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Probleme nur noch mit den Fan-Gesängen

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- München - Karlheinz Pflipsen ist mit seinen mittlerweile 34 Jahren alt genug, genau zu wissen, was der Fan hören will. Sätze wie: "Es war genau der richtige Schritt, ins Grünwalder Stadion zurück zu gehen, denn die Fans lieben es" oder "Am Ende zählt nur eins: Wir wollen aufsteigen" machen ihn beim blau-weißen Anhang auch als Rheinländer flugs zum Sympathieträger. Da ist es nachzusehen, dass er das bevorstehende erste Saisonspiel der Löwen gegen Unterhaching als echtes Stadtderby bezeichnete, was der selbstbewusste Großstädter weniger gerne hört.

Und wenn Trainer Rudi Bommer am Sonntagmorgen gegen viertel vor zwölf seine bislang streng geheim gehaltene Mannschaftsaufstellung verrät, dann kann man ohne großes Risiko darauf setzen, dass Pflipsen dabei ist. Als Regisseur, als Spielleiter der Mannschaft, als ihre zentrale Anlaufstation. Trainer Bommer wehrt sich zwar dagegen, dem gebürtigen Mönchengladbacher zuviel Verantwortung aufzubürden, schließlich "haben wir noch andere erfahrene Typen". Und Führungsspieler, sagt Bommer, "die braucht man, wenn es nicht läuft". Doch daran will man beim äußerst zuversichtlichen Neu-Zweitligisten gar nicht denken.
Man kann aber davon ausgehen, dass Pflipsen nicht lange gebeten werden muss, die Verantwortung zu übernehmen. Es ist dies wohl seine letzte Chance, noch einmal in die Eliteklasse des deutschen Fußballs zurückzukehren. Und mit dem Löwen-Mitbewerber aus Aachen hat er auch einiges offen, schickte man ihn dort doch nach drei Jahren recht unfreundlich weg. "Die Erwartungen zu erfüllen", das ist seine Mission und die der Mannschaft, "und dafür werde ich alles tun", sagt er.

Wie ernst es ihm ist, zeigt schon die Tatsache, dass er bestens informiert ist über den ersten Gegner. Pflipsen erzählt von Copado und Schied als "den quirligen Spitzen", von seinem Pendant Thomas Sobotzik, der "sehr viel unterwegs sein wird" und sieht durch sie in der Offensive die große Stärke der Hachinger. Eine Analyse, die kurz nach Pflipsen auch Rudi Bommer abgab, und die zeigte, dass beide eine Wellenlänge haben. Dazu habe Haching aber "Probleme in der Abwehr, und das müssen wir einfach ausnützen". Was Pflipsen erwartet in der Zweiten Liga, das weiß er seit drei Jahren, nämlich "weniger Räume", "mannbezogenes Spiel", und "Kampf mit offenem Visier".

Die sechs Wochen Vorbereitung die Bommer, Pflipsen und die anderen nunmehr hinter gebracht haben, scheinen gut verlaufen zu sein. Die Atmosphäre sei gut, bestätigt Pflipsen, und man hat den Eindruck, viel von dieser guten Stimmung hat mit der Vorfreude auf die "neue, alte Wirkungsstätte" (Pflipsen) zu tun. Trainer Bommer wird da sogar leicht poetisch: "Wenn am Spieltag die roten Sitze verschwinden und alles blau wird im Stadion, das ist eine riesige Motivation."

Am heutigen Samstag wird man - exakt 24 Stunden vor dem Anpfiff - noch einmal im Stadion an der Grünwalder Straße trainieren, um sich an die Hitze und Räumlichkeiten zu gewöhnen. Und auch am Spieltag selbst soll die Mannschaft zeitig am ausverkauften Stadion eintreffen, nachdem sie, vom Mittagessen kommend, noch am gut besuchten Trainingsgelände einen Zwischenstopp eingelegt hat. Alles Taktik, sagt Bommer, "denn die Spieler sollen mit Adrenalin am Stadion ankommen".

Und bis dahin hat auch Bommer nach all dem Stress der letzten Tage ("Oft habe ich erst abends essen können"), noch ein wenig Muße, sich in die Fangesänge einzuarbeiten Denn das was er sich wünscht, wird er mit Sicherheit nicht zu hören bekommen: "Es gibt doch dieses eine alte Lied:  . . . 67, 68, 69".

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