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Das nächste Talent auf dem Sprung

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Taschen packen für Bayer? Noch ist es nicht so weit, doch ein Abschied von U 19-Europameister Lars Bender rückt zumindest näher.
Taschen packen für Bayer? Noch ist es nicht so weit, doch ein Abschied von U 19-Europameister Lars Bender rückt zumindest näher. © mm

München – Lars Bender soll für 2010 mit Bayer Leverkusen einig sein – die Löwen dementieren

Bis zum Mittag war es ein richtig schöner Tag. Über der Playa de las Americas, wo die Mannschaft des TSV 1860 zurzeit logiert, spannte sich ein fast wolkenloser Himmel, die Luft war angenehm warm und keine Sorge schien die Laune zu trüben. Doch wie das bei den Löwen so ist: In Windeseile kann aus einem Bilderbuchtag eine düstere Kulisse für eine Geschichte von Not und Niedergang werden.

Die Löwen hatten auf Teneriffa gerade ihre erste Trainingseinheit des Tages beendet, als sich eine Meldung von „kicker online“ herumsprach. Demnach wird Lars Bender im Sommer 2010 den Verein verlassen und zu Bayer Leverkusen wechseln. Der Vertrag des U 19-Europameisters läuft bis 2011, beinhaltet aber, wie erst jetzt bekannt geworden ist, eine Ausstiegsklausel. Für zwei Millionen Euro kann Bender (19) ein Jahr vor Vertragsende wechseln.

Es dauerte mehr als anderthalb Stunden, bis die Löwen eine Reaktion zeigten. Die Pressemitteilung trug den Titel „Lars Bender dementiert Einigkeit mit Bayer Leverkusen“, doch für Klarheit sorgte sie nicht. Denn der Umworbene bestätigt darin sowohl das Interesse der Rheinländer als auch Gespräche mit dem Klub. Sein Bekenntnis zu den Löwen („Ich weiß, dass mein Weg in die Bundesliga gehen wird. Aber am liebsten mit dem TSV 1860.“) ist nicht mehr als ein Allgemeinplatz. Das im Titel angekündigte Dementi wird nicht durch ein Bender-Zitat gestützt, sondern erscheint in indirekter Rede.

Auch die Worte Stefan Reuters, die in öffentlichen Meldungen selten sehr konkret formuliert sind, lassen nicht darauf schließen, dass die Geschichte jeglicher Grundlage entbehrt. Es bleibe „weiterhin unser Ziel, die jungen Spieler langfristig zu binden“, ließ der Geschäftsführer wissen und räumte „Begehrlichkeiten aus der Bundesliga“ ein. Dennoch: „Ich gehe davon aus, dass Lars bei uns bleiben wird.“

Das muss kein Widerspruch sein. Auch bei Timo Gebhart zeichnete sich ein Wechsel erst spät ab – dann aber schlagartig. Noch Mitte Dezember betonte Reuter, er gehe „zum jetzigen Zeitpunkt“ davon aus, dass es im Winter keine Verkäufe gebe. Zehn Tage später war Gebhart weg.

In den ersten zwei Wochen des neuen Jahres hatten die Löwen einigen Aufwand betrieben, um die Schwächung zu kompensieren und den Kader in der Breite zu verstärken. Die Verpflichtungen von Sascha Rösler, Stefan Aigner und Marvin Pourie nährten die Hoffnung, für die Rückrunde gut aufgestellt zu sein und ab dem Sommer endgültig das Ziel Bundesliga-Aufstieg angreifen zu können.

Davon redet nun niemand mehr, weil viel zu unklar ist, mit wem man wie lange arbeiten kann. Manfred Schulte, der Berater der Benders, sagt: „Der Wunsch als Berater ist es, dass der Verein aufsteigt, die Spieler noch ein Jahr Bundesliga spielen und dann ablösefrei sind. Aber das kann nicht der Wunsch des Vereins sein.“

In der Vergangenheit hat der Klub mehrfach Wert darauf gelegt, einen Profi schon vor Ablauf seines Vertrages zu verkaufen (Schäfer, Baier). Für Marcel Schäfer kassierte er später, als sich der Verteidiger in Wolfsburg etabliert hatte, noch einen Nachschlag. Eine ähnliche Vereinbarung gibt es nun auch mit dem VfB Stuttgart wegen Gebhart.

Die Aufbruchstimmung, die sich zuletzt bei den Löwen ausbreitete, hat sich jedenfalls jäh verflüchtigt. Lars Bender, der gerade erst von einer Sprunggelenksverletzung (Syndesmosebandriss) genesen ist, darf sich darauf einstellen, in der Rückrunde unter verschärfter Beobachtung zu stehen. Auch der Verein hat offensichtlich Mühe, sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Zwei Stunden, nachdem die Meldung gestern auf den Markt war, war der Aufmacher der Löwen-Homepage immer noch ein Interview mit Stefan Reuter. Überschrift: „Wir wollen uns nach oben orientieren.“

von Marc Beyer

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