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Die blaue Schande: Herbe Kritik von Ex-Löwe Hofmann

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Von: Ludwig Krammer

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Können es nicht fassen: Die Löwen-Profis Fanol Perdedaj, Sascha Mölders, Florian Neuhaus und Daniel Adlung (v. l.) versuchen, den Abstieg zu verarbeiten.
Können es nicht fassen: Die Löwen-Profis Fanol Perdedaj, Sascha Mölders, Florian Neuhaus und Daniel Adlung (v. l.) versuchen, den Abstieg zu verarbeiten. © dpa

Für die Löwen endet die Saison im Desaster. Wie es weitergeht, ist nicht absehbar. Nun ist einmal mehr Hasan Ismaik gefordert. Von einem Ex-Profi gibt‘s Saures.

München - Da standen sie, da saßen sie, und blicken ins Nichts. Kai Bülow, die Hände in den Hüften, Maxi Wittek, das Gesicht unter seinem Trikot versteckt. 20 Meter weiter: der aufgereihte Trainerstab mit verschränkten Armen. Rund herum auf den sich leerenden Tribünen die trauernden Fans. Ausgenommen die Regensburger, die ihre Mannschaft hochleben ließen und die Party schon im Stadion starteten. „Nie meeehr Dritte Liga...“

Die Welt der Löwen, sie liegt in Trümmern. 0:2 vor 62.200 Fans in der Arena, eine ebenso blutleere Vorstellung wie beim 1:1 im Hinspiel, nur dieses Mal mit einem angemessenen Ergebnis. Pusch (30.) und Lais (41.) hatten schon vor dem Pausenpfiff alles klar gemacht. Bis auf ein zweifelhaftes Abseitstor von Gytkjaer (23.) und eine weitere Chance des Dänen kurz vor dem 0:2 hatten die Sechziger nichts zu bieten.

Der Anfang vom Ende: Kolja Pusch (r.) trifft zum 1:0 für die Regensburger.
Der Anfang vom Ende: Kolja Pusch (r.) trifft zum 1:0 für die Regensburger. © dpa

Nach einer guten Stunde kippt die Stimmung

Und dann war da noch nie große Fan-Schande. Über 60 Minuten feuerten die Fans ihre Mannschaft an. Doch dann kippte die Stimmung. Zuerst zogen die Ultras der Münchner Löwen ihre Banner vom Zaun, dann skandierte der ganze Block „Wir sind Löwen und ihr nicht“. Der Höhepunkt: Die Fans warfen Fahnenstangen und Sitzschalen aufs Feld, kletterten auf den Zaun und drohten das Spielfeld zu stürmen! Nur eine lange Polizistenkette konnte die Fans zurückhalten. Zehn Polizisten wurden letztlich leicht verletzt, es drohte der Spielabbruch!

15 Minuten lang passierte auf dem Spielfeld nichts. Die Löwen-Spieler standen konsterniert im Mittelkreis, die Spieler des SSV versuchten sich mit dem Fitness-Coach warmzuhalten. „Außer Biero könnt ihr alle gehen!“, skandierte die Kurve. Als das Spiel nach 15 Minuten wieder weiterging flogen immer noch Sitzschalen auf Regensburgs Keeper Philipp Pentke. Und Schiri Daniel Siebert ließ weiterspielen.

Aufräumarbeiten: Regensburgs Keeper Philipp Pentke beseitigt die Sitzschalen aus seinem Strafraum.
Aufräumarbeiten: Regensburgs Keeper Philipp Pentke beseitigt die Sitzschalen aus seinem Strafraum. © MIS

Pereira: „Großes Loch und großer Schmerz bleiben“

„Regensburg hat sich den Aufstieg verdient. Wir haben die Punkte früher liegen gelassen“ sagte Trainer Vitor Pereira, der alle Verantwortung auf sich nahm. „Ich habe diese Aufgabe angenommen, alles gegeben, aber es hat nicht gereicht. Das Projekt ist gescheitert. Ich bedanke mich beim Investor und bei den Fans. Bei mir bleibt ein großes Loch und ein großer Schmerz.“ Wie Pereira soll auch Geschäftsführer Ian Ayre Geschichte sein bei 1860. Ob der Engländer zurückgetreten ist oder von Hasan Ismaik entlassen wurde, darüber kursierten am Dienstagabend unterschiedliche Versionen.

Der ganze Klub gleicht nach diesem Abstieg in die Drittklassigkeit einem großen Fragezeichen. An diesem Freitag endet die Frist, in der Ismaik bei den Deutschen Fußball Liga einen kolportiert zweistelligen Millionenbetrag für die Drittliga-Lizenz nachweisen muss. Ob seine Facebook-Versprechen Substanz haben, wird sich jetzt zeigen. Die Drittliga-Saison beginnt bereits am 21. Juli. Viel Zeit bleibt nicht, um eine wettbewerbsfähige Mannschaft zusammenzustellen.

Michael Hofmann, der den Abstieg 2004 als Spieler erlebte, saß am Dienstag nach dem Abpfiff völlig konsterniert auf der Tribüne. „Beim Jahn sieht man, was du mit Teamgeist und Bescheidenheit erreichen kannst“, sagte er zur tz und blickte auf die feiernde Gästekurve. „Bei Sechzig sieht man leider das Gegenteil. Was mich traurig und wütend macht, ist die Tatsache, dass hier auf den Tribünen viele Leute mehr leiden als die meisten Verantwortlichen bei 1860, die arbeiten - oder besser: arbeiten sollten.“

Folgen der Fanwut: Zahlreiche Sitzschalen sind im Innenbereich gelandet.
Folgen der Fanwut: Zahlreiche Sitzschalen sind im Innenbereich gelandet. © dpa

Das sagen die Löwen-Fans

„Zwei Chancen in 180 Minuten - dafür sind wir 700 Kilometer hin und zurück gefahren. Das ist einfach scheiße. Jetzt muss alles raus, aber das geht von alleine. Die schleichen sich doch jetzt alle! Der Platzsturm war blöd. Aber irgendwie hat man Verständnis. Sollen 60.000 applaudieren, wenn die Mannschaft nicht läuft?“
Jonas Raffl (18), Schüler, Sepp Weithaler (48), Bankkaufmann, Jürgen Pircher (41), Beamter, alle aus Südtirol

„Sie sind verdient abgestiegen. Eigentlich hatte ich damit nicht gerechnet. So ein herzloser Auftritt - Wahnsinn! Der Platzsturm war natürlich ein No-Go. Es war das i-Tüpfelchen auf den Auftritt. Ich bleibe weiter Löwe. Hoffentlich geht es weiter. Man muss sich jetzt darauf fokussieren was uns stark macht. Die Jugend, das Umfeld, die Fans - ohne Ismaik.

Gerry Behrensdorf (39), Bankkaufmann aus München

lk

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