Schweren Herzens fort von der großen Liebe

- Alanya - Wenn Paul Agostino über den TSV 1860 spricht, klingt das nicht so, als würde sich ein Berufsfußballer über seinen Arbeitgeber äußern. Agostino, seit 1997 im Verein, sagt Sätze, die erahnen lassen, dass die Löwen für ihn eine Herzensangelegenheit geworden sind. "Ich liebe es, für diesen Verein zu spielen", beteuert er, und das Besondere an dieser Aussage ist: Bei ihm klingt das in keiner Weise aufgesetzt. Es ist einfach so.

Leider für Agostino ist es zuletzt eine sehr unglückliche Liebe gewesen. Wenn überhaupt, dann wurde sie von den Fans erwidert ("Sie bauen mich jeden Tag auf"), bei Trainer Falko Götz hingegen fühlt sich der Stürmer wie schon unter Vorgänger Pacult als fünftes Rad am Wagen. Hinter Lauth, Schroth, Kioyo und neuerdings auch Lance Davids.

Am liebsten, bekennt der Australier, würde er "für immer" bei den Löwen bleiben, doch er sagt auch: "Ich bin ja nicht blind." Agostino ist Profi genug, um seine Perspektiven richtig einzuschätzen. "Ich muss realistisch sein", sagt er. "Ich bin jetzt 28, habe zwei Jahre auf der Bank gesessen und werde auch am 1. Spieltag nicht spielen."

In eineinhalb Jahren läuft sein Vertrag aus, und weil er fürchtet, dann keinen Verein mehr zu finden und die WM 2006 zu verpassen, hat er sich schweren Herzens durchgerungen, seine Löwen zu verlassen. Am liebsten würde er nach Perugia in die Serie A wechseln, doch das Interesse von Werner Lorants koreanischem Klub FC Incheon scheint konkreter. "Es ist sehr gut möglich, dass da noch in dieser Woche was passiert", sagt Agostino.

Mit einem großartigen Entgegenkommen der 1860-Führung braucht er allerdings nicht zu rechnen. "Wir wollen den Paul nicht abgeben", sagt Manager Dirk Dufner, "wenn der Lorant was will, muss er kommen. Wir rennen ihm nicht hinterher." Nur wenn die Koreaner tief in die Tasche greifen, wäre man bereit, den Australier abzugeben. Und was, wenn der Transfer scheitert? Agostino: "Dann bleibe ich auch sehr gerne hier."

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