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Tierisch motiviert aus der Krise

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- Köln/München - Diese Investition hat sich gelohnt. Ab 15 Personen gibt es beim Zoo in Köln einen ermäßigten Gruppeneintritt von 9 Euro pro Nase, was bei 20 Spielern und drei Betreuern einen auch für minderbemittelte Fußball-Bundesligisten erschwinglichen Betrag von 207 Euro ergibt. In seiner Zeit als Profi beim 1. FC Köln hat Falko Götz gute Erfahrung mit Tierpark-Besuchen gemacht ("Vor wichtigen Spielen waren wir oft dort"), also setzte der jetzt bei den Münchner Löwen angestellte Trainer auch am Freitag, vor der wichtigen Partie bei seinem Ex-Klub, auf tierische Motivationshilfe.

"Da gibt es ein, zwei Tiere, die auch mit unserem Verein zu tun haben", begründete Götz, "außerdem ist der Zoo 1860 gegründet worden." Der 3:1 (3:0)-Erfolg rechtfertigt die ungewöhnliche Maßnahme, wenngleich Markus Weissenberger zu bedenken gab, dass die Raubkatzen aufgrund der Kälte "nur gelegen" seien. "Von dem her konnten wir uns nicht viel abschauen."

Der couragierte Löwen-Auftritt beim Abstiegskonkurrenten, der so gar nichts mit dem Streichelzoo-Verhalten von Wolfsburg (Götz: "Häschen-Mentalität") zu tun hatte, entsprang vielmehr einem durch einen wahren Redemarathon verursachten Selbstreinigungsprozess. "Wir haben in der vergangenen Woche viele Gespräche geführt: untereinander, mit einzelnen Spielern, in Gruppen, auch mit der ganzen Mannschaft", erläuterte Götz und wies auf einen "ganz, ganz wichtigen Punkt" hin: "Dass die Mannschaft selber gemerkt hat, dass sich was verändern muss."

Weissenberger: "Wir haben schon gewusst, wo unsere Stärken liegen, aber wir haben das mal wieder klar ansprechen müssen, und ich glaube, der Zeitpunkt war richtig gewählt." Kann man so sehen. Es war sozusagen: kurz vor fünf vor zwölf.

Die Abstiegsuhr tickt jetzt nicht mehr ganz so bedrohlich, aber vor allem die gezeigten Tugenden machen Hoffnung: Wo die Löwen früher unter Druck eingeknickt sind wie ein altersschwacher Muli, zeigten sie diesmal Zähne, hielten bissig dagegen und nutzten gleich die ersten drei Torchancen. "Man hat gesehen, dass die Mannschaft von der Moral und vom Miteinander her perfekt funktioniert", meinte Weissenberger, "wir haben uns nicht verrückt machen lassen."

In der zweiten Hälfte, als die Kölner noch mal alles nach vorne warfen und nach dem 1:3 noch zweimal Aluminium trafen, hätte man zwar "teilweise den Papst in der Tasche gehabt", räumte Torhüter Hofmann ein, aber das war den Siegern am Ende egal. "Ich hab jetzt keinen Bock, über irgendwelche negativen Sachen nachzudenken", sagte Götz erleichtert, "die drei Punkte waren für uns unheimlich wichtig, die haben wir. Schluss, Aus, Basta."

Dass auch Karl-Heinz Wildmoser mit seinen ungezählten Stellungnahmen der vergangenen Tage Anteil am Erfolg hatte, zog Weissenberger durchaus in Betracht ("Die Sprüche vom Präsidenten spornen uns an"), Götz indes murmelte: "Das ist dem Weisse seine Meinung." Er selber, das verriet sein Blick, fand die Wortmeldungen von höchster Stelle eher störend. Auffällig ist nur, dass manche Empfehlung des Chefs (Poschner und Davids raus, Kurz rein) - ob zufällig befolgt oder nicht - mit verantwortlich war für die Wende.

Trotzdem: Bis auf weiteres ist Ruhe eingekehrt bei 1860, weswegen vor dem Gastspiel von Tabellenführer Bremen am Sonntag eine ganz geregelte Vorbereitungswoche winkt: ohne Gesprächszirkel, ohne Präsidentengegrummel, aber auch "ohne Zoo" (Götz). Dabei wäre Hellabrunn im Vergleich zu Köln richtig günstig. Bei Reisegruppen ab 20 Leute gibt es den Tierpark zum Vorzugspreis von 5,50 Euro pro Person.

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