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"Slobo macht seinen Job"

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- München - Für einen Prügelknaben sieht Löwen-Profi Slobodan Komljenovic (33) erstaunlich gut aus. Er hat keine Beulen, dafür einen Dreitagebart im Gesicht und einen schicken Kulturbeutel von Louis Vouitton unter dem Arm. Mit seiner Jeans und dem schwarzen Freizeithemd gibt das einen lässigen Gesamteindruck, und locker-lässig bleibt der serbische Hesse auch, als die Sprache auf die zuletzt heftig kritisierte 1860-Abwehr kommt.

Zwei Gegentore gegen Haching, drei in Aue, sogar eins gegen die Freizeitkicker von Germania Schöneiche - jetzt hätte der Verteidiger die Gelegenheit, sich vor der versammelten Presse zu verteidigen. Komljenovic aber sitzt da, blickt freundlich in die Reporterrunde und sagt: "Richtig ist, dass wir in einigen Situation gepennt haben." Er nimmt sich da gar nicht aus und akzeptiert auch bereitwillig die Rolle des Sündenbocks. "Kritik gibt's überall", sagt er, "vor allem, wenn der Erfolg ausbleibt." Beides, ausbleibender Erfolg und Kritik, scheint ihn nicht nervös zu machen.

Das ist einer der Gründe, warum Rudi Bommer ein großer Fan von Slobodan Komljenovic ist. Bommer betritt während Komljenovic' Ausführungen den Raum, er trägt Trainingsanzug und Fußballschuhe, und wie ein Vorstopper grätscht der Coach sämtliche Zweifel an den Fähigkeiten seines Abwehrchefs beiseite. Für Bommer ist Komljenovic das, was man im Fußball einen "verlängerten Arm" nennt.

Nicht nur ein Führungsspieler, sondern auch ein vorbildlicher Teamplayer, der solide Abwehrarbeit verrichtet und noch dazu konstruktiv von hinten herauszuspielen versucht. Der Eindruck trügt nicht, dass Bommer seinen Duzfreund aus Burghauser Zeiten demonstrativ in Schutz nimmt - während er Torhüter Michael Hofmann und Rodrigo Costa unlängst öffentlich gerügt hat. "Bulut und Komljenovic wurden von Anfang an kritisiert, andere Spieler haben hier eine Lobby", sagt Bommer. Er möchte, "dass die neuen Spieler gleich behandelt werden".

Gewiss spielt auch eine Rolle, dass Kritik an den neuen Spielern gleichbedeutend wäre mit Kritik an Bommer. Er hat die neuen Spieler schließlich geholt. Grundsätzlich ist Bommer aber derartig überzeugt von Komljenovic, und Komljenovic von Bommer, dass man von einem blinden, fast unkritischen Verständnis zwischen dem ehemaligen Frankfurter Bommer und dem ehemaligen Frankfurter Komljenovic (beide spielten von 1992 bis 1997 zusammen) sprechen kann.

Der Trainer sagt über seinen Lieblingsspieler: "Ihm brauche ich nichts zu sagen, mit dem rede ich am allerwenigsten. Slobo macht seinen Job, der ist schließlich lange genug dabei." Komljenovic hat Höhen und Tiefen bei der Eintracht erlebt, er hat Höhen und Tiefen in Duisburg und Kaiserslautern erlebt. Sogar bei seinem Kurzgastspiel in Spanien hat er Höhen und Tiefen erlebt, wobei die schlechten Zeiten deutlich überwogen. Komljenovic sagt: "Dass ich damals nach Burghausen nur wegen dem Trainer gekommen bin, ist klar. Dass ich jetzt hier bin wegen dem Trainer, ist auch klar. Und dass wir uns sehr gut kennen, ist auch klar."

Klar ist auch, dass Komljenovic besser spielen kann als bisher. Für das morgige Spiel gegen Trier hat er sich vorgenommen, kein Gegentor zuzulassen, "denn das waren jetzt eindeutig zu viele, langsam habe ich die Schnauze voll". Er glaubt an sich, sein neues Team, an den Trainer sowieso, und irgendwie liegt seine lockere, selbstbewusste Art wohl in der Familie. Sein Schwiegervater heißt Dragoslav Stepanovic, bekannt geworden durch den Satz: "Lebbe geht weiter."

 

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