"Ich habe einfach diese Qualität“: Siegtorschütze Michael Liendl, gefeiert von Vorlagengeber Daylon Claasen.
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"Ich habe einfach diese Qualität“: Siegtorschütze Michael Liendl, gefeiert von Vorlagengeber Daylon Claasen.

Besuch bei „Löwenfreunden Zenting“

Liendl: Bekenntnis bei Marillenschnaps

  • Uli Kellner
    VonUli Kellner
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München – Toptorschütze Liendl würde gerne verlängern, doch keiner der 1860-Bosse spricht mit ihm

Viele gute und noch mehr schlechte Zeiten haben die „Löwenfreunde Zenting“ in den 42 Jahren ihres Bestehens erlebt. Gründer des Fanclubs ist Reinhold Lang, 61, damals 20, heute Frührentner. Seit 1993 hat der engagierte Lang nur drei Heimspiele verpasst, und natürlich war der Niederbayer auch am Freitag in der Arena, als es einen der seltenen Jahresauftaktsiege zu feiern gab: 2:1 (1:1) gegen Greuther Fürth – in Überzahl und mit eher glücklichem Spielverlauf: Rückstand, Elfmetergeschenk, schließlich der späte Siegtreffer durch Michael Liendl, der tags drauf Ehrengast bei den 150 Zentinger Löwenfreunden war. Ein Hauptgewinn für Lang, der den Spielmacher schon immer gut findet: „Speziell ich bin ein Fan vom Liendl. Er ist einer der wenigen bei uns, der richtig Fußball spielen kann.“

Richtig leutselig sein kann der gebürtige Grazer offenbar auch. Standing Ovations zum 60er-Marsch, Fragerunde, Autogramme, Fotos – Liendl machte das volle Feierprogramm mit. Lächelnd nahm er sogar den Marillenschnaps entgegen, der ihm feierlich überreicht wurde. Vize Hans Sitzberger und Außenbahnspieler Filip Stojkovic gehörten zwar auch zur offiziellen Abordnung des TSV 1860, doch der Star der Zentinger war Liendl, und als der Steirer nach drei Stunden Servus sagte, hatte Lang tiefe Einblicke gewonnen. „Eam gfoit’s bei 1860“, gab er sein Insiderwissen zu Liendl preis. „Er wäre auch jederzeit bereit, seinen Vertrag bei uns zu verlängern, doch er sagt, dass bisher keiner vom Verein auf ihn zugekommen ist.“

Das deckt dich mit dem, was Liendl am Vorabend gegenüber Reportern kundgetan hatte, beim Rückrundenstart, den der Spielmacher bis zur 58. Minute als Zuschauer erlebt hatte. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich beim Trainer in der Hierarchie stehe“, sagte der Joker wider Willen und konterte mit selbstbewussten Tönen den Umstand, auch beim fünften 1860-Trainer seit seinem Wechsel aus Düsseldorf (August 2015) ein Wackelkandidat zu sein. „Ich habe den Anspruch in der Mannschaft zu spielen, weil ich die Qualität einfach habe“, sagte Liendl, der sich auf sein siebtes Saisontor als Argumentationshilfe stützen konnte: „Das weiß ich, und das wissen, glaube ich, viele andere auch.“

Dass es auch die wechselnden Entscheider im Verein wissen, würde aber nicht mal Liendl behaupten. „Das ist mein Ding bei 1860, dass es immer auf und ab geht. Und es ist die letzten Jahre immer wieder Neues passiert, damit muss man umgehen können.“ Liendls Problem ist, dass die Bosse auch jetzt wieder Neues im Sinn haben, wie die Großoffensive auf dem Transfermarkt belegt. Vier internationale Zugänge sind bereits fix, mit dem Kameruner Frank Boya, 20, ist jetzt auch ein Mann fürs zentrale Mittelfeld im Gespräch (Quelle: Corriere dello Sport). Das wäre ein weiterer direkter Konkurrent für Liendl, der dafür teaminterne Fürsprecher auf seiner Seite weiß. Stefan Aigner zeigte sich jedenfalls angetan, wie der 31-Jährige bei seinem Siegtor Nervenstärke mit Technik paarte. „Das macht er natürlich überragend“, schwärmte der Kapitän: „Mit dieser Ruhe und der Innenseite macht das nicht jeder.“ Für Aigner steht fest: „Er ist ein ganz wichtiger Spieler.“

So sieht das auch Reinhold Lang, Liendls Unterstützer aus dem 800-Seelen-Dorf Zenting. Einen Abschied des Spielmachers noch in diesem Winter schließt der Liendl-Kenner aus: „Ich bin total überzeugt, dass er bis Sommer bei uns bleibt.“ Und danach? Den Weg, den der Verein mit Hasan Ismaiks Millionen eingeschlagen hat, finden die Zentinger grundsätzlich richtig. „Wir sind überwiegend positiv eingestellt“, sagt Lang: „Ein paar Abweichler gibt’s natürlich immer, aber ich sag: Es kann ja nicht mehr viel schlechter werden.“

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