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Liendl rettet Pereira-Premiere

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Von: Uli Kellner

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Liendl sei Dank: Der österreichische Topscorer trifft auch als Joker - und darf sich mal wieder feiern lassen.
Liendl sei Dank: Der österreichische Topscorer trifft auch als Joker - und darf sich mal wieder feiern lassen. © Rauchensteiner

Ein spätes Tor des eingewechselten Spielmachers beschert dem Trainer einen siegreichen Einstand

München – Als es geschafft war, sah auch Vitor Pereira ziemlich geschafft aus. Der portugiesische Trainer blies die Backen auf, wandte sich zügig vom Spielfeld ab und war weit davon entfernt, ein Tänzchen aufzuführen, wie er es ja angekündigt hatte für den Fall, dass sein Team nicht nur Siege feiert, sondern nebenbei auch „wundervollen, intelligenten Fußball“ spielt.

Bei Pereiras Premiere im deutschen Fußball klappte zumindest Teil eins – das mit dem siegreichen Spiel: 2:1 (1:1). Seine Löwen kämpften mit viel Glück eine besser organisierte Fürther Mannschaft nieder, die in Führung gegangen war (Dursum/13.) und dann das Pech hatte, ab der 49. Minute ein Mann weniger zu sein. Stephen Sama flog mit Gelb-Rot vom Platz. Für 1860 traf Ivica Olic per Elfmeter (43.) und der eingewechselte Michael Liendl vier Minuten vor dem Schlusspfiff. „Ich habe gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben“, sagte Pereira zu seiner geglückten und glücklichen Premiere: „Es war wichtig, dass wir heute nicht verloren haben, aber taktisch und technisch war das kein gutes Spiel.“ Joker Liendl freute sich über sein Siegtor per Rechtsschuss aus 12 Metern („So was ist immer schön“), verwies aber darauf, dass nicht nur ein neuer Trainer Zeit benötige, sondern auch die zu vermittelnde Spielidee: „Fakt ist, dass wir uns in vielen Dingen noch steigern müssen.“

Bei eisiger Kälte waren es nicht gerade viele Zuschauer, die sich in die Arena locken ließen, um dem x-ten Neuanfang der Löwen beizuwohnen. 15 800 fanden sich laut offizieller Zählung ein, und die, sofern der Heimmannschaft zugeneigt, hatten schon vor dem Anpfiff Grund zum Jubeln. Per Videoeinspieler verkündete der Klub, dass nun auch Christian Gytkjaer einen Vertrag beim TSV 1860 unterschrieben hat. „Über zweieinhalb Jahre“, wie der dänische Stürmer hinzufügte.

Spät hat der Ismaik-Klub doch noch ein stattliches Wintertransferpaket geschnürt. Amilton, Ba und Lumor, die schon während der Woche gekommen waren, saßen sogar auf der Tribüne – direkt neben dem Mann mit dem dicken Geldbeutel. Hasan Ismaik war pünktlich im Münchner Winter gelandet, wärmte sich mit einer dicke Mütze – und fiel nach dem Schlusspfiff Präsident Peter Cassalette in die Arme.

Was der Investor über weite Strecken zu sehen bekommen hatte, dürfte ihn in seinem Entschluss bestärkt haben, erneut ein paar Millionen in den Umbau dieser Mannschaft zu stecken. Die Löwen kamen ohne ihre vier Neuzugänge aufs Feld, leider aber auch ohne jeglichen Esprit. Dabei war es doch gerade das, was man sich von der Verpflichtung des portugiesischen Heißmachers Pereira versprochen hatte.

Zur Halbzeit durften sich die Löwen glücklich schätzen, mit einem 1:1-Zwischenstand davongekommen zu sein. Bereits in Spielminute 13 hatten sich die Gastgeber einen jener individuellen Fehler geleistet, der in der Hinrunde so manchen Trainer (und Fan) zur Verzweiflung gebracht hatte. Jan Mauersberger ließ einen weiten Schlag von Sebastian Freis passieren. Stefan Ortega eilte dem Abwehrchef aus dem Tor entgegen – sehr zur Freude von Serdar Dursum, der keinerlei Mühe hatte, die Absprachepanne mit dem Führungstreffer für die Franken abzuschließen. „Ein viel zu einfaches Tor“, maulte der gesperrte Fanol Perdedaj im Sky-Interview: „Das darf uns natürlich nicht passieren.“

Abstimmung, Passspiel, Körpersprache – trotz neuer Grundordnung (3-4-3) war der Unterschied zu den alten Auftritten nicht allzu groß. Nur langsam kämpften sich die Löwen in die Partie hinein – und hatten Glück, dass Schiedsrichter Jablonski kurz vor der Pause auf Elfmeter entschied. Pechvogel war Sama, der zu Beginn der zweiten Halbzeit auch noch Gelb-Rot sah. Der Kameruner hatte Sebastian Boenisch im Gerangel nach einem Eckball geklammert – grenzwertig, aber vertretbar. Fürths Trainer Janos Radoki klagte: „Dann müsste es in jedem Spiel 16 Elfmeter geben.“ Da Liendl auf der Bank saß, übernahm Olic Verantwortung – und hatte Dusel, dass sein Schuss ins linke untere Eck nicht vollends von Fürth-Keeper Megyeri aufgehalten wurde.

Erleichtert wirkte am Ende auch Stefan Aigner, der weiterhin auf der Suche nach seiner Bestform ist: „Wenn ein neuer Trainer kommt, entfacht das immer ein bisschen Euphorie. Trotz alledem wissen wir, dass wir weiterhin unten drin stehen.“ Auf Platz 13 der Tabelle – zumindest bis Montagabend. Immerhin: Mit Pereira kamen die Löwen zu ihrem ersten Jahresauftakterfolg seit fünf Wintern – darauf lässt sich aufbauen.

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