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Sascha Mölders: Selbst den „Earthman“ in der Kabine „vernichtet“ - wer soll jetzt den Ton angeben?

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Von: Uli Kellner

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Stephan Salger (r.) und Stefan Lex im Gespräch: Fangen die Löwen-Leader das Mölders-Aus auf?
Stephan Salger (r.) und Stefan Lex im Gespräch: Fangen die Löwen-Leader das Mölders-Aus auf? © Titgemeyer/Imago

Was passiert beim TSV 1860 nach dem Mölders-Aus? Andere Leitlöwen hatte der Kultkicker wohl nicht zugelassen. Auf wen es in Giesing jetzt verstärkt ankommt.

München - Mit dem Abpfiff für Sascha Mölders, 36, hat sich auch eines der inoffiziellen Löwen-Gebote erledigt. Es lautete: „Fußballgott ist Sascha Mölders – du sollst keine anderen Götter neben ihm haben.“ Vertreter der Sportlichen Leitung haben kürzlich dargelegt, wen der Verein alles versucht hat, neben Mölders zu installieren – als Co-Anführer oder Sturmalternative. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. Adriano Grimaldi: als „Baum“ gekommen, als „Zweiglein“ gegangen. Prince Owusu, der junge Backup: weggebissen worden vom Leitlöwen. Dennis Erdmann: selbst der raubeinige „Earthman“ sei in der Kabine „vernichtet“ worden. Stephan Salger schließlich: der aktuellste Fall eines Führungsspielers, der erst als Autorität und zuletzt auch als Leistungsträger weggeknickt ist.

TSV 1860: Nach dem Mölders-Aus - jetzt sind andere Leitlöwen gefragt

Wie sagt man so schön im Fußball? Schnee von gestern. Mölders ist fürs Erste Geschichte, der Mannschaft somit ein Alibi genommen. Eine neue Hierarchie muss sich bilden, möglichst schnell. Wir zeigen, auf wen es ab sofort verstärkt ankommt.

Stephan Salger: Noch gar nicht so lange her, da flogen im Training die Fetzen zwischen dem besonnenen Rheinländer Salger und dem aufbrausenden Ruhrpottler Mölders. „Eine ganz normale Situation, wie sie im Fußball vorkommt“, beschwichtigte Michael Köllner, was nur die halbe Wahrheit war, wie man inzwischen weiß. Salger und Mölders sollen schon länger spinnefeind gewesen sein, konträr denkend bei teamrelevanten Themen wie Führungsstil, Wortwahl, Kommunikation. Salger, 31, obwohl nur fünf Jahre jünger als Mölders, gilt als sachlicher Vertreter der neuen Fußballergeneration, ruhig im Ton und eigentlich auch auf dem Platz. Wichtig für 1860 wäre, dass er sich ab sofort wieder auf das Ordnen der Abwehr konzentriert. Maßstab ist der Salger der Saison 2020/21.

Stefan Lex: Laut Köllner schon länger der heimliche Kapitän des Teams. Lex gilt als äußerst ehrgeizig (was bisweilen zu Verkrampfung führt), verlässlich und beliebt – auch wegen seiner legendären Brettspielrunden, bei denen er junge und alte Mitspieler um sich schart (aktuell angesagt: Codenames). Clever auch, dass sich der Stürmer aus Machtkämpfen weitgehend raushält. Seine Welt ist nicht die Kabine, sondern die Eittinger Heimat, Familie, Freunde, das bodenständige bayerische Leben. Sportlich hat Lex die Kurve gekriegt, nachdem er ein Dreivierteljahr lang seiner Form hinterhergelaufen ist. Inzwischen sprintet er wieder – und hat den Kopf oben. Seit Wochen ist Lex, 32, der Mann für die wichtigen Tore und Assists. Auch am Samstag in Dortmund? Nachdem der alte Kapitän als Torjäger wegfällt, kommt es umso mehr auf den neuen Kapitän an.

Marcel Bär: Besser als der Ex-Braunschweiger kann man nicht in ein neues Abenteuer starten. Bär erzielte das Siegtor bei seiner Premiere im Löwen-Trikot (1:0 gegen Würzburg) – danach allerdings gingen die Probleme los. Als keine weiteren Tore folgten (anfangs auch nicht von Mölders), beendete Köllner das Experiment mit zwei Stürmern, probierte neue Systeme aus, schob Bär hin und her – nicht selten auch auf die Ersatzbank. Zuletzt, in neuer Rolle als offensiver Mittelfeldspieler, lief es wieder besser für Bär. Fünf Tore stehen für den werdenden Papa zu Buche – eine Quote, die es auszubauen gilt. Bär muss endgültig raus aus dem Windschatten, vorne den Mölders machen, ähnlich präsent, nur laufstärker. Plakativ ausgedrückt: Die Schonzeit ist rum für den passionierten Hobbyangler.

Richard Neudecker: Für Sportchef Günther Gorenzel ist Richard Neudecker, 25, „einer der technisch stärksten Spieler der 3. Liga“. Beim Beinahe-Erreichen der Relegation ist der Rückkehrer den hohen Erwartungen gerecht geworden, in dieser Hinrunde nur sporadisch. Was ihn gehemmt hat? Gerüchte gab es viele, von Fitnessdefiziten über Nebentätigkeiten (eigene Fußballschule) und einer abgekühlten Kumpelbeziehung zu Mölders. Auflösung am Samstag in Dortmund. Der nette Altöttinger ist ab sofort als Leader gefragt.

Michael Köllner: Mölders rasiert, die sportliche Krise somit personalisiert. Zurecht? Auch für den Trainer gibt es jetzt keine Ausreden mehr. (Uli Kellner)

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