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"Profi mit Haut und Haaren"

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- München - Der letzte öffentlich überlieferte Satz von Marco Kurz stammt aus dem Juli des vergangenen Jahres. Damals, auf der Korea-Reise des TSV 1860, wurde der 34-Jährige überraschend von Markus Schroth als Kapitän abgelöst. Die Absetzung hat den ehrgeizigen Schwaben ziemlich tief getroffen, doch er reagierte so, wie man das von einem Teamspieler wie ihm erwartet: "Ich wünsche dem Markus alles Gute", ließ Kurz ausrichten, und natürlich werde er seinen Nachfolger in jeder Situation unterstützen.

Seit diesem Zeitpunkt hat der Oldie jeden Kontakt zur Presse gemieden und kein Interview mehr gegeben. Es scheint, als habe sich Kurz in den Schmollwinkel zurückgezogen, als müsse er sich vor sich selber schützen, damit er in seiner Enttäuschung nichts Unüberlegtes sagt. Intern jedoch, versichert Falko Götz, präsentiere sich der Ersatz- weiterhin als Führungsspieler. Er sei "nach wie vor bereit, Verantwortung zu übernehmen und seine Meinung vor der Mannschaft zu äußern", verrät der Coach, der deswegen "absoluten Respekt" vor dem Teamsenior hat. "Der Marco", lobt Götz, "ist ein Profi mit Haut und Haaren."

Eine Ironie des Schicksals will nun, dass Musterprofi Kurz, der in der Vorrunde bereits halbwöchentlich an seinem Trainerschein gebastelt hat, ausgerechnet in Schalke noch mal als Spieler gebraucht wird. Beim Revierklub, wo er zwischen 1995 und '98 unter Vertrag stand, hat Kurz seinen größten Erfolg als Fußballer gefeiert. 1997 war er Mitglied der so genannten "Eurofighter", die den Uefa-Pokal in den Pott holten, die Rückkehr dürfte ein sentimentaler Augenblick für ihn werden. Götz hat frühzeitig festgelegt, dass Kurz spielen wird, die Abwehrnot zwingt ihn quasi dazu, doch der Coach versteht die Einsatzgarantie auch als Belohnung. "Er hat sich trotz seines hohen Alters durch die ganze Vorbereitung gequält und will sich in jeder Trainingseinheit präsentieren", sagt Götz, dem kein Grund einfällt, "warum er sich den Einsatz nicht verdient hätte. Ich bin überzeugt davon, in dem Augenblick, wo wir ihn brauchen, dass wir uns auf ihn verlassen können."

Es ist nahe liegend, einen wie Kurz, der sich auch als enttäuschter Ex-Kapitän um die Integration ausländischer Profis wie Shao kümmert und den jungen Spielern als Ratgeber zur Seite steht, langfristig an den Verein zu binden _ und so ist es auch geplant. "Wir haben ihm Möglichkeiten als Trainer aufgezeigt", bestätigt Manager Dirk Dufner, "nun liegt es an ihm, sich zu äußern." Kurz wird das Angebot wohl annehmen, obwohl er zwischenzeitlich über eine Karriereverlängerung im Ausland nachgedacht hatte. Weil sich ein Transfer nach Österreich oder in die Schweiz kurzfristig nicht bewerkstelligen ließ, hat sich Kurz mit seiner Situation als Standby-Profi und Jugendbetreuer arrangiert.

Ansonsten verbringt er offensichtlich viel Zeit mit seinen Töchtern Melissa und Luisa. Als Lieblingssportart neben Fußball gibt er auf der 1860-Homepage an: "Stelzen laufen, Straßenkreide malen, Schaukeln und Bobby-Car fahren." Als größten Sportler aller Zeiten nennt er: "Sport-Goofy." Auch wenn Kurz kaum noch öffentlich in Erscheinung tritt - seinen Humor hat er sich definitiv bewahrt.

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