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Pereira, Ayre, Cassalette: Das sind die Löwen-Aussteiger

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Von: Armin Gibis

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Damals waren sie noch Löwen: Pereira (links), Cassalette und Ian Ayre verlassen den TSV 1860 - auch wenn der Pereira-Abschied noch nicht offiziell ist. © sampics / Stefan Matzke

Nach dem Abstieg ist vor dem Rücktritt: Beim TSV 1860 haben nach der Relegationsniederlage gegen Regensburg die Hauptverantwortlichen die Hüte genommen.

Pereira geht mit „gutem Gewissen“

Die Personalie Vitor Pereira hatte Hasan Ismaik zur Chefsache gemacht. Der Investor war im vergangenen Dezember zur Präsentation des neuen Trainers angereist, nach dem offiziellen Medien-Teil lud er die Fans in eine Münchner Bierschwemme, spendierte Freibier und ein bayerisches Büffet. Der Anhang reagierte mit Ovationen für den Coach, der auch sogleich erfreuliche Ziele kundtat. Die Löwen, so versicherte Pereira, wolle er „to the top“ führen, an die Spitze. Doch es kam ganz anders. Unter der Regie des 48-Jährigen stürzten die Löwen in die

Übernahm die Verantwortung: Vitor Pereira.
Übernahm die Verantwortung: Vitor Pereira. © dpa

Drittklassigkeit ab; nachdem der Abstieg besiegelt war, hielt er eine Art Abschiedsrede, bezeichnete sein Giesinger Projekt als gescheitert und übernahm dafür ausdrücklich die Verantwortung. Es liegt wohl an den aktuellen Turbulenzen des TSV 1860, dass der Verein auch am Mittwoch noch nicht imstande war, Pereiras Abschied offiziell bekannt zu machen. Aber an der Trennung von den Löwen besteht kein Zweifel mehr.

Pereira war als Meistermacher nach München gekommen. Dem weitgereisten Portugiesen fiel es nach anfänglichen Erfolgen (drei Siege in den ersten vier Spielen) jedoch offenkundig schwer, sich im Zweitliga-Fußball zurechtzufinden. Die Löwen spielten zwar ansehnlicher als noch unter seinem Vorgänger Kosta Runjaic, doch fand dies kaum Niederschlag auf der Habenseite. In der Relegation sei Regensburg „die bessere Mannschaft“ gewesen, „die Punkte haben wir vorher verloren“, erklärte er am Dienstagabend. Grundsätzlich wollte Pereira seine Arbeit nicht in Frage gestellt sehen: „Ich habe ein gutes Gewissen, weil mein Trainerteam und ich alles gegeben haben. Wir haben tagtäglich viele Stunden daran gearbeitet.“

Zudem nutzte Pereira seine letzten Worte in München zu einer Verbeugung vor dem blauen Anhang: „Es tut mir unheimlich leid für die Fans. Es waren die besten Fans, die ich jemals gesehen habe.“ Das Stadion verließ Pereira über die Mixed Zone, wo er sich bei den Medienvertretern mit einem „thank you“ verabschiedete. Mehr wird von Pereira in München wohl nicht mehr zu hören sein.

Cassalette schlug sich auf Ismaiks Seite

Peter Cassalette saß ganz alleine in den Sitzreihen nahe des Business-Bereichs. Er wirkte wie erstarrt, sein Blick war leer, die Miene schwer verdüstert. Der Schock angesichts des folgenschweren Trauerspiels war ihm ins Gesicht geschrieben. Und auch, dass es in ihm arbeitete. Höchstwahrscheinlich hat der 63-Jährige dabei seine persönliche Bilanz gezogen. 18 Monate lang war er 1860-Präsident, am Dienstag erreichte seine Amtszeit mit dem Abstieg den absoluten Tiefpunkt. Cassalette zog prompt die Konsequenzen. Um 22.49 Uhr verschickte die 1860-Pressestelle folgende Mitteilung: „Löwen-Präsident Peter Cassalette will einem Neuanfang nicht im Wege stehen. Daher hat er nach dem heutigen Relegationsspiel seinen Rücktritt erklärt.“

Es war wahrlich kein besonders günstiger Zeitpunkt, den Cassalette sich da für seine Demission ausgesucht hatte. Der Vereinschef verschwand nach Spielschluss, somit war – außer der bedauernswerten Pressesprecherin – niemand mehr greifbar, der zum Desaster hätte Stellung nehmen können. So gesehen wirkte Casselettes Abgang wie eine Flucht.

