+
Löwen-Präsident? „Ich schließe nichts aus“: Otto Steiner, derzeit Vorsitzender des e.V.-Aufsichtsrats. Der 49 Jahre alte TV-Produzent gilt als ewiger Kandidat.

Wird er neuer Löwen-Präsident?

Steiner: „Schneider wird nicht isoliert“

München - Was wird aus Löwen-Präsident Schneider? Einer wird schon länger für den begehrten Posten gehandelt: Aufsichtsratschef Steiner. Im Merkur-Interview schafft er es, den Präsidenten gleichzeitig zu stärken und zu schwächen.

Otto Steiner, die Posse um Sven-Göran Eriksson, die ewigen Differenzen mit dem Investor – die Löwen geben mal wieder ein desaströses Bild ab. Was geht da in einem langjährigen Aufsichtsrat vor?

Es ärgert mich natürlich. Dieses chaotische Bild entspricht bei weitem nicht der Realität. Auf vielen Ebenen wird sehr professionell gearbeitet. Leider wird vieles durch unsere schlechte Außendarstellung kaputt gemacht.

Auch Investor Hasan Ismaik trägt dazu bei, indem er immer wieder poltert und Rücktritte fordert. Nur zwei Aufsichtsräte nimmt er von seiner Alle-müssen-weg-Schelte aus: Siegfried Schneider und Sie.

Eine sehr ambivalente Sache. Auf der einen Seite freut man sich, mal was Positives zu hören, weil man ja sonst eher auf den Deckel kriegt. Auf der anderen Seite möchte ich feststellen, dass die Dinge, die in den Sitzungen ein Thema waren, inhaltlich unter den Gremien abgestimmt waren. Das war nie das Vorgehen von Einzelpersonen.

Trotzdem drang der Vorwurf nach außen, dass Dieter Schneider und Vize Franz Maget die Kompromissvereinbarung mit Ismaik gefährdet hätten. Sehen Sie das auch so?

Nein. Das wäre eine zu einfache Darstellung der Dinge. Vieles erklärt sich durch die bald zweijährige Historie der Zusammenarbeit zwischen Verein und Investor, die stark von Auseinandersetzungen geprägt war. Da trafen immer wieder zwei Personen aufeinander, die die beiden Gesellschafter repräsentieren: Ismaik selbst – und Schneider als Vertreter der Klubseite.

Sehen Sie es auch so wie Ismaik, dass Schneider vieles verbockt hat, unter anderem den Deal mit Sven-Göran Eriksson?

Nein, das sehe ich nicht so.

Trotzdem scheint Schneider im Verein immer mehr isoliert zu werden.

Ich muss schmunzeln, wenn ich in den Zeitungen ein Foto sehe, wo Dieter Schneider angeblich einsam durch einen Wald in Belek läuft. Daraus Rückschlüsse zu ziehen, ist falsch, denn er ist natürlich nicht alleine. Er ist in ein Präsidium eingebunden mit zwei Vizes, die sehr eng an seiner Seite stehen. Ich kann auch nicht bestätigen, dass Dieter Schneider von den Gremien oder von Teilen des Aufsichtsrats isoliert wird.

Ist es denn richtig, dass der Aufsichtsrat in einer seiner letzten Sitzungen beschlossen hat, Dieter Schneider für eine weitere Amtszeit vorzuschlagen?

Es gab vor Weihnachten eine konstituierende Sitzung des Aufsichtsrats. Als Vorsitzender hatte ich ein einstimmiges Mandat bekommen, das Präsidium zu fragen, ob es denn grundsätzlich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stünde. Die Antwort lautete: ja.

Bedeutet das auch, dass Dieter Schneider nach wie vor das Vertrauen des Aufsichtsrats genießt?

Bei unserer nächsten Sitzung werden wir die aktuelle Situation noch einmal bewerten und darüber beraten, welche Strukturen für den Verein in Zukunft optimal wären.

Zum Beispiel?

