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Erlegt von einem künftigen Bayern

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Gegen Ivica Olic kamen die Löwen nicht an.
Gegen Ivica Olic kamen die Löwen nicht an. © dpa

Hamburg – 1860 hält gegen den HSV gut mit, nicht aber gegen Olic – der wird mit einem Dreierpack zu Tschauners Albtraum

Als Frank Rost nach getaner Arbeit vom Rasen stapfte, hatte er noch immer dicke Kreidespuren im Gesicht – ein Andenken an die 53. Spielminute, als für einen Moment so etwas wie Pokal-Aufregung aufgekommen war. Der HSV-Keeper war nach einem Zusammenprall mit 1860-Neuzugang Stefan Aigner zu Boden gegangen, ein empörtes Raunen ging durch die Nordbank-Arena, doch das legte sich gleich wieder. Rost stand unverletzt auf, schüttelte sich, den Rest des Abends konnten er und das Hamburger Publikum in Ruhe genießen: Pflichtaufgabe erfüllt. Mit 3:1 (1:0) gewann der große HSV gegen den überforderten Zweitligisten aus München mit einem jungen Mann im Tor, der nach eigener Aussage „mehr Schatten als Licht“ in seinem Spiel hatte (Philipp Tschauner).

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Der Held des Abends hieß: Ivica Olic. Ausgerechnet der künftige Bayern-Stürmer hatte den Löwen dreimal eingeschenkt (44., 78., 85.). Beim 1:0 kurz vor der Pause profitierte der Kroate von einer Abspielpanne Tschauners in Verbindung mit einem ausbleibenden Abseitspfiff. Der Ball, mit dem er Tschauner umkurvt hatte, war nämlich von Mitspieler Trochowski gekommen, nicht, wie Schiri Weiner angenommen hatte, von Berhalter. Beim 2:0 hielt Olic einfach mal aus spitzem Winkel drauf – den Rest erledigte Tschauner, der sich „das Ding sozusagen selbst reingehauen hat“. Das 3:0 schließlich war „ein Flatterball“, wie 1860-Trainer Marco Kurz zur Verteidigung seines Torhüters anführte. Der wollte allerdings gar nicht verteidigt werden. Ganz im Gegenteil. In seltener Offenheit geißelte sich Tschauner für seinen Pannentag. „Das waren individuelle Fehler von mir, die dürfen nicht passieren“, sagte er. „Ich muss die Niederlage leider auf mich nehmen. Tut mir leid für die Mannschaft.“

Mehr als den Ehrentreffer durch Daniel Bierofka kurz vor Schluss hatten Tschauners Kollegen allerdings auch nicht zu bieten. Vor allem in der Offensive agierten die Löwen zu harmlos. Ein paar Dribblings vom frechen Aigner, die üblichen Soli von Bierofka – mehr war da nicht. „Um weiterzukommen hätten wir ein perfektes Spiel gebraucht“, sagte Kurz. „Leider war unsere Fehlerquote hinten und vorne zu hoch.“ Ein Könner wie Ivica Olic lässt sich da nicht zwei- und schon gar nicht dreimal bitten.

Während Olic nun erstmal seine Ligasperre absitzen muss, dürfen sich seine Hamburger Kollegen auf Teil zwei der bayerischen Woche freuen: auf den Rückrundenstart am Freitag gegen die Bayern. Für 1860 dagegen ist der Ausflug in die große Fußballwelt schon wieder beendet: Am Sonntag geht es gegen Freiburg – vor vermutlich etwas kleinerer Kulisse als gestern in Hamburg (48 058). Bitter für die Löwen, denn so ein bisschen hatten sie schon auf den großen Geldregen gehofft. 908 533 Euro hätte es für das Erreichen des Viertelfinales gegeben: Ist zwar nur ein Dreißigstel des aktuellen Lotto-Jackpots, auf der anderen Seite aber ein Achtel des Saisonetats der Löwen. Aber, merkte Kurz sportlich fair an: „Man musste schon anerkennen, dass die Hamburger die höhere Qualität hatten.“

Das einzige Andenken mit bleibendem Wert, das den Gästen vergönnt war, trug am Ende Pechvogel Tschauner auf den Schultern: das Trikot des Dreifach-Torschützen Olic, seinem personifizierten Albtraum. „Ich hab zu ihm gesagt: Ich hab dir das Spiel geschenkt, dann will ich aber dein Trikot haben.“ Wenigstens seinen Humor hat Tschauner nicht verloren.

von Richard Rösener

Hamburger SV – TSV 1860   3:1 (1:0)

Hamburger SV: Rost 3 – Demel 3 (83. Boateng 0), Reinhardt 3, Mathijsen 3, Aogo 4 (46. Guerrero 3) – Trochowski 3, Jarolim 3, Benjamin 2, Jansen 3 – Petric 3 (77. Pitroipa 0), Olic 1.

TSV 1860: Tschauner 6 – Thorandt 3, Beda 4, Berhalter 4, Johnson 4 – Lars Bender 3 (75. Pourie 0), Sven Bender 3 – Aigner 2 (78. Holebas 0), Bierofka 3 – Lauth 4, Rösler 5. Schiedsrichter: Weiner (Giesen).

Tore: 1:0 Olic (44.), 2:0 Olic (78.), 3:0 Olic (85.), 3:1 Bierofka (87.)

Zuschauer: 48 058. – Gelbe Karten: Aogo, Petric – Aigner.

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