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Nach Ismaik-Schelte: Wer ist schuld am Löwen-Schlamassel?

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Von: Ludwig Krammer

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Investor Hasan Ismaik ist merkbar unzufrieden mit der Arbeit seines Trainers.
Investor Hasan Ismaik ist merkbar unzufrieden mit der Arbeit seines Trainers. © sampics / Stefan Matzke

Schon wieder stecken die Löwen einen Spieltag vor Schluss im Abstiegsstrudel. Investor Ismaik brodelt. Doch wer trägt die Schuld? Ein Überblick.

München - „Man kann verlieren, aber nicht so: Ich erwarte von der Mannschaft, aber auch vom Trainerteam im letzten Spiel in Heidenheim eine Trotzreaktion, damit hinterher alle sagen können: Auch wenn es bis zum letzten Spieltag gedauert hat, aber diese 1860-Mannschaft hat Charakter, Herz und auch Qualität. Wer will in seiner Vita schon gerne einen Abstieg stehen haben? Keiner!“

Dieses Statement hat 1860-Investor Hasan Ismaik am Mittwochabend von seiner PR-Agentur bei Facebook verbreiten lassen. Interessant: Der Finanzier gibt nicht nur der Mannschaft die Schuld an der prekären Lage. Erstmals zählt er öffentlich auch seinen Wunschtrainer Vitor Pereira an. Der frisch vom DFB verwarnte Portugiese soll nun also ebenfalls eine „Trotzreaktion“ zeigen, wie auch immer sich das Ismaik vorstellt. Von seinen „Followern“ erntete der 1860-Boss jedenfalls nicht nur wohlmeinende Kommentare.

Und wer trägt jetzt die Schuld am Schlamassel? Pereira? Die Mannschaft? Oder doch eher diejenigen, die dieses eiernde Konstrukt zusammengenagelt (bzw. nicht verhindert) haben? Die tz wagt einen Überblick.

Der Investor: Gefrustet von fünf Jahren voller Streit und Erfolglosigkeit übernahm Hasan Ismaik in dieser Saison die komplette Macht bei 1860. Nach der arbeitsgerichtlich noch nicht geklärten Beurlaubung von Trainer Kosta Runjaic und Sportchef Thomas Eichin kamen mit Anthony Power und Vitor Pereira zwei Akteure ans Ruder, die Ismaik komplett für sich reklamierte. Der Expertise seines Londoner Lieblingsberaters Kia Joorabchian verdanken die Löwen zudem Mittelfeldspieler Frank Boya und Stürmer Lucas Ribamar (Vertrag bis 2021).

Der Präsident: „Die Zukunft ist rosiger als je zuvor“, verkündete Peter Cassalette im Trainingslager in Portugal. Vier Monate später ist sich der e.V.-Vorstand da nicht mehr so sicher. Auf seine Verantwortung angesprochen, sagte Cassalette zu Wochenbeginn: „Ich habe ja die für unseren Profifußball relevanten Entscheidungen nicht getroffen. Diesen Schuh will ich mir nicht anziehen.“ Der Konfliktvermeidung mit Ismaik wird seit Cassalettes Wahl an der Grünwalder Straße alles untergeordnet. Das Geld trifft die Entscheidungen – ob mit oder ohne Plan. Wem immer noch nicht klar war, dass „50+1“ bei 1860 abgeschafft ist, der weiß es spätestens jetzt.

Die Geschäftsführer/Sportchefs/Trainer: Ian Ayre und Daniel Bierofka mal ausgenommen, hat jeder sportlich Verantwortliche der letzten Jahre sein Scherflein zum Niedergang beigetragen. Zum Abstiegskandidaten wurden die Löwen unter Geschäftsführer Gerhard Poschner, den Ismaik lange stützte. Die aktuelle Mannschaft ist nur das Spiegelbild der Verfehlungen. Trotzreaktion? Wunschdenken.

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