Wir müssen endlich auf allen Ebenen moderne professionelle Strukturen in den Verein bekommen. Als Vorbild sollten uns die Kollegen von der Säbenerstraße dienen, die es schaffen, kontrovers zu diskutieren und Entscheidungen zu treffen – ohne dass Inhalte nach außen dringen.

Sind das Problem nicht eher die handelnden, zu Schwatzhaftigkeit neigenden Funktionäre?

Das Problem, dass Dinge nach außen dringen oder bewusst gesteuert werden, verfolgt uns doch seit Jahren. Ein Beispiel: Unsere Sitzung vorigen Montag war nachts um drei beendet, und schon mittags riefen mich Pressevertreter an, die über sämtliche Inhalte detailliert informiert waren. Das darf einfach nicht sein. Das muss aufhören – mit dreifachem Ausrufezeichen.

Wo sehen Sie denn die undichten Stellen?

Wer was kolportiert, ist schwer nachzuvollziehen. Ich weise aber darauf hin, dass das nicht immer der Aufsichtsrat oder das Präsidium gewesen sein muss. Es sind ja einige Parteien in Kenntnis von inhaltlichen Details.

Dann bleibt fast nur die Investorenseite. Ins Bild passt, dass Ismaik mit seinen jüngsten Aussagen versucht, den Verein in gute und schlechte Funktionäre zu spalten.

Da spielt bei ihm sicher die Enttäuschung über die Causa Eriksson mit rein. Nicht ohne Grund habe ich angeregt, dass wir im Februar mit einer Delegation zu ihm reisen und im Rahmen eines Workshops die zukünftige Zusammenarbeit besprechen. Solche Dinge dürfen nie in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Eigentlich ist das auch Teil unserer Vereinbarung.

Vom Maurer-Aus bis zum geplatzten Eriksson-Deal: Eine Chronik

Vom Maurer-Aus bis zum geplatzten Eriksson-Deal: Eine Chronologie

Nach allem, was vorgefallen ist und teilweise unter die Gürtellinie ging, ist es schwer vorstellbar, dass Schneider und Ismaik noch einmal vertrauensvoll zusammenzuarbeiten.

Vorstellbar ist definitiv alles. Die Entscheidungshoheit liegt beim Verein, und wenn die Mitglieder und Gremien zur Auffassung kommen, dass Dieter Schneider die optimale Lösung ist, dann hat das unser Partner zu respektieren.

Ist es auch denkbar, dass es bei der Mitgliederwahl im März einen Gegenkandidaten gibt?

Sollte es mehrere Kandidaten oder Teams geben, dann muss man das diskutieren. Entweder kommt der Aufsichtsrat dann zu einer Empfehlung – oder aber wir schlagen zwei Teams vor. Nach neuer Satzung wäre das zulässig. Eine Kampfabstimmung wäre aber nicht der Idealzustand.

Der von Ismaik hoch gelobte Siegfried Schneider hat inzwischen dementiert, ein Kandidat zu sein.

Das war auch nie ein Thema.

Auch Ihnen werden seit Jahren Ambitionen nachgesagt. Richtig oder falsch?

Mein Ziel ist ganz klar, in verantwortlicher Position mitzuhelfen, moderne Strukturen aufzubauen und den Verein in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. In punkto Präsidium würde ich gerne die Diskussionen im Aufsichtsrat abwarten, mir anhören, wie die Kollegen sich die Zukunft vorstellen. Ausschließen tue ich grundsätzlich gar nichts.

Noch kurz eine sportliche Frage: Kriegt Trainer Alexander Schmidt noch seinen Premiumangreifer? Ismaik sagte in „Bild“, dass er sich finanziell nicht daran beteiligen wolle.

Nach den letzten Gesprächen mit Geschäftsführer Robert Schäfer gehe ich davon aus, dass noch ein neuer Stürmer kommen wird. Das ist meiner Kenntnis nach auch noch im kalkulierten Budget drin.

Das Gespräch führte Uli Kellner

Auch interessant

Kommentare