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Stärker als mit Gebhart

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München - Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Rainer Beeck im Mannschaftshotel des TSV 1860 untergekommen ist. Das ist bei den Löwen keine Selbstverständlichkeit.

Letztes Jahr um diese Zeit besuchte Albrecht von Linde, Beecks Vorgänger im Präsidentenamt, gemeinsam mit Vize Karsten Wettberg und Aufsichtsrat Willi Mantel das Trainingslager auf Teneriffa. Es war die Zeit der heftigen Turbulenzen zwischen Präsidium und Geschäftsführung, und das Trio musste sich auf eigene Faust eine Herberge suchen. Wenn man damals die Geschäftsführer Ziffzer und Reuter zu diesem Vorgang befragte, war die Antwort eindeutig: Was haben die hier zu suchen? In keinem anderen Verein kreuzt mitten in der Vorbereitung der Präsident auf.

Nun ist der Präsident wieder da, seit gestern und bis morgen, und niemand findet das seltsam. Beeck und Stefan Reuter arbeiten ohne sichtbare Reibungsverluste. Das passt zu der allgemeinen Harmonie, die bei den Löwen gerade herrscht. In die Weihnachtsferien verabschiedeten sie sich mit finanziellen Sorgen, einem unerfreulichen elften Tabellenplatz, einer beunruhigenden Stadiondebatte und der Aussicht, in Timo Gebhart einen ihrer Besten zu verlieren. Eine Woche nach Wiederaufnahme des Trainings ist Gebhart weg, das Drei-Millionen-Loch gestopft und das Stadionthema in den Hintergrund gerückt.

Traditionell herrscht bei 1860 Optimismus, wie in jedem Januar. Das Wetter auf den Kanaren, wo die Löwen wieder logieren, ist schöner als die heimische Kälte, die Nöte des letzten Jahres abgehakt und verarbeitet. Leider war es in den vergangenen Jahren immer so, dass in der Rückrunde die Probleme erst so richtig losgingen, doch damit soll nun Schluss sein. "Aktuell sind wir stärker besetzt als in der Vorrunde", glaubt Reuter.

Man hat die Löwen schon zu oft optimistisch erlebt, um sich vorbehaltlos anzuschließen. Doch ganz unbegründet scheint die Botschaft diesmal auch nicht. Gebhart wurde durch Sascha Rösler angemessen ersetzt und der gesamte Kader in der Breite gestärkt. Mit dem Ex-Bielefelder Stefan Aigner gibt es endlich einen Aspiranten für die rechte Offensivseite, und auch der gerade 18 Jahre alt gewordene Marvin Pourie spielt in den Planspielen der Löwen schon eine prominente Rolle. Im Sturm war bislang die Rolle des Mannes neben Benjamin Lauth noch nicht zur vollen Zufriedenheit besetzt. Manuel Schäffler hat sein Talent in der Hinrunde gelegentlich angedeutet, zu einem echten Durchbruch aber reichte es genau so wenig wie zu seinem ersten Zweitligatreffer.

An diesem Punkt kommt Pourie ins Spiel. Der junge Westfale, der aus Werne stammt und die letzten anderthalb Jahre beim FC Liverpool ausgebildet wurde, könnte schon kurzfristig den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Anders als Schäffler fühlt sich Pourie (18) nicht nur in vorderster Front heimisch, sondern kommt gerne aus der Tiefe des Raumes, ohne dabei den Zug zum Tor zu verlieren. Auch abseits des Platzes gibt er sich offensiv. "Ich schieße die Tore, wie sie kommen", hat er den mitgereisten Reportern auf Teneriffa zum Einstand diktiert.

Abgesehen von den roten Zungen seiner Fußballschuhe (ein ähnliches Modell sorgte vor einem Jahr bei Chhunly Pagenburg für Aufsehen) hat er sich bei 1860 flott integriert. Leidtragende dürften Schäffler, mehr aber noch Antonio di Salvo sein. Mit Rösler als drittem Anführer neben Lauth und Daniel Bierofka, dazu Aigner und Pourie sowie vielen jungen Spielern nimmt die neue Formation Konturen an. Intern ist zu hören, dass man auf den defensiven Außenpositionen gerne mit Benjamin Schwarz (links) und Fabian Johnson (rechts) operieren würde. Das Duo würde in den Kontext dieser Mannschaft passen. Jung, taktisch gut ausgebildet, offensivfreudig.

Von der Dezembertristesse ist unter der Sonne der Kanaren nichts mehr zu spüren. "Grundsätzlich", sagt Reuter, habe er das Gefühl, "dass wir jetzt eine Mannschaft haben, mit der wir uns weiter nach oben orientieren können". Für diese Saison ist der Abstand nach oben vermutlich zu groß, doch 2010 ist ja auch noch ein Jahr. Wie berechtigt der Optimismus ist, wird sich dann nächstes Jahr um diese Zeit zeigen.

Marc Beyer

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