Neue Führungsspieler und ein Psychologe

- Alanya - Falko Götz hat das "Kemal Bay Resort" gestern mit einem weinenden Auge verlassen. Er mag die Türkei, seit er für Galatasaray spielte, noch mehr mag er die Sonne, aber auch sonst behält er das elftägige Trainingslager in bester Erinnerung. Würde er wieder mit 1860 nach Alanya kommen? "Spricht nix dagegen", sagt er. "Am Ende war alles gut."

Nach dem Kälteschock zu Beginn absolvierten seine Profis 27 zum Teil heftige Lauf- und Übungseinheiten, sie traten dreimal zu Testspielen an, die sie alle knapp gewannen, und sie trotzten den schweren Beinen. "Die Mannschaft hat sehr gut mitgezogen", lobte Götz, und was mindestens genauso beruhigend ist: "Wir hatten wenig Verletzte." Ein paar kleinere Blessuren, diverse grippale Infekte (Kurz, Kioyo), der Meniskusschaden von Remo Meyer - gemessen an der Intensität der Belastung eine geringe Ausfallquote.

Durch vier Personalentscheidungen hat sich der Kader womöglich sogar qualitativ verbessert. Für Borimirow (zu Levski Sofia) und Wiesinger (Burghausen) haben sich zwei Abnehmer gefunden; für sie kamen zwei Hoffnungsträger, von denen sich Götz auch im Hinblick auf die bislang ungeklärte Hierarchiefrage einiges erwartet. "Wir haben einen sehr, sehr willensstarken Brasilianer geholt und mit Gerhard Poschner einen absoluten Führungsspieler verpflichtet", freut sich der Coach. Vor allem die Einstellung von Fernando nötigt ihm Respekt ab. "Er hat sich durch jede Trainingseinheit gebissen. Andere Spieler aus seinen Breitengraden hätten sicherlich an manchen Tagen gesagt: ,Heute bleibe ich lieber im Bett."

Als dritter Neuzugang wäre der Sportpsychologe Walter Wölfle zu nennen. Mit ihm will Götz in der Rückrunde weiterarbeiten, wann immer es die Situation erfordert. Der Trainer weiß zwar: "Auch dieser Psychologe gewinnt kein Spiel - genauso wenig wie ein guter Laktattest oder ein Sieg im Testspiel." Jedoch: "Wir wollen nichts unversucht lassen, um die Mannschaft weiter zu bringen."

Was ist sonst an Neuerungen zu erwarten in der Rückrunde? Möglicherweise schon beim Start gegen Kaiserslautern ein neues Spielsystem. Eine Alternative zur 4-4-2-Formation ("Das bleibt unser Grundsystem") ist künftig die 4-3-2-1-Variante. Der Vorteil laut Götz: "Da hast du immer einen Mann mehr im Angriff." Die Nachteile liegen auf der Hand, doch letztlich waren es gerade die Stürmer, die sich dieser Tage in den Vordergrund spielen konnten. "Sie arbeiten alle auf höchstem Niveau." Selbst Agostino ist wieder näher an die Stammelf gerückt: "Paul hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet."

Weitere Gewinner des Trainingslagers: Daniel Baier, die Rechtsachse Stranzl/Görlitz (zu Lasten von Cerny) und Janne Saarinen. Der Finne konnte zwar in den Testspielen nicht überzeugen, erhielt aber von Götz "bewusst" die meiste Einsatzzeit in der Hoffnung, dass sich diese vertrauensbildende Maßnahme auszahlt. Saarinen dürfte seinen Stammplatz links hinten sicher haben.

Ansonsten will der Coach künftig rigoroser durchgreifen: "Wir sind jetzt auf jeder Position doppelt besetzt und können Fehler, die sich wiederholen, besser sanktionieren." Gilt auch für Vergehen abseits des Fußballplatzes. Der freie Sonntag ist ab sofort gestrichen, was vor allem jene Spieler treffen soll, "die samstagabends noch eine Nebenbeschäftigung haben". Schwere Zeiten für Nachtschwärmer also. Schließlich möchte Götz auch nach dem 34. Spieltag sagen können: "Am Ende war alles gut."

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