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Müder Lauth setzt auf belebende Wiesn

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Ausgelaugt: Lauth fühlt sich entkräftet. © sampics

München - Aigner gesperrt, Kapitän platt – jetzt hoffen die kriselnden Löwen auf Bierzelt-Schwung und den Ex-Paulianer Ludwig.

Die Spieler waren längst über alle Berge, entschwunden in eineinhalb freie Tage zur Frustbewältigung nach dem 0:0 gegen Paderborn (inkl. Wiesnbesuch), da saß Ewald Lienen noch immer auf dem Rasen des hintersten Trainingsplatzes und tauschte sich mit Ilhan Mansiz aus. Um einen Vertrag für den 34 Jahre alten Gaststürmer sei es nicht gegangen, betonten die beiden (Gespräche sollen aber in Kürze folgen), vermutlich analysierte der westfälisch-türkische Ältestenrat die Lage der kriselnden Löwen: Welcher Weg führt aus der spielerischen Misere? Wie kommt wieder Schwung in die Mannschaft? Mansiz, der bei einer WM gespielt hat und auch sonst viel erlebt hat, kann da bestimmt ein guter Ratgeber sein.

Die Lage ist ja schon wieder ziemlich frustrierend. Sieben Punkte beträgt der Abstand auf den Relegationsplatz, satte neun auf das Führungsduo mit Marco Kurz (dem Trainer des FCK) und Union Berlin – und das nach nur sieben Saisonspielen. Hoffnung? Lösungen? Ratschläge? Gibt es kaum, wenn man sich bei der Mannschaft umhört. „Schwierig“ sei die tabellarische Konstellation, meinte der entkräftete Benny Lauth („Ich hab seit meiner Rückkehr fast 50 Spiele am Stück gemacht“), man dürfe den Anschluss nicht verlieren, „aber genau das passiert uns gerade“.

Gabor Kiraly, der erfahrene Torhüter, sehnt sich nach einer Initialzündung. „Wäre der Lattenschuss ins Tor gegangen“, haderte er mit Peniel Mlapas Seitfallzieher in der Nachspielzeit, „dann hätte uns das Schwung geben können.“ So aber müsse man sich mühsam empor arbeiten und zunächst mal Platz sechs anpeilen: „Das ist besser als Platz 14 oder 15, dann wäre die Distanz nicht mehr so groß.“ Der Ungar sagt: „Wir brauchen einen Schubser“ – um über die Schwelle zu den besseren Tabellenregionen zu gelangen.

Schubser der Marke Stefan Aigner sind bei diesem Vorhaben eher hinderlich, und natürlich war die Rote Karte gegen den blonden Einwechselspieler gestern noch mal ein Thema. Aigner, der mit zwei Spielen Sperre rechnet, entschuldigte sich in aller Form für seine „dumme Aktion“, gab aber auch zu bedenken: „Wenn ich nicht zum Torhüter hingerannt wäre, wäre der Ball wahrscheinlich heute noch im Sechzehner.“ Argumente, über die sein Trainer nicht mal schmunzeln kann.

Für Lienen war es „eine Rote Karte mit Ansage“, denn unbeherrschte Aktionen würde Aigner auch im Training regelmäßig zeigen. „Er hat seine Emotionen nicht im Griff, und ich habe kein Verständnis dafür, wenn er quer über den Platz läuft, um dann übermotiviert den gegnerischen Torhüter abzustrafen.“ Merke: „Temperament und blinde Aggressivität sind zwei paar Stiefel.“ Daher werde es auch bei einer Geldstrafe für den Sünder bleiben.

Stellt sich die Frage: Wie will der Trainer das zuletzt lahmende Aufbauspiel beleben, wenn der Reihe nach Spieler wegbrechen? Erst Chefantreiber Daniel Bierofka , den Lauth schmerzlich vermisst („Man darf ihn nicht vergessen“). Dann der nach Leverkusen abgewanderte Lars Bender. Schließlich Kreuzbandpatient Florin Lovin, der gestern auf Krücken daher gehumpelt kam. Jetzt Rotsünder Aigner. Für Lienen steht fest: „Wir müssen Lösungen finden, vor allem im Mittelfeld . Denn es kann ja nicht sein, dass wir die Bälle nur lang nach vorne schlagen und hoffen, dass die Stürmer was draus machen.“ Vor allem nicht in der momentanen Verfassung von Lauth.

Sportchef Miroslav Stevic äußerte gestern Vertrauen in den von ihm zusammengestellten Kader („Unsere Spieler sind besser als die Mannschaft“). Doch Kapitän Lauth sieht den Kader „in der Breite“ limitiert. Und Lienen tut sich schwer damit, die letzten Aufrechten sinnvoll zusammenzufügen. Talente rein, Talente wieder raus, Beda rein, Beda wieder raus („Er organisiert, sorgt für Kompaktheit, aber das Gesamtpaket gefällt mir nicht“). Beim wegweisenden Spiel in St. Pauli am Sonntag sollen es nun offenbar zwei zuletzt Verschmähte richten: Alexander Ludwig und Sascha Rösler . Der Trainer sagt fast schon flehentlich an die Adresse des früheren St. Paulianers: „Er muss uns helfen, völlig egal auf welcher Position. Hauptsache, er zeigt sich.“ Denkbar ist ein Jobsharing mit Tarik Camdal , den Lienen unter gar keinen Umständen fallen lassen will: „Die jungen Burschen haben ihre Sache gut gemacht. Wir werden weiter auf sie setzen.“

Vielleicht tut den Löwen ja ihr heutiger Wiesnbesuch gut, selbst Lienen glaubt, dass „eine gewisse Lockerheit nicht schaden kann“. Kapitän Lauth freut sich auf die Sponsoreinladung ins Hackerzelt: „Es ist immer nett, wenn alle Jungs mit ihrem Anhang zusammen kommen.“ Selbst eine Maß müsse drin sein: „Ein Schluck Bier wird uns bestimmt nicht daran hindern, dass wir am Sonntag gut spielen.“ Eher schon die aktuelle Form, aber da ist ja noch die Erinnerung an letztes Jahr, als einem Bierzeltbesuch der sog. „Goldene Oktober“ mit vier Siegen folgte. „So eine Serie“, meint Lauth, „würde uns jetzt auch gut tun.“ Wohl wahr.

Uli Kellner

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