Mittelfeldmann hätte ordnen und beleben sollen, nicht messbar gewesen. Erst nach einem umfassenden Umbau der Kreativabteilung fanden die Gastgeber ins Spiel, doch zu mehr als einem glanzlosen 1:1 reichte es nicht mehr.

Die Aufbruchstimmung, die sich nach dem Trainertausch Kurz/Wolf zwischenzeitlich ausgebreitet hatte, wird damit auf eine ernsthafte Probe gestellt. Nach vielversprechendem Start hat die Mannschaft unter Uwe Wolf aus den letzten drei Spielen nur noch zwei Punkte geholt, die Tendenz ist fallend. Aber natürlich sieht der neue Trainer das ganz anders. Seine Interpretation der Statistik lautet: „Wir haben mit mir noch kein Heimspiel verloren.“

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Das gegen Osnabrück war als große PR-Aktion gedacht, um Dauerkartenbesitzer für ihre Leidensfähigkeit in den vergangenen Monaten zu versöhnen. 12 000 Freikarten wurden ausgegeben, 35 800 Gäste waren insgesamt da, doch der Werbeeffekt verpuffte weitgehend. Das Auftreten vor der Pause war beinahe geschäftsschädigend, selbst Wolf bezeichnete es als „desolat“. Man habe „brutal schlecht angefangen“, gestand auch Rechtsaußen Stefan Aigner, war immerhin aber ehrlich und selbstkritisch genug, um hinzuzufügen: „Gerade ich.“

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Da konnte Trainer Wolf schreien so viel er will - mehr als ein Punkt war am Sonntag nicht drin. © dpa

Während es den Löwen an Zweikampf- und Laufstärke ebenso mangelte wie an Ordnung und Spielwitz, traten die Gäste so auf, wie Klubs im Abstiegskampf eben auftreten. Daran war nichts Überraschendes, umso mehr verblüffte Aigner mit dem Bekenntnis, man habe „nicht damit gerechnet, dass die anderen sofort so draufgehen“. Nach einer Viertelstunde entblößte Braun mit einem einzigen Steilpass die gesamte 1860-Abwehr. Er schickte Heidrich auf die Reise, der Hofmann per Flachschuss keine Chance ließ.

Er habe in der Kabine „Tacheles geredet“, berichtete Wolf, und tatsächlich hatte der Auftritt der Löwen nach der Pause wesentlich mehr Biss und Struktur. Holebas, der für Rösler gekommen war, sorgte auf der linken Seite für Impulse, Johnson rückte in die Mitte. Der U 21-Nationalspieler spielte schon auf vielen Positionen, ob rechts oder links, vorne oder hinten, doch als Kandidat fürs Zentrum war er noch nicht in Erscheinung getreten. Bis gestern Nachmittag.

Johnson war prompt am Ausgleich beteiligt. Sein Zuspiel erreichte Benjamin Lauth, der im Fallen zum 1:1 traf (57.). In dieser Phase erspielten sich die Löwen ein Übergewicht und hätten nach gut einer Stunde durchaus führen können. Wie so oft in den vergangenen Spielen boten sich dem aufgerückten Innenverteidiger Thorandt zwei Kopfballchancen (48., 62.), doch auch diesmal blieb der Erfolg aus. So waren die Löwen am Ende mit dem einen Punkt gut bedient, weil VfL-Torschütze Heidrich seinerseits per Kopfball nur die Latte traf (79.).

Die Vorstellung der zweiten Halbzeit sei „schon wieder okay“ gewesen, fand Torschütze Lauth. Man ist bescheiden geworden bei 1860. Viel mehr als das möglichst zügige Erreichen der 40-Punkte-Marke bleibt für den Rest der Saison nicht mehr. Selbst Wolf, der in den letzten Wochen permanent für sich getrommelt hat, verweigert beim Thema „Langfristige Beförderung“ mittlerweile die Aussage. „Das werde ich jetzt nicht mehr kommentieren.“

Nach einem Spiel wie gestern hat man als Trainer auch eine schlechte Position zum Argumentieren. Ob so schnell noch mal 35 000 zu den Löwen kommen? Vielleicht, sagt Stefan Aigner, „wenn es wieder Freikarten gibt“.

von Marc Beyer

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