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2:2 in Mainz: Bissige Löwen retten Kurz den Job

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Der Mainzer Felix Borja (r) und der Münchner Mathieu Beda versuchen an den Ball zu kommen.
Der Mainzer Felix Borja (r) und der Münchner Mathieu Beda versuchen an den Ball zu kommen. © dpa

Mainz - Mit toller Moral haben die Löwen ein 0:2 beim FSV Mainz 05 umgebogen. Sportchef Stevic gab sich zufrieden: „Eine Trainerdiskussion nach dieser Leistung wäre lächerlich“.

Und dann kam dieser Freistoß in der dritten Minute der Nachspielzeit. 2:2 stand es zwischen Gastgeber Mainz und dem Krisenklub aus München, mit Daniel Gunkel legte sich ein gefürchteter Scharfschütze den Freistoß zurecht, und vielleicht hielt Marco Kurz in diesem Moment noch mal den Atem an. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht atmete Kurz auch ganz entspannt weiter, denn er wusste: Selbst wenn dieser Ball den Weg ins Ziel finden, Schiri Gräfe direkt abpfeifen und eine Niederlage für 1860 besiegeln würde – es gäbe keinen akuten Grund für den bei einem Misserfolg erwarteten Trainerwechsel. Nicht nach dieser Leistung.

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Wir sollten den Trainer erstmal in Ruhe lassen

Die Löwen hatten ein – für die turbulenten Begleitumstände – sensationelles Spiel abgeliefert. Sie kämpften wie lange nicht, sie holten einen frühen 0:2-Rückstand auf (Mainz führte durch Heller u. Borja), sie hatten die besseren Chancen, mehr Torschüsse – sogar die verletzungsbedingten Ausfälle zweier Stammspieler steckten sie weg (nach einem Zusammenprall wurde Béda mit Waden- , Sven Bender mit Kopfschmerzen ausgewechselt/61.). Folgerichtig kam es dann auch anders, als das bei den Löwen so oft der Fall ist: Gunkel donnerte den Ball nicht ins Tor, sondern ins Gesicht von Daniel Bierofka, der damit nicht nur das 2:2 (2:1) rettete, sondern auch für ein Bild mit Symbolcharakter sorgte. Heroisch dagegen gehalten, kurz gewankt, aber nicht K.o. gegangen – das galt an diesem Tag für alle Löwen. Für die Mannschaft, die Biss zeigte wie lange nicht. Und für Kurz im Speziellen.

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Entsprechend die Reaktionen danach. Sportchef Miroslav Stevic, der Nachfolger des unter der Woche beurlaubten Stefan Reuter, ging mit dem Schlusspfiff auf Kurz zu, umarmte ihn herzlich. Der Trainer wiederum, über dessen Zukunft so viel spekuliert worden war, streichelte erst dem tapferen Bierofka über den Brummschädel, tätschelte dann Stevic-Einkauf Antonio Rukavina, der ein starkes Debüt als Rechtsverteidiger gegeben hatte, bevor sich alle Löwen (auch Stevic) in den obligatorischen Kreis stellten. Eine Mannschaft findet in der Not zueinander – das war die Erkenntnis des Spiels.

Und die verbale Bestätigung folgte prompt. Die Kommentare gaben genau das wider, was die Bilder zuvor ausgedrückt hatten. „Nach so einer Leistung wäre es ein bisschen lächerlich, über die Trainerfrage zu diskutieren“, sagte Stevic relativ unmissverständlich. Als verantwortlicher Sportchef habe er „die beste Antwort“ bekommen, die zu bekommen war: „Leidenschaft“ und „Entschlossenheit“, wie von ihm gefordert, seien zu jedem Zeitpunkt des Spiels erkennbar gewesen, „und daran sieht man“, so Stevic, „dass Trainer und Mannschaft in die gleiche Richtung gehen“.

Es ist keine Überraschung, dass auch Kurz „keine Anzeichen“ erkennen konnte, dass er und das Team „auseinander weichen“. Er sprach von einer „fantastischen Reaktion“, die einen „hochverdienten Punkt“ beschert habe. Weil es gar so gut für ihn gelaufen war, konnte er es sich sogar leisten, ein bisschen auf Mr. Cool zu machen: Dass er den Torschützen Manuel Schäffler (37./Schuss von Schwarz ins Tor gelenkt) und Benny Lauth (66./Kopfball nach Flanke von Rukavina) in der umkämpften Schlussphase mit Sascha Rösler sogar noch einen dritten Stürmer zur Seite gestellt hat, sei kein Zufall gewesen. Kurz: „Wir waren schließlich nicht zum Spaß hier.“ So redet nur einer, der sich seiner Sache ziemlich sicher ist.

Vorerst kann er das auch. Ein klares Ja zu Kurz vermied Stevic zwar, dazu will er vermutlich erst den Auftritt gegen Ahlen abwarten, doch bis zum nächsten Schlüsselspiel am Sonntag dürfte Ruhe im Blätterwald und in den Funkhäusern herrschen: Einen Medienaufmarsch wie nach der Freiburg-Pleite (0:2) wird es diese Woche nicht geben.

Richard Rösener

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