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Der Präsident als Mentor: Peter Cassalette, Victor Andrade.

Der TSV 1860 und seine Brasilianer

Cassalette: „Andrade gewinnt dir auch mal eine Schlacht“

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München – Oberlöwe Cassalette outet sich als großer Fan der beiden Brasilianer Andrade und Ribamar. Vor allem der pfeilschnelle Andrade hat es ihm angetan: „Ich will nicht sagen, er ist mein Baby, aber ich habe ihn vom ersten Tag an unterstützt.“

Ehe Peter Cassalette in der Osteria hinter dem 1860-Gelände Platz nimmt, hat er noch etwas Wichtiges zu erledigen. Im Nebenraum sitzt Victor Andrade mit seinem Papa Nelson, und es ist nicht nur der Anstand, der den Löwen-Präsidenten an den Tisch der Brasilianer führt. Er umarmt Andrade herzlich, massiert ihm kurz den Nacken und sagt im Rückblick auf dessen 90-Minuten-Debüt in Stuttgart: „Super Spiel. Bitte in Würzburg wiederholen. Am besten mit einem Tor.“ Beide lachen, und im Weggehen sagt Cassalette: „Ich hab sie ein bisschen ins Herz geschlossen, unsere Brasis.“ Im nachfolgenden Gespräch erläutert er dann, warum das so ist.

Herr Cassalette, im Interview vorige Woche hatten Sie es angedeutet: Bei Ihnen würde Victor Andrade immer von Beginn an spielen. Fühlen Sie sich durch den furiosen Auftritt des Brasilianers beim 1:2 in Stuttgart bestätigt?

Peter Cassalette: Da muss man nicht der große Fußballfachmann sein, um das zu sehen. Auch der Trainer kennt sein Potenzial. Das Thema war ja: Ist er fit genug? Taktisch schon auf der Höhe? In Bayern würde man sagen: Er ist ein Gifthaferl, vom Temperament her. Das hat man ja in den Vorbereitungsspielen gesehen: Wenn er da gefoult wurde, ist er schnell mal ausgeflippt und wollte seinem Gegenspieler an den Kragen. Sensationell fand ich daher am Freitag, wie cool er war. Er ist permanent gefoult worden und hat seinem Gegner sogar noch aufgeholfen. Normal hätte er ihm eine reintreten müssen.

Klingt so, als seien Sie ein großer Fan des Brasilianers. Wenn man Sie zusammen sieht, wirkt das auch fast freundschaftlich.

Cassalette: Stimmt schon. Ich will nicht sagen, er ist mein Baby, aber ich hab ihn vom ersten Tag an unterstützt. Beide Brasis eigentlich. Ich kümmere mich ein bisschen um sie. Letzten Montag war ich mit allen drei zusammen beim Essen, in der Lisboa-Bar. Ich bin der Meinung: Wenn man solche Spieler für viel Geld holt, dann ist es nicht damit getan, dass man ihnen ihr Gehalt überweist. Man sollte auch schauen, dass sie sich wohlfühlen. Sie sollen das Gefühl haben: Wenn sie was brauchen, können sie jederzeit kommen.

„Ribamar mag den Käsekuchen meiner Frau, er hat vier Stück davon gegessen.“

Wie ist Ihr Eindruck? Haben sich Andrade und Ribamar schon eingelebt?

Cassalette: Sie haben ganz gut Anschluss, denke ich. Der Wirt im Lisboa ist ein fußballverrückter Portugiese, da hängt auch schon ein Trikot vom Andrade an der Wand. Die Bayern-Brasis kommen auch öfter, das ist ihr gemeinsames Stammlokal. Man muss sich eigentlich keine Sorgen machen um sie. Klar ist Ribamar frustriert, weil er verletzt ist und nicht spielen kann, aber ansonsten sind das zwei ausgeschlafene, gute Jungs. Ich mag sie einfach gern.

Der Präsident als Brasilianer-Versteher?

Cassalette: Ich will meine Rolle nicht überbewerten. Ich kann mich auch nicht 24 Stunden am Tag um sie kümmern, obwohl sein Vater das gerne hätte. Witzigerweise wohnen sie beide bei mir um die Ecke. Wenn ich mit dem Hund gehe, sehe ich sie manchmal. Ribamar war auch neulich bei uns zu Hause. Er hat ja kein Sky, und da haben wir dann zusammen Würzburg gegen 1860 geschaut, also das Punktspiel. Den Käsekuchen meiner Frau mag er besonders gern, davon hat er an dem Nachmittag, glaub’ ich, vier Stück gegessen.

Zumindest Andrade scheint inzwischen auch sportlich angekommen zu sein, oder?

Cassalette: Ich fand ihn schon gegen Düsseldorf supergut – und diszipliniert. Ich finde auch, dass er bereits eine super Einstellung zu 1860 hat. Dem gefällt’s hier, der möchte bleiben. Das hat er mir zumindest gesagt. Sein Deutsch wird auch immer besser. Neulich war ich mit ihm bei unserem Italiener, da hat er gesagt: „Bitte zahlen. Alles zusammen.“ Victor ist einer, der lernt das mit den Menschen, im täglichen Umgang. Lucas hat eine Deutschlehrerin. Er ist ja auch mehr mit Physiotherapeuten zusammen als mit anderen Spielern.

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Für Ribamar hat Hasan Ismaik 2,5 Millionen Euro ausgegeben und ihn als Spekulationsobjekt bis 2021 fest verpflichtet. Andrade ist nur ein Jahr ausgeliehen, oder?

Cassalette: Schon, aber es gibt ja auch die Möglichkeit zu verlängern.

Gibt es da eine Option in seinem Vertrag?

Cassalette: Meines Wissens nur im Falle des Aufstiegs. Ansonsten ist es Verhandlungssache. Wenn ich das alleine entscheiden würde und das Geld hätte, würde ich mir das noch drei, vier Spiele anschauen – und ihn dann direkt verpflichten.

Es gibt auch die These, dass Andrade so wenig gespielt hat, weil er eben noch nicht fest verpflichtet ist. Um ihn vorher nicht ins Schaufenster zu stellen.

Cassalette: Da ist gar nichts dran. Da würden wir uns ja selber schaden. Er ist einer, der dir auch mal eine Schlacht gewinnt. Siehe sein Supertor in St. Pauli. Deswegen sollte er so viel wie möglich spielen. Aus meiner Sicht hat er ein unheimliches Potenzial. Wenn der noch zehn Spiele wie in Stuttgart macht, dann wirst du ihn wahrscheinlich nicht mehr halten können.

Haben Sie schon mit Ismaik darüber gesprochen?

Cassalette: Ich schreibe ihm jede Woche einen Report über die Brasis. Wie die sich entwickeln und so. Ribamar interessiert ihn im Moment noch mehr, weil er ihn gekauft hat, Andrade ist eher am Rande ein Thema. Aber Sie haben Recht: Eigentlich müsste man das jetzt schon unter Dach und Fach bringen. Und auch nicht so viel drüber reden. Sonst wird er immer teurer.

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