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Sascha Rösler: Neuanfang auf der alten Position

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Sascha Rösler
Sascha Rösler - jetzt mit kurzen Haaren © Getty

München - Sascha Rösler unternimmt einen letzten Versuch, sich bei den Löwen durchzusetzen: Im Sturm, wo er sich am wohlsten fühlt.

Man beobachtet das ab und zu bei Frauen: Es läuft nicht im Leben, ein Neuanfang soll gestartet und für die Außenwelt demonstriert werden, also kommen erst mal die Haare ab. Sascha Rösler muss schmunzeln, als der Reporter den neuen Kurzhaarschnitt laienpsychologisch deutet. „Nö“, sagt er, „das hat damit nichts zu tun. Mich haben die langen Haare einfach genervt, weil sie immer ins Gesicht gefallen sind.“ Sanftes Zureden von Freundin Annika hat den Griff zur Schere beschleunigt, doch der 1860-Profi betont: „Die kurzen Haare waren einfach so ’ne Laune. Ich hatte mal wieder Bock drauf.“

Sascha Rösler
Sascha Rösler mit längeren Haaren © Sampics

Haar-Psychologie hin oder her: Bielefeld war trotzdem ein Neuanfang für Rösler. Nicht nur, weil er zum ersten Mal seit dem 6. Spieltag bis zur 90. Minute mitmachen durfte und die Mannschaft mit ihm gewonnen hat. Sondern vor allem: Weil er dort spielen durfte, wo er sich zu Hause fühlt – im Sturm neben Benny Lauth. Zwar mit dem Sonderauftrag, Rüdiger Kauf aus dem Spiel zu nehmen, aber immerhin: In der Nähe zum Strafraum, wo er bei den Aufstiegen mit Aachen und Gladbach (2006, 2008) erfolgreich sein Unwesen getrieben hat. „Je weiter vorne ich spiele“, sagt der 32-Jährige, „desto wohler fühle ich mich.“ Der Gegenbeweis war in der Partie gegen Kaiserslautern zu besichtigen. Rösler half mal wieder im Mittelfeld aus, er hatte nicht eine gute Szene und als negativer Höhepunkt stand er behäbig daneben, als Jendrisek Lauterns Siegtreffer erzielte. Die Löwen-Fans pfiffen, als der Blondschopf (damals noch mit langen Haaren) nach einer guten Stunde ausgewechselt wurde.

1860-Coach Ewald Lienen hat inzwischen eingesehen, dass er weder Rösler noch der Mannschaft einen Gefallen tut, wenn er den alternden Torjäger aus seinem natürlichen Lebensraum, dem Strafraum, verpflanzt. Anders als das Fachblatt „kicker“, das Röslers Auftritt mit der Note 5 bewertete (gegen Lautern gab es sogar eine 6), hat Lienen den Angreifer in Bielefeld gut gesehen: „Er hat Bälle verteidigt, Kopfbälle gewonnen, und vor allem: sich taktisch sehr gut verhalten.“ Bedeutet auch: „Er hat sich einen Vorsprung erarbeitet.“ Obwohl Peniel Mlapa wieder gesund ist, darf sich Rösler berechtigte Hoffnungen machen, gegen Düsseldorf erneut Lauths Sturmpartner zu geben.

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Auch, weil ihn die Löwen ins Schaufenster stellen wollen, um ihn ihm Winter von der Gehaltsliste zu kriegen? Rösler versichert: Bislang hat keiner mit ihm über eine vorzeitige Trennung gesprochen. „Ich hab das auch nur in der Zeitung gelesen“, sagt er. „Ist ja normal, dass spekuliert wird, wenn einer selten spielt.“ Aber: Freiwillig wird er nicht das Weite suchen, „sonst hätte ich mich längst hängen lassen“. Hat er aber nicht. Seit Wochen legt Rösler Sonderschichten ein, streut Laufeinheiten ein und hält sich an seinen Ernährungsplan. „Er arbeitet vorbildlich“, sagt Lienen anerkennend, „da kann man ihm wirklich nichts vorwerfen.“

Wird das vielleicht doch noch was mit den Löwen und Rösler, nachdem es der Schwabe bei seinem ersten Engagement als 23-Jähriger nur vier Monate ausgehalten hat? „Ich werde bis zum Winter alles geben und dann wird man schauen“, sagt Rösler. Fest steht: „Ich will auf jeden Fall noch zwei, drei Jahre spielen. Ich denke auch, das gibt der Körper noch her.“ Spätestens im Sommer, wenn sein Vertrag ausläuft, stehen die Zeichen jedoch auf Abschied – und Rückkehr in den Westen. „Annika kommt von dort“, sagt er, „es wäre reizvoll, dort die Karriere zu beenden.“ Ein letzter Neuanfang – in der alten Heimat.

Uli Kellner

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