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1860 lässt Fanheft verbieten – wegen Kritik an Ismaik

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Von: Uli Kellner

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Der Präsident hat ihn lieb: Investor Hasan Ismaik, umarmt von Peter Cassalette.
Der Präsident hat ihn lieb: Investor Hasan Ismaik, umarmt von Peter Cassalette. © sampics

Der Investor polarisiert immer stärker und will am Wochenende seine Übernahme weiterer Anteile vorbereiten

München – Er hat den neuen Hoffnungsträger maßgeblich mit ausgesucht. Da lag es auf der Hand, dass sich Hasan Ismaik den ersten Auftritt seines Wunschtrainers nicht entgehen lassen wollte. Kurz vor dem Rückrundenstart gegen Fürth flog er ein. Und wie immer, wenn der polarisierende Investor erwartet wird, löst das Aufregung und Reaktionen aus – intern wie extern.

Intern stellt sich Präsident Peter Cassalette auf intensive Gespräche ein, wie er gegenüber muenchen.tv kundtat. Es dürfte um die Absicht des Jordaniers gehen, als Gegenleistung für seine regelmäßigen Finanzspritzen weitere Anteile am Verein zu übernehmen – zusätzlich zu den 60 Prozent, die ihm eh schon gehören. „Das ist eine heikle Frage“, sagte Cassalette im Gespräch mit Interviewer Jörg van Hooven: „Da kann ich eigentlich gar nichts zu sagen. Da müsste man ihn selber fragen. Wenn er am Wochenende kommt, werden wir sicher Gespräche führen, die in diese Richtung gehen. Er hat ja diesen Wunsch schon einmal geäußert. Ich weiß aber nicht, in welcher Höhe. Seine Wünsche oder Forderungen, wenn die dann kommen, gehen durch unsere Gremien. Letztendlich muss es dann die Mitgliederversammlung entscheiden.“ Tendenz: Teile der ARGE würden Ismaiks Ansinnen durchwinken – es soll aber auch Widerständler geben. Von der einst einflussreichen Gruppierung Pro1860, von Ultras. Es gibt durchaus noch Fans, die bereit sind, Ismaik in seinem Machtstreben einzubremsen.

Extern führte das am Freitag zu einem Streit um ein hohes demokratisches Gut – um das in Artikel 5 des Grundgesetzes festgelegte Gebot der Meinungsfreiheit. Eine Errungenschaft, mit der Ismaik und die Seinen nicht allzu viel anfangen können, wie sich vor Weihnachten zeigte (Stichwort: Hausverbot für Journalisten) – und wie sich auch jetzt bestätigte, als Geschäftsführer Anthony Power die Verbreitung eines investorkritischen Fanmagazins verbieten ließ. Mit Verweis auf das Hausrecht.

„Drinking and Driving“, heißt das Heft, in dem sich die Macher ein paar kritische Töne in Richtung des Hauptgesellschafters erlauben. In den Augen der Fans bahnt sich „eine gefährliche Alleinherrschaft vom Investor und seinem Gefolge an, wo die Kritiker systematisch mundtot gemacht werden“, heißt es in der zensierten Schrift: „Das Gefährlichste an der gesamten Situation ist, dass man sich mit den Argumenten der Gegner gar nicht auseinandersetzt und diese stattdessen als Lügner abtut – oder schlichtweg ignoriert.“

Tendenzen in diese Richtung sind tatsächlich seit längerem zu beobachten. Doch ganz so einfach, wie sich die Ismaik-Fraktion das vorstellt, lässt sich die Kritik dann auch nicht abstellen. Die Autoren suchten stattdessen andere Orte, um ihr Heft zu verteilen. „Gerade in Zeiten wie diesen ist es extrem wichtig, dass jeder Löwen-Fan die Geschehnisse an der Grünwalder Straße 114 hinterfragt und seinen Unmut nicht schluckt, sondern in die Welt trägt“, schreiben sie. Wie ernst es ihnen ist, lässt sich auch an Details ablesen: Das durchgestrichene Konterfei Ismaiks, das schon mal in der Nordkurve gezeigt wurde, kommt auch darin vor.

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