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Samthandschuhe statt Baseballkeule

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- München - Weiß zählt nicht zu den Lieblingsfarben der Deutschen, hat aber eine hohe Akzeptanz. Weiß ist neutral und steht in der Farbpsychologie für so schöne Dinge wie Licht, Glaube, das Ideale, das Gute, das Neue, nicht zu vergessen natürlich: Unschuld, Wahrheit und Bescheidenheit.

Bescheiden und alles andere als ideal war der Auftritt der Löwen in ihren neuen weißen Trikots. Die Wahrheit über ihre Leistung beim 2:1-Sieg im Pokal gegen Fünftligist Germania Schöneiche: Nur ein lichter Moment von Siegtorschütze Agostino nährte den Glauben an gute Zeiten, und keiner im Team ist unschuldig an der Gesamtsituation.

Mit anderen Worten: Auch im dritten Pflichtspiel der runderneuerten Löwen passt noch nichts zusammen. Abgesehen von Torhüter Timo Ochs, der machtlos war beim Elfmeter-Gegentreffer, gibt es in allen Mannschaftsteilen Probleme: Die Verteidigung um Costa und Komljenovic hält selbst dem Anrennen von Angestellten eines brandenburgischen VAG-Händlers nicht stand (sieben Germania-Spieler arbeiten im Autohaus des Vereinspräsidenten). Im Mittelfeld bleiben vor allem die international erfahrenen Hoffnungsträger Tyce und Pflipsen hinter den Erwartungen zurück. Und vorne erzielten Kioyo und Agostino zwar zwei Tore, doch selbst 1860-Coach-Rudi Bommer räumt ein: "Normal musst du so einen Gegner weghauen."

Drei Tage vor dem wegweisenden Heimspiel gegen Trier geht die Angst um bei den Löwen. Bommer redete gestern Vormittag erst zehn Minuten auf seine verunsicherte Mannschaft ein, später dann deutlich länger als zehn Minuten auf die Münchner Presse. Sein Kernsatz: "Ich stelle mich vor mein Team und verteidige es." Bommer ist zwar selber enttäuscht über die schwachen Auftritte, doch nichts kann seine nervöse Mannschaft weniger gebrauchen als ein nervöses Umfeld. Den Willen spricht der Coach keinem seiner Spieler ab, er glaubt sogar, dass manche "vielleicht zu viel" wollen. Auch deshalb setzt er nach der Brutalo-Woche im Anschluss an die Aue-Niederlage (Ochs: "Wir haben pervers trainiert") auf einen vertrauensbildenden Schmusekurs. "Bringt ja nix, jede Woche den Baseballschläger rauszuholen und draufzuhauen", findet Bommer, der unverdrossen seinen Optimismus vorlebt: "Trier wird ein ganz anderes Spiel", sagt er. "Ich glaube nach wie vor an den Aufstieg, es sind ja erst zwei Spieltage weg."

Vielleicht wird ja doch noch alles gut. Ist Weiß in der Bibel nicht auch die Farbe der Auferstehung? Außerdem werden die Löwen am Freitag vermutlich im vertrauten Hellblau auflaufen. Blau ist übrigens die Lieblingsfarbe der Deutschen. Wir zitieren noch einmal aus dem "1 x 1" der Farbpsychologie: "Blau ist die Farbe der Männlichkeit. Sie steht für die kühlen Tugenden: Mut, Leistung, Sportlichkeit, Selbstständigkeit, Konzentration." Es besteht also noch Hoffnung.


 

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