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Rettung in Reichweite

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„Als Torhüter bist du mal der Held, mal der Depp“: Gegen Lautern war Hofmann (hier mit Béda) eindeutig der Held, als er in der Schlussphase einen Elfmeter parierte.
„Als Torhüter bist du mal der Held, mal der Depp“: Gegen Lautern war Hofmann (hier mit Béda) eindeutig der Held, als er in der Schlussphase einen Elfmeter parierte. © dpa

München - Trotz des Ärgers über das nicht anerkannte Siegtor gegen den FCK blicken die Löwen optimistisch nach vorne: Zum Klassenerhalt fehlen nur wenige Punkte, und die Lizenz gab es ohne Auflagen.

Michael Hofmann war schon mit einem Bein im Kabinentrakt, als er sich noch einmal umdrehte und den Reportern eine Empfehlung zurief, die er selber offensichtlich nicht befolgen konnte. „Genießt die Sonne“, sagte der Löwen-Keeper mit sauertöpfischer Miene, „und ruft mal in Berlin an!“

Mit der Vorwahl 030 und einer nur Insidern bekannten Geheimnummer ließe sich der Mann erreichen, der nicht nur Hofmann nachhaltig die Stimmung verdorben hatte. Sein Name: Manuel Gräfe. Der Pfeifenmann von Hertha 03 Zehlendorf hatte in der Schlussphase der Partie gegen Kaiserslautern (Endstand 1:1) ein wenig den Überblick verloren. Erst pfiff Gräfe einen Handelfmeter, der für wütende Proteste der Sechziger sorgte, weil Holebas der Ball in Brusthöhe gegen den angelegten Arm gesprungen war (Hofmann parierte allerdings gegen Dzaka). Zwei Minuten später verweigerte der strenge Regelhüter den Löwen das Siegtor, als Fabian Johnson einen gefühlvollen 35-Meter-Lupfer über die Unterkante der Latte hinter die Linie platziert hatte. Selbst Lauterns Manager Stefan Kuntz wollte sich auf keine Wembley-Diskussion einlassen, nachdem er die Zeitlupe studiert hatte: „Der Ball war drin“, stellte er nüchtern fest.

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Andere verfolgte die Szene bis in die Träume. „Die Nacht war grausam“, gab Hofmann Einblick in sein Seelenleben, „ich habe nur zwei Stunden geschlafen. Das nicht gegebene Siegtor nervt total.“ Schütze Johnson empfand das vom Grundsatz her ähnlich, wollte aber nicht lange nachkarten. „Als ich die Szene zu Hause noch mal gesehen habe, hat’s mich schon ein bisschen gewurmt“, sagte er, „aber letztendlich kann man ja nix dran ändern.“ Ist halt so, abgehakt, weiter geht’s. Johnson ist keiner, der sich mehr emotionalen Stress als nötig zumutet.

Hofmann ist da aus einem anderen Holz geschnitzt – wenngleich er verhalten optimistisch nach vorne blickt. „Die Situation in der Tabelle sollte im Moment keinen Anlass zur Sorge geben“, sagt er. „Es sind sieben Punkte nach unten, und nächste Woche spielen die Konkurrenten wieder gegeneinander.“ Der Torhüter glaubt, dass drei bis vier Punkte zur endgültigen Rettung reichen müssten, „um ganz sicher zu gehen, sollten wir aber über die 40 kommen“. Hofmanns Ziel: Mehr als 41 Punkte – das war der Wert aus dem Vorjahr.

Die sportliche Rettung ist also in Reichweite, die bürokratische angeblich bereits eingetütet. Löwen-Boss Manfred Stoffers erweckte gestern den Eindruck, als sei die Lizenzerteilung durch die DFL eine reine Formsache gewesen. Man habe „konservativ kalkuliert“ und konnte dem Vernehmen nach „verlässlich darstellen, dass der Spielbetrieb bis 2010 gesichert ist“. Und zwar mit dem gewohnt ehrgeizigen Zuschauerschnitt von 30 000, ohne jegliche Auflagen – nur mit ein paar Bedingungen, die Stoffers als „buchhalterische Nebensächlichkeiten“ bezeichnet.

Gelassen, wie der neue Löwen-Boss den Vorgang erklärt, verwundert es ein wenig, dass Lizenzerteilungen zu Ziffzers Zeiten als Heldenstücke gefeiert wurden. Andererseits gibt es jetzt auch keine sechsstelligen Zusatzprämien mehr für das Okay aus der Frankfurter Verbandszentrale.

Fazit: Die düstersten Wolken über dem TSV 1860 scheinen sich verzogen zu haben, und auch Hofmanns Gemüt dürfte sich heute aufhellen. Uwe Wolf gab der Mannschaft frei. Sonne genießen! zeigt Spieler-Reaktionen nach dem 1:1 gegen Lautern.

Uli Kellner

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