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Stevic kritisiert müde Nationalspieler

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Miroslav Stevic
Miroslav Stevic schimpft: „Wer müde ist und trotzdem spielt, verhält sich unprofessionell“. © dpa

München - Zuletzt echauffierte sich Trainer Ewald Lienen über strapaziöse Länderspielreisen – jetzt sucht Sportchef Miroslav Stevic die Hauptschuld am 1:2 in Rostock bei eben diesen Nationalspielern.

Lesen Sie auch:Rückschlag für die LöwenMiroslav Stevic hatte wie so oft ein griffiges Sprachbild parat. „Es wäre ein medizinisches Wunder, wenn eine Frau schon nach zwei Wochen Schwangerschaft ein Kind zur Welt bringen würde“, sagte der Löwen-Sportchef nach der 1:2 (1:1)-Niederlage bei Hansa Rostock , „unsere Mannschaft muss wachsen und sich entwickeln.“ Schön formuliert, aber zwischendurch merkt man dann doch, dass der serbische Poet mal selbst Profifußballer war. Nur wenige Sätze später polterte derselbe Stevic: „Das war eine dumme, unnötige Niederlage, die mich richtig sauer macht.“

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Sauer war Stevic vor allem, weil er die Niederlage für vermeidbar hielt. „Natürlich kann man in Rostock verlieren, das ist ja keine blinde Truppe“, merkte er an, „aber an diesem Tag in dieser Form muss man mindestens einen Punkt mit nach Hause nehmen.“ Dass es dazu nicht gekommen ist trotz phasenweise überlegener Spielweise, war Stevic zu Folge ein Kopfproblem. Zum einen, weil Mate Ghvinianidze nach dem langen Pass auf Fin Bartels „entschlossener zum Kopfball“ gehen muss. Zum anderen, weil in diesem georgischen Schädel offenbar zu viele Gedanken (Reiseeindrücke?) herumschwirrten, die einer konzentrierten Leistung abträglich sind.

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nders ausdrückt: „Wenn ich ihn vor dem Spiel frage: Mate, bist du müde? Und er sagt: Nein, bin ich nicht.“ Dann war das für Stevic geschwindelt, wenn dabei ein so halbherziges Abwehrverhalten herauskommt wie in dieser 79. Minute. Bartels legte sich den Ball mit dem (zu) hohen Fuß über Ghivinianidze, drehte sich um die eigene Achse und vollstreckte – mitten hinein ins Löwen-Tor und die nach dem Koblenz-Sieg herrschende Euphorie. „Da muss sich Mate professioneller verhalten“, zürnte Stevic der georgischen Schlafmütze, „wenn er müde ist, darf er halt nicht spielen.“

Das Gleiche gelte, so viel Gerechtigkeit muss sein, für Torhüter Gabor Kiraly (unterwegs gewesen für Ungarn) und Antonio Rukavina (war mit Serbien in Südafrika), die vor dem 0:1 durch Tobias Jänicke schlecht aussahen (7.). Stevic: „Die Niederlage ist ein Ergebnis dieser Nationalspieler-Tour, ohne ein Alibi suchen zu wollen.“ Dabei sei der Kader „groß genug“, um müde Handlungsreisende zu ersetzen. Künftig gelte daher: Hand hoch, wer sich nicht fit fühlt. Alles andere sei „unprofessionelles Verhalten“.

Während Stevic den Zeitpunkt der ersten Saisonpleite beklagte („zu früh“), schien sie anderen gerade recht zu kommen. Torhüter Kiraly vertrat die seltsame Ansicht, es sei ein guter Moment für eine „Ohrfeige“ gewesen. Seine Begründung: „Die Vorbereitung lief sehr gut, wir haben wenig Gegentore kassiert, aber nur durch Fehler, die bestraft werden, lernt man.“ Er zum Beispiel wird nächstes Mal die Beine zumachen, wenn der Gegner die graue Schlabberhose wie eine Tunnelröhre anvisiert. Um seine Mitschuld am 0:1 redete Kiraly aber gar nicht groß herum: „Den Schuss kann man natürlich halten.“ Benny Lauth glich zwar technisch ansprechend aus (perfekte Ballannahme, trockener Flachschuss aus 17 Metern), doch 80 Minuten später hatte Ghvinianidze seine folgenschwere Müdigkeits-Attacke.

Für Kiraly ist es nun „eine Charakterfrage“, das nächste Heimspiel gegen Karlsruhe zu gewinnen. Stevic äußert sich ähnlich, hat da aber grundsätzliches Vertrauen: „Die Mannschaft hat Charakter und Qualität, das ist keine Frage.“ Gut für die Löwen: Diese Woche ist kein Länderspiel. Außerdem: Das Kind, das Stevic zur Welt bringen will, hat noch achteinhalb Monate im Mutterbauch vor sich. Errechneter Geburtstermin: Anfang Mai. Der Monat, der den Aufstieg bringen soll.

Hansa Rostock – TSV 1860 2:1

Rostock : Walke – Schöneberg, Sebastian, Orestes (40. Schröder), Carnell – Schlitte (87. Langen), Bülow, Retov, Fillinger - Jänicke (72. Bartels), Kern.

TSV 1860: Kiraly 4 – Rukavina 4, Felhi 3, Ghvinianidze 5, Holebas 3 – Lovin 3, Bender 4 (58. Ignjowski 4) – Kaiser 4 (62. Pappas 0), Ludwig 3 – Lauth 2, Cooper 4 (72. Schäffler 0).

Schiedsrichter: Rafati (Hannover).

Tore: 1:0 Jänicke (8.), 1:1 Lauth (19.), 2:1 Bartels (79.).

Zuschauer: 19 000.

Gelbe Karte: Schöneberg.

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