Sein Amt hatte der leutselige Münchner durchaus als Hoffnungsträger angetreten. Schon früh gelang es ihm, den Eindruck zu vermitteln, dass es ihm, der als Bub die Meisterschaft anno 1966 miterlebte, allein um den Verein geht. Ein Herzblut-Löwe also, wie man im Klubjargon gerne sagt. Mit seiner ausgleichenden, diplomatischen Art gelang es ihm auch, das lange Zeit gestörte Verhältnis der Sechziger zu Hasan Ismaik zu reparieren. Die beiden präsentierten sich wie ein Herz und eine Seele. Es gibt Privatfotos, die das Duo lächelnd auf Ismaiks Yacht zeigen. Die Chemie stimmte. Und gut möglich ist auch, dass Casselette nicht unwesentlich daran beteiligt war, dass Ismaik sich im Laufe dieser Saison inniger denn je zu den Blauen bekannte. Sogar ein Stadion wollte er ihnen bauen.

Der Preis der Annäherung war jedoch, dass Cassalette sich Ismaik praktisch unterwarf, ihm keinerlei Widerstand bot, der Jordanier somit schalten und walten konnte, wie er wollte. Cassalette verteidigte sich hierbei immer wieder, er sei nur Präsident des e. V., für die Profiabteilung KGaA verfüge er über keinerlei Zuständigkeit. Seine Mitverantwortung für den sportlichen Niedergang bestritt er noch vor zwei Wochen. „Diesen Schuh ziehe ich mir nicht an.“ Cassalette hatte es sich damit zu leicht gemacht. Den Druck der Verantwortung scheint er nun umso stärker gespürt zu haben.

Ayre vermisst Vision für Zukunft von 1860

Im vergangenen Jahr noch war Ian Ayre in England zum Manager des Jahres gewählt worden. Zehn Jahre lang war er Vorstand des Weltklubs FC Liverpool. Umso erstaunlicher, dass ihn sein Weg in die Zweite Liga nach Deutschland führte. Er suche eine „neue Herausforderung“, ließ Ayre Anfang April wissen. Sie dauerte allerdings nicht einmal zwei Monate. Noch vor dem 0:2- Fiasko gegen Regensburg quittierte der frühere Marine-Soldat seinen Münchner Dienst als Geschäftsführer.

Nur zwei Monate im Amt: Ian Ayre.
Nur zwei Monate im Amt: Ian Ayre. © dpa

Sein extrem kurzes Gastspiel passte nicht unbedingt zu seinem Credo. Bei seinem Amtsantritt hatte er verlauten lassen: „Mein Hauptthema ist Nachhaltigkeit.“

Seinen Rücktritt erklärte Ayre nun mit den offenbar unüberbrückbaren Meinungsdifferenzen in der KGaA. „Leider habe ich in meinen kurzen acht Wochen eine Struktur vorgefunden, in der die Anteilseigner weder gemeinsame Interessen verfolgten, noch eine Vision für die Zukunft des Klubs hatten“, erklärte Ayre in einer Stellungnahme. Besagte Anteilseigner sind Investor Hasan Ismaik und der TSV 1860 München e.V. „Obwohl ein Budget für die kommende Saison verabschiedet wurde, bleiben erhebliche Unstimmigkeiten zwischen den verschiedenen Anteilseignern, was es mir in dieser kritischen Zeit unmöglich macht, in meiner Position weiterzumachen“, sagte er weiter.

Unklar ist, inwieweit Ismaiks jüngste Facebook-Botschaft die Entscheidung Ayres beeinflusste. Einen Tag vor dem Regensburg-Spiel hatte der 40-Jährige seine Anstrengungen bei 1860 „auf allen Ebenen“ für gescheitert erklärt und damit zu einem überaus ungünstigen Zeitpunkt für Unruhe gesorgt. Ayre verzichtete jedoch in seinen Abschiedsworten auf Kritik an Ismaik. Vielmehr erklärte er, der Jordanier sei weiter voller Leidenschaft für den Verein. Im gleichen Atemzug merkte Ayre an: „Sein Investment wird allerdings keine Früchte tragen, so lange nicht alle Gesellschafter sich mit Respekt füreinander auf gemeinsame Ziele für die Zukunft einigen können. Derzeit ist dies nicht der Fall.“

Die aktuellen Entwicklungen beim TSV 1860 München finden Sie bei uns im Ticker.

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