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Stefan Aigner.

Er trifft mit Uerdingen auf seinen Ex-Klub

Aigner kehrt zu 1860 zurück: „Ein dummes Gefühl“ - Interview

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Am Sonntag spielt Stefan Aigner mit Uerdingen bei „seinen“ Löwen. Wir haben mit dem Ex-1860-Kapitän gesprochen.

Herr Aigner, Platz vier nach zwei Siegen in Folge. Kann man von einem gelungenen Saisonstart sprechen?

Aigner: Drei Spiele, sechs Punkte – das ist ganz ordentlich, wenn man sieht, wie ausgeglichen die Liga ist.

Viel hätte nicht gefehlt, und Sie wären zum vierten Mal bei 1860 gelandet. Woran ist der Wechsel gescheitert? Sie hatten sich mit Daniel ­Bierofka getroffen…

Aigner: Als es in der Schwebe war, dass ich meinen Vertrag in Amerika auflöse, hat sich Uerdingen extrem um mich bemüht. Eigentlich wollte ich keinen Schnellschuss machen, aber dann kam das Thema in den Medien auf – und dann hab ich mit Biero telefoniert. Wir haben uns in München zusammengesetzt, er hat mir gesagt, dass die Planungen eh schon abgeschlossen sind.

Von A wie Aigner bis Z wie Ziegenbein: Auf diese Ex-Löwen trifft der TSV 1860 in der 3. Liga

Weggegangen von Sechzig sind sie 2017 mit den Eindrücken des Doppelabsturzes. Hatten Sie das Gefühl, dass eine Rechnung offen ist?

Aigner: Rechnung offen weiß ich nicht. Auf alle Fälle hätte ich mir meinen Abgang schöner vorgestellt. Ich bin ja als Bundesliga-Stammspieler zurück zu Sechzig, weil ich noch mal aufsteigen wollte. Der Schuss ging leider nach hinten los, ganz extrem sogar. Aber so ist es leider im Fußball, da kannst du schwer was vorhersagen. Der Stachel sitzt immer noch tief, aber ich kann’s leider nicht mehr rückgängig machen.

Sie sagten mal, dass Sie für einige Fans „das Gesicht des Abstiegs“ seien. Hat man Sie das spüren lassen?

Aigner: Die Fans, die mir das ankreiden, waren wahrscheinlich enttäuscht, dass ich nach dem Abstieg nicht geblieben bin. Dritte Liga hätte ich mir vorstellen können, aber Regionalliga? Natürlich ist Sechzig mein Herzensverein, ich habe meine ganze Jugend da verbracht, in meiner Familie sind alle Sechz’ger, aber Fußball ist ja auch der Beruf, von dem ich lebe. Das müsste ich halt auch berücksichtigen.

Um auf das Katastrophenjahr 16/17 zurückzublicken. Wie kam es dazu?

Aigner: Ausschlaggebend war aus meiner Sicht, dass wir keine Einheit waren, als es drauf angekommen ist. Die Mannschaft war nicht in der Lage, auch mal einen dreckigen Sieg einzufahren – vielleicht auch wegen der vielen Wechsel im Winter. Das hätte gutgehen können, aber vielleicht hat man zu viel umgekrempelt. Der Umbruch war zu extrem, wir waren einfach kein eingeschworener Haufen.

Das Projekt Uerdingen erinnert in Grundzügen an das 60er-Modell 2016/17. Es gibt einen ehrgeizigen Investor, es wurde ambitioniert eingekauft, nicht nur Sie, sondern auch Weltmeister Kevin Großkreuz. Es scheint zu funktionieren…

Aigner: Ob’s funktioniert, wissen wir noch nicht. Das werden wir sehen. Was ich aber schon mal sagen kann: Die Mannschaft hat einen extremen Zusammenhalt.

Am Sonntag kommt es zum Duell in Giesing, Ihrer emotionalen Heimat. Ein besonderes Spiel?

Aigner: Auf alle Fälle. Es ist ein ganz dummes Gefühl, dass ich da jetzt als Gegner aufkreuze. Beim Heimatverein spielen – gegen den Heimatverein. Extrem komisch fühlt sich das an.

Haben Sie mal gegen Sechzig gespielt?

Aigner: Ja, einmal mit Burghausen. In der Arena war das – wir haben 1:4 oder 1:5 verloren.

Und welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Grünwalder Stadion?

Aigner: Ich hab da in der A-Jugend gespielt, ein paarmal mit der U23. Die Relegation gegen Saarbrücken hab ich im BR angeschaut – und ansonsten erfahre ich alles von meinem Vater, der bei jedem Spiel draußen ist. Jetzt gegen Lotte mit den ganzen Choreos – das ist schon Wahnsinn. Da siehst du, was für ein unglaubliches Potenzial in diesem Verein steckt.

Das Spiel des TSV 1860 München gegen den KFC Uerdingen können Sie am Sonntag bei uns im Live-Ticker verfolgen.

Interview: Uli Kellner

Lesen Sie auch: Konterschwäche und Rückreise-Chaos: 1860 ohne Glück in Osnabrück

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